Abenteuer in der Natur Die schönsten Rundreisen und Touren in Island

Zu Fuß durch die größte Lavawüste der Erde und im Boot über eine gewaltige Gletscherlagune: Wir zeigen Ihnen unvergessliche Abenteuer der Natur in Form von Rundreisen und Touren durch Island!

Odadahraun Lavafeld

Island-Rundreisen und -Touren im Überblick

Nordlichter in Island

Lagune Jökulsárlón: Eis in Sicht

Ganz langsam gleitet man zwischen riesenhaften Eisbergen und kleinen Eisschollen hindurch. Eine Fahrt mit Amphibienbooten durch die türkisblaue Gletscherlagune Jökulsárlón im Südosten Islands ist ein ganz besonderes Erlebnis. Die Lagune wird von abfließenden Schmelzwasserströmen und den Eisblöcken genährt, die aus der gewaltigen Gletscherzunge des Breiðamerkurjökull brechen, aufs Meer hinaustreiben und allmählich schmelzen. Ebenso spektakuläre Ausblicke bieten sich, wenn man am Lagunenufer entlangwandert.

Jokulsárlón-Eissee
Nirgendwo sonst auf Island sieht man so nahe turmhohe Blöcke krachend von der Gletscherkante ins Wasser stürzen. Staunend blickt man zu den gigantischen Eisskulpturen, die sich lautlos über den See in Richtung Meer bewegen. Diese Szenerie spiegelt die ganze Schönheit und Dramatik der isländischen Natur wider (Bootstouren über: www.icelagoon.is).

In der Lavawüste: Wo Odin wachte und Armstrong übte

Im Nordosten Islands erstreckt sich eine menschenleere Wildnis, in der kein Baum wächst und kein Strauch. Eine schwarze, von Kratern übersäte Mondlandschaft, die den Namen Ódáðahraun trägt – "Lavafeld der Missetäter". Beherrscht wird die Region von der Askja, einem 45 Quadratkilometer großen vulkanischen Einsturzkessel, aus dem im Laufe der Jahrhunderte feurige Lava gen Himmel schoss. Früher verkrochen sich in diesem Vulkanland die Geächteten, die Vogelfreien, und vegetierten dahin, bis Hunger und Naturgewalten ihrem Leben ein Ende setzten. Seit jenen Tagen ranken sich um diese größte Lavawüste der Erde viele Spuk- und Geistergeschichten.

Odadahraun Lavafeld
Auch ich wurde in den örtlichen Legendenteppich eingewoben, als ich mehrere Tage lang mit Rucksack und Zelt in der etwa 5000 Quadratkilometer großen Landschaft unterwegs war. Ich wanderte durch einen fantastischen Skulpturengarten aus Lavagestein. Und wenn der Nebel über das Ódáðahraun wallte, sah ich in den bizarren Erosionsformationen groteske Fabelwesen, die nur für Augenblicke lebten. Wie Blätterteig fiel die ausgeglühte Lava unter meinen Schritten auseinander, wenn ich über die endlosen Schlackenströme stieg, die einst alles Leben unter sich begraben haben. Außer dem Knirschen unter meinen Schuhen hörte ich nur den Wind, der den Ur-Sound in diesem Garten der Urzeit bildet. Bei aller Kargheit wird diese Landschaft nie langweilig. Ihr Herzstück – die erstarrte Glut aus dem Erdinnern vereint mit dem kalten Licht des Nordens – ist der 1682 Meter hohe Tafelvulkan Herðubreið, für mich Islands schönster Berg. Auf seinem schneebedeckten Gipfel gaben die Edda-Dichter ihren Göttern, den Asen, eine Heimstätte. Von dort, so berichtet der nordische Mythos, übersah der Göttervater Odin die ganze Welt.

Es gibt wohl kein anderes Gebiet der Erde, das der Mondoberfläche so ähnlich ist. Deshalb wählte die NASA sie in den sechziger Jahren als Übungsgelände für die Apollo-Astronauten Armstrong, Aldrin und Collins aus, bevor sie dann im Juli 1969 zum Mond flogen (www.vatnajokulsthjodgardur.is).

Halbinsel Snæfellsnes: Legendärer Gipfel 

Die langgestreckte Halbinsel an der Westküste Islands bietet Wanderern die größte Vielfalt. Jeder Ausblick ist voller neuer grandioser Eindrücke, immer wieder wechselt die Landschaft. Wenn man dann am westlichen Ende auf dem Gipfel des Snæfellsjökull steht, einem 1446 hohen Stratovulkan, sieht man das Meer, Inseln, Bergketten. Viele geheimnisvolle Geschichten ranken sich um den Berg, der Jules Verne so inspirierte, dass er ihn zum Schauplatz seines Romans "Reise zum Mittelpunkt der Erde" machte. Manche Isländer glauben, dass dieser Berg zu den geistigen Kraftorten der Welt zählt (diverse Touren über: guidetoiceland.is).

Goldener Kreis: Gespaltene Schönheit 

Thingvellir-Kontinentalschlucht
Geologisch steckt Island noch in der Pubertät, samt all seiner Wallungen und Ausbrüche. Gut zu sehen ist das im Þingvellir-Nationalpark: tiefe Spalten, teils mehrere Kilometer lang, machen sichtbar, wie die amerikanische und die eurasische Kontinentalplatte auseinanderdriften – jedes Jahr um rund acht Millimeter. Auch historisch spielt der Ort eine besondere Rolle: Um 930 wurde hier das Althing gegründet, eines der ersten Parlamente der Welt. Gut 1000 Jahre später, als Island 1944 die volle Souveränität erlangte, wurde hier die Republik ausgerufen. Noch dazu gehört der Þingvellir-Nationalpark zu den schönsten der Insel. Nicht umsonst ist er eine der drei Hauptattraktionen des Goldenen Kreises, der berühmtesten und beliebtesten Rundtour im Land, die sich von Reykjavík aus in einem Tag bewältigen lässt. Die Route führt auch zum Thermalfeld des Haukadalur, wo der Geysir Strokkur, übersetzt "Butterfass", mit schöner Regelmäßigkeit bis zu 30 Meter in die Höhe schießt. Nur 200 Meter entfernt liegt der Stóri-Geysir, der Große Geysir. Seit Jahrzehnten ist er nur noch selten aktiv, zwischenzeitlich provozierte man ihn mit großen Portionen Seife zum Ausbruch, das Verfahren wurde aber schnell wieder abgeschafft. Dritter Höhepunkt der Tour ist der Gullfoss, übersetzt: Goldener Wasserfall. Der Gletscherfluss Hvítá stürzt hier in zwei Stufen 32 Meter in die Tiefe. Wege führen bis dicht an die Kaskaden. Ein faszinierendes Naturerlebnis, besonders, wenn sich im Sprühwasser das Sonnenlicht in allen Regenbogenfarben bricht (Goldener-Kreis-Touren zum Beispiel über: www.extremeiceland.is).

Wanderweg Laugavegur: Zu den bunten Bergen 

Im Süden verläuft mit dem Laugavegur eine der reizvollsten Wanderstrecken Islands: Die 56 Kilometer lange Tour führt von Landmannalaugar, auf Deutsch die "warmen Quellen der Leute vom Landsveit" nach Þórsmörk. Heiße Quellen und glatt geschliffene Berge in leuchtendem Gelb, Braun, Orange und Rot säumen den Anfang des Weges. Die Farbschattierungen des hellen Lavagesteins entstehen durch die Berührung mit Eisen und werden Liparit oder Rhyolith genannt. Zwischen Wiesengrün und Moosteppichen kann man hier selbst bei kühlen Temperaturen ein warmes Bad nehmen, ehe man in vier bis fünf Tagen von Hütte zu Hütte durch das von Birkenwald bestandene Þórsmörk-Tal wandert (Geführte Wanderungen: www.mountainguides.is).

Kerlingarfjöll und Torfajökull: Eine Landschaft wie gemalt 

Kerlingarfjoll
Ihr Motto lautet: Genießen statt rennen. Ósk Vilhjálmsdóttir und ihre Kollegen von »Wanderlust« bieten Tagestouren und dreitägige Wanderungen abseits bekannter Pfade an. Ósk, die perfekt Deutsch spricht, führt ihre Teilnehmer in die Regionen um Kerlingarfjöll (Foto) und Torfajökull, zum größten Geothermalgebiet im Süden Islands. Hier erlebt man auf engem Raum vieles, was die isländische Natur besonders macht – natürliche heiße Quellen, rostrote und schwefelgelbe Rhyolith-Berge, aus denen Dampf emporsteigt, Gletscher, schwarze Sandwüsten und grüne Berge. Nirgends trifft man zwischen den bunten Hügeln auf andere Reisende. Abends wird in einer Hütte im Hochland übernachtet. "Diese Landschaft verändert Reisende«, davon ist Ósk überzeugt. »Jeder verändert sich in dieser Natur." Weitere Informationen: wanderlust.is

Sprengisandur: Piste der Abenteuer 

Berühmt und berüchtigt ist die fast 250 Kilometer lange Piste Sprengisandur durch das Hochland, das im Süden bei Selfoss beginnt und gen Norden bis zum Mývatn führt, den viertgrößten See Islands, auf Deutsch: Mückensee (und ja, er trägt seinen Namen zu Recht). Die Fahrt geht durch das Landesinnere, ist nur im Sommer und nur mit geländegängigen Fahrzeugen möglich. Fortgeschrittene Fahrkünste sind natürlich auch nicht schlecht. Aber keine Angst: Diese Tour lohnt sich! Unterwegs offenbart sich die ganze Wildheit der Insel: Es geht über Berge, durch die Lavawüste, vorbei an Seen und dem etwa 1400 Meter hohen Gletscher Tungnafellsjökull. Auch Flussquerungen müssen mit dem Auto gemeistert werden – was keine einfache Sache ist, wenn die Flüsse bei Regen anschwellen oder vom Wasser schmelzender Gletscher überlaufen. Alles in allem ein abenteuerlicher Trip durch grenzenlose Einsamkeit. Einzige Übernachtungsmöglichkeit: die Hütte Nýidalur (Infos rund um die Route: www.nat.is).

Der Seljalandsfoss ist ein Wasserfall im Süden Islands. Er liegt in der Gemeinde Rangárþing eystra an der Ringstraße

Ringstrasse: Große Runde 

Einmal um ganz Island herum, immer auf der Hauptstraße Nummer 1 – eine Traum-Tour: Die legendäre Ringstraße ist gut 1300 Kilometer lang und führt an den Schönheiten der Insel vorbei, an Wasserfällen, Gletschern und Fjorden.

Nehmen Sie sich zehn Tage Zeit, um die Natur genießen zu können: z.B. den Strand von Reynisfjara im Süden mit schwarzem Sand, dramatischen Klippen und pyramidenförmigen Felsen.

Island erleben und die Eindrücke ewig festhalten? Das geht so:

Autor

Achill Moser