Kurzreise Ausflugsziele rund um Rom

Ganz in der Nähe von Rom liegen grandiose Ausflugsziele am Wasser und im Grünen, darunter etwa die Villa Adriana, die versunkene Stadt Ostia Antica und verwunsche Orte in den Albener Berge. Unsere Tipps für Tagesausflüge von Rom in die Umgebung.
Ostia Antica

Ostia Antica: die versunkene Stadt

Erst im 19. Jahrhundert legten Archäologen die einstige Hafenstadt der antiken Millionenmetropole Rom frei und staunten: Ostia Antica, etwa 23 Kilometer südwestlich von Rom an der Mündung des Tiber gelegen, entpuppte sich mit seinen gut erhaltenen Ruinen als eine Art zweites Pompeji. Gut 50 000 Menschen lebten hier um die Mitte des 2. Jahrhunderts – Kaufleute und Arbeiter aus dem  gesamten Mittelmeerraum. Später versandete der Hafen, die Malaria machte den letzten  Bewohnern den Garaus. Und die Stadt wurde vergessen. Doch ganze Straßenzüge blieben erhalten, mit Eingangstoren, Fenstern und Brüstungen, mit Lokalen, in denen noch gut die Tresen zu erkennen sind. Ostia hatte zahlreiche Badeanlagen, viele davon mit großflächigen Mosaikfußböden wie die berühmten Neptun-Thermen. Besonders sehenswert ist eine ehemalige Kaserne, deren zweistöckiges Gebäude überdauert hat. Sie steht neben mehreren Wohnhäusern aus Backstein in der Via della Fontana. Die Mosaike der Handelshäuser am ehemaligen Säulengang in der Nähe des Ceres-Tempels befinden sich noch immer vor den Eingängen. Einst funktionierten sie wie heute  Firmenschilder, gaben Auskunft über den Inhaber, die Waren, die er im Angebot hatte, und über  deren Herkunft.

Ostia Antica
Corbis/Mimmo Jodice
Ostia Antica liegt etwa 23 Kilometer südwestlich von Rom

Nach einem etwa zweistündigen Rundgang durch Ostia Antica kann man sich wunderbar am Lido di Ostia erholen. Zu erreichen mit dem Bummelzug, der das archäologische Grabungsgebiet mit der Metrostation Piramide in Rom verbindet. Besonders schön ist es spätnachmittags am Strand von Capocotta. Mit hohen Dünen im Rücken kann man dort einen zauberhaften Sonnenuntergang erleben.
Anreise: Mit dem Zug ab Porta San Paolo.Der Bahnhof liegt bei der Metrostation Piramide (Linie B)
www.ostiaantica.beniculturali.it

In die Albaner Berge: Castelli Romani

Frascati
Florian Monheim/Bildarchiv-Monheim/Arcaid
Skulptur im Weinstädtchen Frascati

Johannes Paul II., Benedikt XVI. – viele Päpste haben sich in den Sommermonaten regelmäßig nach Castel Gandolfo zurückgezogen. Auf den Ruinen einer Residenz von Kaiser Domitian ließen sich einst die Renaissancepäpste eine grandiose Villenanlage errichten – mit drei prächtigen Gebäuden, einem Park und einer umwerfenden Aussicht auf den Albaner See. Besucher hatten keinen Zutritt – bis Papst Franziskus auf das Feriendomizil verzichtete und den weitläufigen Park für Gäste öffnete, die hier die antiken Ruinen der Villa Domitians ansehen können. Auch die päpstliche Farm ist auf dem Gelände zu besichtigen, hier leben auf einem gepflegten Musterbauernhof Esel und Straußenvögel. Die Hühner des Papstes bevölkern ein Gebäude, das vage an einen Renaissancepalast erinnert. Der Parkbesucher bekommt allerdings weder den Swimmingpool von Johannes Paul II. noch den  Tennisplatz zu sehen, auf dem Georg Gänswein als Sekretär von Papst Benedikt XVI. die Bälle fliegen ließ. Trotz des neuen Kurses von Franziskus wird die Privatsphäre hier nach wie vor gewahrt. Tatsächlich ist Castel Gandolfo nur eines von einer ganzen Handvoll malerischer Ausflugsziele in den Albaner Bergen.

Castelli Romani nennen die Römer die hübschen Orte, die mit dem Lokalzug von Roms Hauptbahnhof aus gut zu erreichen sind. Besonders reizvoll ist das Weinstädtchen Frascati. Mitten im Ort beginnen die riesigen Gärten der Villa Aldobrandini. Sie ziehen sich sanft den Hügel hinauf, auf dem sich die grandiose Villa des Kardinals Pietro Aldobrandini erhebt, im früühen 17. Jahrhundert von den Stararchitekten Giacomo della Porta, Carlo Maderno und Giovanni Fontana erbaut. Das Gebäude kann nicht besichtigt werden, der Park hingegen schon. Ein interessantes Ziel
ist auch der Lago di Nemi, an dem man in einem kleinen Museum die Reste altrömischer Schiffe bestaunen kann. Kaiser Caligula nutzte sie für ein extravagantes Freizeitvergnügen: Er ließ auf dem Wasser Seeschlachten nachstellen. Von der Stazione Termini fahren Züge nach Frascati und nach Castel Gandolfo. Blaue Busse von Cotral (www.cotralspa.it) verbinden die beiden Orte und fahren
von der Metrostation Anagnina auch zum Nemisee (Station Genzano di Roma).
Führungen durch die Gärten der Papstvilla: http://mv.vatican.va

Hadrians Heim: die Villa Adriana

Villa Adriana
Corbis/Paul Williams,FunkyStock
Villa Adriana: eine gigantische Anlage mit Palast, Gästehäusern, Thermen

Kaiser Hadrian (76-138) war viel und gern unterwegs in seinem riesigen Reich. Was ihm unterwegs an Gebäuden und Statuen gefiel, ließ er sich zu Hause in seiner Villa Adriana nachbauen. So  entstand zwischen 118 und 134 eine der größten Kaiserresidenzen der Antike, eine gigantische Anlage mit Palast, Gästehäusern, Thermen, Bibliotheken – aber nicht etwa in Rom, sondern rund 30 Kilometer östlich, am Rande des heutigen Örtchens Tivoli – der Kaiser mied die Metropole. Die  Ruinen, die sich auf 120 Hektar verteilen, sind gewaltig – und die Natur hat sie so umgeben, dass der archäologische Park mit uralten Zypressen und Pinien als einer der schönsten Europas gilt. Um die 20 000 Menschen lebten und arbeiteten zu Hadrians Zeiten in der Villa, das Anwesen muss  damals wie eine kleine Stadt gewirkt haben. Mittendrin bewohnte der Kaiser selbst nur einen relativ kleinen Bereich. Zentrum seines Refugiums war eine noch heute erhaltene Miniatur-Insel in einem künstlichen See. Die zwei beweglichen Brücken, die von der Villa auf das kreisrunde Teatro  Marittimo führen, wurden immer dann hochgezogen, wenn Hadrian allein oder mit seinem Geliebten Antinoo zusammensein wollte. Nach Hadrians Tod wurde die Villa Adriana aufgegeben und verfiel. Erst im 19. Jahrhundert legten Archäologen Mosaike und Reliefs frei, brachten Skulpturen und Gebäudereste zutage. Heute ist die Villa UNESCO-Welterbe, im Sommer finden zwischen ihren  Ruinen Musik- und Ballettabende statt.

Noch zwei weitere jüngere Villen in Tivoli lohnen den Besuch: die Villa d’Este und die Villa  Gregoriana. Im 16. Jahrhundert ließ Kardinal Ippolito d’Este (1509-72) an einem Hang eine der eindrucksvollsten Renaissance-Parkanlagen Italiens anlegen. Von seiner Villa d’Este, einem  ehemaligen Benediktinerkloster, geht der Blick Richtung Tal über fantasiereiche Brunnenanlagen und Wasserspiele. Nach langjähriger Restaurierung funktionieren viele davon heute wieder, zum  Beispiel eine Wasserorgel oder ein Brunnen, bei dem mit Hilfe des Wassers Vogelgeräusche erzeugt werden. Die Villa ist seit ihrem Bestehen ein beliebter Ort für schöngeistige Rombesucher – darunter auch der österreichisch-ungarische Komponist Franz Liszt, der monatelang in dem herrlichen Ambiente der Kardinalsvilla lebte. Am späten Nachmittag, wenn die Sonne schon tief steht, empfiehlt es sich, weiter zur Villa Gregoriana zu fahren, zu der ein berühmter romantischer Garten gehört. Der Naturpark befindet sich im sogenannten Tal der Hölle, einem steilen Tal, in das sich der Fluss Aniene über 100 Meter in die Tiefe stürzt. Papst Gregor XVI. entschied im 19. Jahrhundert, den ständigen Hochwassern des Aniene ein Ende zu setzen. Gleichzeitig zur Flussbettregulierung ließ er den Park anlegen. Mehrere Spazierwege führen heute in das künstlich inszenierte Höllental, vorbei an Grotten, Wasserfällen, Kanälen und den Ruinen eines antiken Tempels.
Anreise: Von Rom fahren regelmäßig Züge nach Tivoli. Die Villa Adriana liegt etwas außerhalb, zu erreichen mit der Buslinie CAT 4.
www.villaadriana.beniculturali.it
www.villadestetivoli.info

Autor

Thomas Migge