Elsass Heimat des Münsterkäses

Im Maison du Fromage vor den Toren der Stadt Münster im Elsass dreht sich fast alles um den berühmten Münsterkäse. Das Museum bringt Besucher schnell auf den Geschmack.

Wer sehen will, wie man Milch in Münsterkäse verwandelt, der kommt an Hella und Hermine nicht vorbei. Die beiden schwarz-weiß gefleckten Vogesenrinder stehen in einer Box im "Haus des Käses", fressen Stroh und lassen ab und zu riesige Fladen fallen. Vor ihrem Stall, auf den Infotafeln des Museums, wird erklärt, dass das in etwa auch dem normalen Tagesablauf einer Kuh entspricht: Sie weidet rund acht Stunden, käut zwölf Stunden wider und schläft etwa vier Stunden, sie trinkt täglich zwischen 50 und 100 Liter Wasser und frisst bis zu 30 Kilo Heu oder Gras. Während man sich vorstellt, wie diese mächtigen Mengen Grünzeug im Magen der Kuh verschwinden, zeigt die nächste Tafel, wie sich der Anspruch der Menschen an die Rindviecher verändert hat: Sollte in den sechziger Jahren eine Kuh pro Jahr 2000 Liter Milch geben, sind es heute zwei- bis dreimal so viel.

Mit diesem Wissen im Kopf fühlt man sich nun bestens gewappnet, bei der Herstellung eines Münsterkäses dabei zu sein, die uns gleich nebenan präsentiert wird. 2011 hat das "Haus des Käses" in Gunsbach (Günsbach) vor den Toren von Münster eröffnet. Das Museum soll mit echten Kühen, Restaurant und angeschlossener Molkereigenossenschaft Kinder und Erwachsene in die Geheimnisse des Münsterkäses einweihen. "Wir wollen den Besuchern zeigen, wie wichtig die Kühe, die Bergbauern und der Münsterkäse für die Vogesen sind", sagt Direktor Damien Mougin.

Natalie Kriwy
"Zudem helfen wir den Bergbauern, mit der Milchgenossenschaft ihren Betrieb aufrecht zu erhalten." Kritiker behaupten, das Museumsprojekt sei zu ambitioniert. Aber Mougin sagt, im vergangenen Jahr seien bereits 100000 Besucher ins "Maison du Fromage" gekommen. Und es sollen noch mehr werden, er verhandelt gerade mit einem Busunternehmen. "Die Touristen kriegen das volle Programm: Essen, Wissen und eine kleine Show."

Die Show besteht aus einer Frau, die Holzpantinen und die regionale Tracht der Bergbauern trägt. Dreimal am Tag macht sie Käse. Das Zentrum ihrer Bühne ist ein Kupferkessel, in den sie Milch und etwas Lab hinein gibt. Während der Lab das Milcheiweiß spaltet, informiert die Frau mit elsässischem Singsang über den Münsterkäse. "Für 500 Gramm Käse braucht man um die fünf Liter Milch", sagt sie. Die Besucher nicken ehrfürchtig. Immer wieder rührt die Frau mit einer Kelle durch den Kupferkessel und verspricht: "Gleich könnt Ihr Siesskas probieren."

Natalie Kriwy
Die Milch verzehren sie in den Vogesen in fast allen Aggregatzuständen. Siesskas ist eine Art Quark, der mit Zucker und Schnaps verfeinert und in den Berggasthöfen oft als Dessert gereicht wird.

Auch auf der Bühne schenkt die Frau großzügig Schnaps in die Siesskas-Schälchen. "So schmeckt er am besten", sagt sie. Danach ist man froh, wenn man sich in dem kleinen Kino ausruhen darf. Dort läuft ein Imagefilm über die Vogesen. Natürlich wird darin auch Käse gemacht. Das bringt einen irgendwann so auf den Geschmack, dass nun kein Weg mehr am Museumsrestaurant vorbeiführt. Auf der Karte finden sich fast alle Klassiker mit Münsterkäse: Bibelakass, Munster coiffé, Siesskas.

Natalie Kriwy
Und es schmeckt gut. Manch Gast bestellt nach dem käsereichen Hauptgang sogar noch eine Käseplatte. Eigentlich wäre nun der richtige Zeitpunkt, um sich nebenan in der Genossenschaft die echte Produktion anzusehen. Die Käserei ist nur durch große Panoramascheiben getrennt. Leider haben die Käser ihr Tagwerk schon erledigt. Aber Dank kurzer Filme vor den Vitrinen können die Besucher ihre Arbeitsschritte verfolgen. Und wer noch Zeit hat, schaut sich zwei weitere Ausstellungen an: Im Obergeschoss dreht sich alles um den Wald, eine Etage tiefer um die  Käsevielfalt im Nordosten Frankreichs – mit Duft- und Kostproben.

La Maison du Fromage; 68140 Gunsbach, Vallée de Munster, Route de Munster 23, Tel. 0389779000, www.maisondufromage-munster.com

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Autor:
Stéphanie Souron