Italien Elba auf Napoleons Spuren entdecken

27-18-147, so lauten die Traummaße der drittgrößten italienischen Insel, Elba, vor der toskanischen Küste im Mittelmeer. 27 Kilometer erstreckt sie sich an ihrer breitesten Stelle, 18 Kilometer reicht die Strecke vom nördlichsten bis zum südlichsten Punkt, 147 Kilometer Küste umgeben das Eiland. Platz genug für viele ruhige Orte und idyllische Badebuchten - und für die rund 32.000 Inselbewohner und bis zu 500.000 Touristen jährlich.

Ein idyllisches Kleinod ist dieses Elba, das in den vergangenen Jahrzehnten den Wandel von seiner langen industriellen Tradition zur touristisch attraktiven und dennoch natürlich gebliebenen Ferieninsel mit Bravour gemeistert hat. Denn lange Zeit war die kleine Insel ein Zentrum der italienischen Schwerindustrie. "Aithalia - die Funkensprühende" lautete der Name Elbas in früheren Tagen - eine Anspielung auf die Tag und Nacht brennenden Öfen, die zur Eisengewinnung genutzt wurden und die die Insel einst in weithin sichtbare Rauchwolken packten.

Heute sind die Öfen verschwunden und die Bergwerke geschlossen. Doch der Geist der Industrie reicht bis in die Gegenwart. Schließlich sprechen auch die Namen einiger Orte noch heute Bände von schweißtreibender Arbeit in schmutzigen Schächten und im schummrigen Licht der Helmlampen: Piombino - "Senkblei" - heißt die toskanische Hafenstadt, in der die Fähren nach Elba ablegen. Als Tourist vergisst man die Küstenstadt am besten sofort wieder und freut sich - nach der Fährpassage vorbei an Cavo, der "Höhlung" an Elbas Nordspitze - in Portoferraio, dem "Hafen der Eisenschmiede", anzulegen.

Hektisch geht es hier zu, in der kleinen Stadt, von der aus Napoleon 1814 und 1815 im französischen Exil als Diktator auf Zeit Elba beherrschte. Auch er hinterließ seine Spuren - heute sind sie gesammelt in den ehemaligen Residenzen Napoleons in Portoferraio und San Martino. Und Fonte Napoleone, Quelle Napoleons, heißt die kleine Quelle an der Straße von Poggio nach Marciana, wo das inseleigene Mineralwasser entspringt. Hier, in einem der beiden kleinen Bergdörfer an den Hängen des 1019 Meter hohen Monte Capanne, muss es auch gewesen sein, wo Mamma Miracoli - sollte es sie jemals gegeben haben - einst ihre dampfenden Kessel voller Spaghetti und Pastasauce für die "Familia" auftischte.

Portoferraio auf der Mittelmeerinsel Elba
Thorsten Keller
Portoferraio, der "Hafen der Eisenschmiede"
Nirgendwo sonst ist die Landschaft auf Elba so grün, sind die Ausblicke auf Berge, Küstendörfer und das azurblaue Meer so frei und die verwinkelten Gassen und die alten, kleinen Häuser so malerisch wie in den beiden kleinen Bergdörfern rund um den zentralen Berg Elbas. Doch auch die Fahrt über die Küstenstraße im westlichen Teil der Insel bringt manch sehenswerten Ausblick mit sich: Auf das Kap Sant’Andrea mit seinen glatten Steinen, die sich im Licht des Sonnenuntergangs am Abend rosa färben. Und - vom Torre di San Giovanni nahe San Piero in Campo - hinunter auf die kleine Ortschaft Marina di Campo mit ihrer lebhaften Marina und den gemütlich-familiären Hotels.

Bettenburgen sind in Marina di Campo verpönt

Die langgeschwungene, sandige Bucht von Marina di Campo im Süden der Insel ist das touristische Herz Elbas. Bettenburgen sind hier verpönt, Lässigkeit statt Lassosongs und Behaglichkeit statt Ballermann sind die Devise auf der Strandpromenade und der Via Roma, der "Geschäftsstraße" von Marina di Campo mit ihren Restaurants und Souvenirläden. Nicht, dass in dem kleinen Hafenstädtchen nicht gefeiert würde. Selbst im altehrwürdigen "Club del Mare" gleich neben dem Beach Garden, in dem die Bikini-Schönheiten des Sonnentages zur späten Stunde zum Schaulaufen antreten, wird abends zur Karaoke-Show gerufen.

Katzenjammer mögen die einen zwar sagen, doch halt: Die Melodie macht an der Marina di Campo den Ton. Und dann, wenn das altvertraute "Va, pensiero, sull'ali dorate!", erklingt, werden rund um den "Club del Mare" Verdis Melodien zu goldenen Tönen, die vielstimmig gen Abendhimmel schallen - die Marina di Campo versinkt im Rausch der Klänge. In diesem Moment wird klar, was Elba zu dem macht, was es nach seiner langen, verschwitzten Zeit als Schmiede Italiens heute ist: Das Dolce Vita, die süße Lebensfreude der Bewohner, lässt die kleine Insel zu einer der schönsten Perlen des Mittelmeeres werden.

INFOS:

Anreise: Elba hat keinen internationalen Flughafen. Es empfiehlt sich ein Flug nach Pisa oder Rom und von dort mit der Bahn nach Piombino und weiter per Fähre nach Elba.

Unterkunft: Der westliche Teil Elbas ist touristisch besser erschlossen als der östliche Teil. Gemütliche kleine Ferienhotels findet man unter anderem in Proccio, Marina di Campo, Sant’Andrea und Marciana Marina, sowie an der Ostküste in Porto Azurro, Rio Marina und Cavo. Ein Dorado für Camper ist Lacona im Süden Elbas mit seinen großen Campingplätzen und einem langen Sandstrand.

Ausflüge: Auf Elba bieten sich bei einer Inselrundfahrt mit einem Roller traumhafte Ausblicke. Um die gesamte Insel erkunden zu können, sollte man mit dem Roller zwei bis drei Tage einplanen. Der höchste Berg Elbas, der Monte Capanne, ist per Kabinenbahn von Marciana aus zu erreichen. Das zentrale West-Ost-Gebirge auf der Insel bietet auch Möglichkeiten zum Wandern. Sehenswert ist auch die größte Stadt Elbas, Portoferraio, mit ihrer Festung und der lebendigen Altstadt.

Autor

Thorsten Keller