Europa Irland mit dem Hausboot entdecken

Ferien an Bord: 750 Kilometer Wasserstraße sind es von der Stadt Limerick bis zu den Seen des Erne im Norden Irlands. Genau das Richtige für Freizeitkapitäne.
Der Lough Corrib in Irland.

Hausboot Irland

Irlands Wasserwege mit dem Hausboot erkunden: Auf den acht bis 15 Meter langen Booten haben bis zu acht Personen Platz.

Für so manchen Captain ist es die erste Kreuzfahrt. Niemand, der am Anleger von Enniskillen oder Carrick-on-Shannon sein Hausboot übernimmt, braucht nautische Erfahrung, geschweige denn einen Bootsführerschein. Irlands Binnengewässer sind Europas größtes Revier für Freizeitkapitäne. Ein Abenteuerspielplatz ohne Risiko, ideal für alle, die gern selbst das Kommando bei ihrer Kreuzfahrt übernehmen wollen. Eine kurze Einweisung an Bord, ausführliche Karten, und schon legen die Kabinenkreuzer ab.

Mit maximal zwölf Kilometern pro Stunde gleiten sie auf den Flüssen Shannon, Erne und Barrow, Seen und Kanälen entlang. Allein die Route über Shannon und Erne zieht sich auf mehr als 750 Kilometern durch die Insel. Frachtverkehr, vor dem man sich in Acht nehmen müsste, gibt es nicht. Der Shannon, Irlands größter Fluss, muss nur geringe Höhenunterschiede bewältigen, die Strömungsgeschwindigkeit ist gering. Deshalb können auch Amateure die acht bis 15 Meter langen Schiffe problemlos navigieren.

Hausboot in Irland

Es gibt eine kurze Einweisung an Bord, ausführliche Karten, und schon kann man mit den Kabinenkreuzern ablegen und die Wasserwege Irlands erkunden.

Im 18. Jahrhundert entstanden zahlreiche Kanäle, die das Inselinnere wirtschaftlich erschließen sollten. Mit dem Siegeszug von Bahn und Auto gerieten diese Wasserstraßen in Vergessenheit, bis man sie als Revier für Freizeitskipper wiederentdeckte. So macht etwa der Grand Canal zwischen Shannon und Dublin den Fluss Barrow im Südosten der Insel für Kabinenkreuzer zugänglich. Eine entscheidende Rolle für das riesige Wasserstraßennetz spielt der Kanal, der die Flüsse Shannon und Erne verbindet. Allerdings entpuppte sich dessen Bau zunächst als Pleite.

Kaum war der Kanal nach 20 Jahren Bauzeit 1860 eingeweiht, sorgten die schwierige Entwässerung und Wartung für Probleme. Nur 15 Schiffe passierten in den folgenden zwölf Jahren die neue Wasserstraße, dann wurde der Kanal stillgelegt und für Jahrzehnte vergessen. 1994 erinnerte man sich an ihn, für den Frachttransport war er uninteressant geworden - die Eisenbahn war der Binnenschifffahrt längst überlegen -, aber das touristische Potenzial überzeugte die Verantwortlichen.

Mit EU-Mitteln wurde der 62 Kilometer lange Kanal instand gesetzt, dank seiner können Bootsurlauber über den Shannon von Limerick im Süden bis hoch zu den beiden nordirischen Seen Lower Lough Erne und Upper Lough Erne fahren. Neben den Kabinenkreuzern sind vor allem auf dem Fluss Barrow auch die "River Barges" unterwegs. Sie sind Frachtschiffen nachempfunden, können bis zu 13 Meter lang sein und werden von einem professionellen Kapitän geführt.

 

Nachtfahrten mit dem Hausboot sind in Irland nicht erlaubt.
Tourism Ireland/Holger Leue
Nachtfahrten sind nicht erlaubt: Abends muss an einem der Uferstege festgemacht werden.

Urlaub auf dem Wohnboot bedeutet ein Dahingleiten durch eine ruhige, oft wie unberührte Landschaft. Stockenten, Forellen, Eisvögel und Reiher bevölkern die Flusslandschaft, und das Wasser ist vielerorts so sauber, dass man bedenkenlos im Fluss baden kann. Kostenlos können die Passagiere ihre Kabinenkreuzer an den Stegen der kleinen Städte und Dörfer festmachen. Viele nutzen ihr Boot auch als komfortable schwimmende Basis für einen Aktivurlaub an Land. Sie haben ihre Golfschläger oder Angelruten mit an Bord, steigen auf Surfbretter, satteln an Land die Pferde zum Ausritt oder mieten sich Fahrräder, um Ausflüge zu den Gärten oder Burgen der Umgebung zu unternehmen.

INFO

In die Kabinen an Bord der größeren River Barges können sich Reisende einzeln oder paarweise einmieten. Die yachtartigen Kabinenkreuzer werden dagegen von Familien oder Gruppen exklusiv gemietet. Die schnittigen Schiffe sind acht bis 15 Meter lang und bieten je nach Größe bis zu acht Personen Platz, in Ausnahmen auch bis zu zehn Personen. Erfahrungsgemäß sollte man, um ein wenig mehr Raum zu haben, ein Wohnboot mieten, das zwei Schlafplätze mehr hat, als die Gruppe benötigt. Alle Boote sind mit Toilette, Dusche und Küche ausgestattet, auch detaillierte Karten und Handbücher stehen zur Verfügung. Die Navigation ist einfach, das Wasserstraßen-System ist gut markiert, und nach der ersten Schleuse macht auch deren Passage keine Probleme mehr. Es müssen mindestens zwei Personen an Bord sein, eine von ihnen muss 21 Jahre oder älter sein.

Shannon Irland

Urlaub auf dem Hausboot bedeutet ein Dahingleiten durch eine ruhige, oft wie unberührte Landschaft.

Alle Boote haben ein Beiboot mit Rudern. Die Boote können am ersten Miettag um 16 Uhr, meist samstags, übernommen werden. Am letzten Tag sollen sie um 9 Uhr morgens wieder im Ausgangshafen abgeliefert werden. Wer mit Auto anreist, kann es am Starthafen kostenlos (auf eigenes Risiko) parken. Für Flugreisende lassen sich meist Transfers vereinbaren. Außer Rasierapparaten können wegen der begrenzten Batteriekraft an Bord keine Elektrogeräte angeschlossen werden.

Auf manchen Abschnitten gelten Tempolimits, generell werden gemächliche Tagesetappen von 30 bis 40 Kilometern empfohlen. Nachtfahrten sind nicht erlaubt, deshalb sollte man abends Anker werfen oder an einem der Uferstege festmachen. Die Angebote der Reiseveranstalter für Bootsurlaub schließen in der Regel die Anreise (per Flug oder Fähre) und die Transfers zu den Marinas mit ein. Meist sind diese Pauschalangebote günstiger als mehrere Buchungen der einzelnen Leistungen. Weitere Informationen: Irish Boat Rental Association (IBRA) www.boatholidaysireland.com; Waterways Ireland, www.waterwaysireland.org; Inland Waterways Association of Ireland, www.iwai.ie

Stationen am Strom

Athlone: Bereits 1129 wurde der viel genutzte Flussübergang von Athlone befestigt, im 13. Jh. bauten die Normannen die noch erhaltene Burg. Die heutige Steinbrücke entstand 1844, sechs Jahre später wurde die fotogene Eisenbahnbrücke fertiggestellt.

Carrick-on-Shannon: In der kleinen Hafenstadt mit der steinernen 17-Bogen-Brücke übernehmen viele Urlauber ihre Kabinenkreuzer. Kaum jemand kennt jedoch die "zweitkleinste Kapelle der Welt" (3,6 mal 4,8 Meter), die 1877 erbaute Costello Memorial Chapel. Das Ehepaar Costello ließ dort seine Särge unter einer Glasplatte beisetzen.

Enniskillen:

Irland: Ferien mit dem Hausboot

Mit maximal zwölf Kilometern pro Stunde gleiten die Hausboote auf den Flüssen Shannon, Erne und Barrow, Seen und Kanälen entlang.

Die nordirische Stadt liegt auf einer Insel, ihre Burg (15. Jh.) kontrollierte einst die Wasserwege durch die Erne-Seen. Das mächtige Kastell wurde später mehrfach umgebaut, heute beherbergt es das Fermanagh County Museum. Samuel Beckett und Oscar Wilde besuchten die heute fast 400 Jahre alte Portora Royal School.

Inis Cealtra: Eine "heilige Insel" mit Klosterruinen aus dem 9. bis 13. Jh., die ein beliebtes Wallfahrtsziel war. Der Garten von St Michael soll Wunderheilungen bewirken, Archäologen haben festgestellt, dass dort früher Babys beigesetzt wurden.

Killaloe: Die kleine Stadt am südlichen Teil des Shannon gilt als Geburtsort des legendären Hochkönigs Brian Ború (926-1014). Im 6.Jh. wurde hier ein Kloster gegründet. Über dessen Grundmauern begann 1185 der Bau der St Flannan's Cathedral, die den Übergang von der Romanik zur Gotik zeigt.

Shannonbridge: Die Brücke von 1757 ist eine der wenigen am Fluss, die im 19. Jh. nicht umgebaut wurden. An dem Übergang entstand in der Zeit der napoleonischen Kriege eine Festung zur Verteidigung gegen französische Invasoren. Die Klosterruinen von Clonmacnoise liegen etwas weiter stromaufwärts.