Kirrweiler im Elsass Royal Palace Varieté

Im Varietétheater "Royal Palace" in Kirrwiller im Nordelsass fliegen an fünf Tagen in der Woche die Beine in die Höhe. Zauberer, Tänzerinnen und Clowns kommen auf die Bühne. Ein wenig erinnert das Theater an "Moulin Rouge".

Kirrwiler ist ein Dorf mit etwa 450 Einwohnern und liegt rund 36 Kilometer nördlich von Straßburg, auf den Straßen sieht man außer Omis mit cremefarbenen Strickjacken und Jungs mit Fahrrädern recht wenig. Die Jungs und Omis gucken jedem Auto mit auswärtigem Kennzeichen hinterher, als würden sie denken, guck, jetzt kommen sie wieder. Denn zweimal pro Tag ist der Ort plötzlich voll mit Autos und Reisebussen: Es sind Besucher des Royal Palace, eines riesigen Varietétheaters, mitten in der Elsässischen Provinz.

Der große weiße Quader mit dem verschnörkelten Eingang ähnelt aus der Ferne eher einer Fabrikhalle, und ein bisschen ist es auch eine Unterhaltungsfabrik: Im Foyer funkeln große Kronleuchter unter gemaltem blauem Himmel, zum Theater gehören zwei Restaurants, ein kleines mit 150 Plätzen, das größere ein riesiger Saal mit 800 Plätzen, Tanzfläche und Bühne; die Besucher sitzen auf weißen Sesseln mit roten Polstern, die Menüs tragen blumige Namen wie "Fiesta", "Plaisir" und "Délice". Im großen Saal spielt eine Band englischen und französischen Pop, an den Wänden prangen Gemälde mit Szene zwischen russischem Zarenreich, indischen Maharadschas und fröhlichem Varietéleben.

Arthur Selbach
Aufgerüscht: die Darstellerinnen machen sich für die Show fertig
Die Gäste sind in der zweiten Lebenshälfte und amüsierfreudig, gleich nach dem Dessert machen sie sich auf den Weg zur Tanzfläche vor der Bühne. Aber das Beste kommt noch: Um 22.30 Uhr beginnt im großen Theatersaal mit fast 1.000 Plätzen die Varietéshow, ein Zauberer holt Tauben, Papageien und anderes Geflügel aus dem überlangen Schoß seines Fracks, ein Clownspaar macht akrobatische Faxen, junge Akrobaten springen vom Trambolin über Papphäuser hinweg. Dazwischen immer wieder: Das Ballett des Royal Palace, in kurzen Episoden reist es mit den Zuschauern um die ganze Welt, vom Elsass bis Asien, zwischendurch zeigen die Frauen natürlich auch mal ihre Brüste, was wäre es denn sonst für ein Varieté.

Während die Gäste feiern, tobt hinter den Kulissen eine logistische Materialschlacht – das Haus mit den 140 Angestellten hat an fünf Tagen pro Woche jeweils zwei Shows und etwa 1.000 Besucher, dafür flitzen Dutzende von Bühnenarbeitern, Köchen und Kellnern über die Gänge, jede Woche gehen rund 150 Kilo hausgemachte Gänseleberpastete über die Tische. In dem ganzen Gewusel führt Inhaber Pierre Meyer, 61, ganz entspannt durch sein Reich, ein väterlicher Herr mit schmunzelnden Augen und einer ziemlich bunten Krawatte zum grauen Anzug.

Eingang des Royal Palace
Arthur Selbach
Eingang des Royal Palace
Von den 21 Tänzerinnen und Tänzern kommen nur wenige aus Frankreich, die meisten aus Russland, der Ukraine und Australien, sie wohnen in einem Nebengebäude des Theaters: Im Wohnzimmer steht ein Fernseher mit Sofas, gegenüber eine Hantelbank mit Trainingsgeräten, durch eine Glastür geht es auf die Terrasse, bequem geschwungene Kunststoffliegen glänzen in der Sonne. "Die Tänzer sollen es gut haben", sagt Meyer. "Ich mache ihnen das Leben leichter, damit sie auf der Bühne auch fröhlich sind." Das ist süß, und selbst wenn man einem Programm wie dem frivol gemeinten Varieté frei nach "Alice im Wunderland" wenig abgewinnen kann: Die Besucher sind glücklich, im Essensaal tanzen sie artig in langen Reihen einen Foxtrott oder derlei, und nach der Show stehen sie begeistert auf und applaudieren. Danach steigen sie in ihre Autos und ihre Busse, kurz sind die Straßen voll, dann wird es wieder still in Kirrwiler. Bis morgen.

Infos zum "The Royal Palace"
Adresse: 20 Rue de Hochfelden, 67330 Kirrwiler, Tel. 03 88-70 71 81; www.royal-palace.com, verschiedene Mittags- und Abendvorstellungen täglich außer Mo, Menüs ab ca. 32 Euro, Shows ab ca. 30 Euro, Reservierung empfohlen

Autor

Burkhard Maria Zimmermann