Vatikanstadt Mächtig - der Petersplatz mit Dom in Rom

Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien

Über dem Grab des Apostels bauten Päpste die Schaubühne des katholischen Glaubens: den Petersplatz und die Peterskirche.

Petersplatz

Als ob sie die Gläubigen umarmen sollen, fassen die Kolonnaden zu vier Säulenreihen das Areal ein. Hier strömen die Pilger zur Generalaudienz am Mittwoch zusammen. Hier empfangen sie den Segen "urbi et orbi", den der Papst von der Benediktionsloggia der Kirchenfassade spendet. Hier erleben sie, wenn ein neuer Papst gewählt ist. Und hier jubeln sie ihrem Heiligen Vater zu, der von März bis Oktober sonntags von einem Fenster im dritten Stock der päpstlichen Residenz das Angelus-Gebet spricht.

St. Peter und der Petersplatz in Rom
Tom Brakefield/Thinkstock
Die wuchtige Fassade von St. Peter erstreckt sich über die volle Breite des Kirchenschiffs
Gianlorenzo Bernini hat die barocke Bühne zwischen 1656 und 1667 im Auftrag von Papst Alexander VII. gestaltet. Die zur Via della Conciliazione offene Ellipse schließt mit zwei Verbindungstrakten zur Kirche hin an. 140 Heilige schauen von der Balustrade herab. Der Obelisk ragte einst in jenem Zirkus auf, in dem die ersten Christen unter Nero den Märtyrertod starben.

Peterskirche

Die größte Kirche des Abendlandes über dem Grab des Apostels Petrus, 211 Meter lang, 137 Meter hoch, hat 44 Altäre und kann 60.000 Menschen aufnehmen. Rund 1200 Jahre ragte hier eine fünfschiffige Kirche auf, die Kaiser Konstantin I. gegründet hatte. Julius II. (1503-1513) ließ sie abreißen. Stararchitekten schufen eine Monumentalarchitektur aus Renaissance und Barock als Ausdruck geistlich-politischer Macht zur Zeit der Gegenreformation.

Donato Bramante hatte einen Zentralbau über einem griechischen Kreuz vorgesehen, keine Basilika. Als er 1514 starb, waren gerade die vier Kuppelpfeiler gebaut und die Bögen gespannt, die sie verbanden. Schleppend gingen die Arbeiten voran, Geld fehlte, und es wurden Stimmen laut, die eine Basilika statt des Zentralbaus verlangten. Raffael plante als Grundriss ein lateinisches Kreuz, Antonio da Sangallo wollte einen Block, aus dem eine hohe, eiförmige Kuppel ragt. Ein Zwischenstück sollte den Kubus mit einer Loggia verbinden, der wiederum von zwei hohen Türmen flankiert gewesen wäre.

Petersplatz
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Tausende jubelten im Regen auf dem Petersplatz dem neu gewählten Papst zu.
Nichts davon wurde verwirklicht. Da übernahm der über 70-jährige Michelangelo 1546 das Kommando. Er aktualisierte den Bramante-Plan und setzte auf den Zentralbau seine Kuppel. Dieses überragende Bauwerk wurde jedoch erst 1593 unter Giacomo della Porta vollendet, da war Michelangelo schon fast 30 Jahre tot. Noch um 1600 stand ein Teil der fünf Schiffe des Langhauses aus der Zeit Kaiser Konstantins. Einen von Paul V. ausgeschriebenen Wettbewerb gewann Carlo Maderna. Er gab die Zentralbau-Idee auf, errichtete drei Schiffe im Langhaus sowie Atrium und Fassade. 120 Jahre nach Grundsteinlegung wurde das Gotteshaus 1626 von Papst Urban VIII. geweiht.