Mit Stil This is London. This is Fashion Week.

Berufsgruppen entwickeln irgendwann ihren eigenen Sprachcode. Werber sagen: "Ich bin gerade auf VW." Online-Entwickler fragen: "Feature - oder Bug?" Und unter Moderedakteuren heißt es gerade: "Hast du New York gemacht? Machst du Mailand?" Was mich angeht, ich mache London und Paris. Was heißt: Ich besuche die dort stattfindenden Modenschauen.

Mittlerweile hat von Berlin über Istanbul bis Stockholm jede Stadt über Kreisstadtniveau ihre eigene Fashion Week, die "Big Four aber sind immer noch: New York, London, Mailand und Paris. Wobei Paris die wichtigste Station bleibt, dort werden die entscheidenden Trends gesetzt. New York ist kommerziell, Mailand angestaubt, London war lange abgeschlagen, wird aber gerade wieder interessant. Wenn Sie sich also die "Fashion Crowd" mal aus der Nähe ansehen wollen - dann machen Sie London! (Gleich noch an diesem Wochenende - oder Sie warten bis zum Herbst, wenn dort die Kollektionen für 2011 vorgeführt werden.)

In London sind in den vergangenen Jahren etliche junge Designer dazugekommen, allen voran Christopher Kane, Peter Pilotto oder Erdem. Leichter an Einladungen zu den Shows kommt man deswegen nicht, die Atmosphäre ist insgesamt allerdings weniger sakral als in Paris oder Mailand. Das fängt schon beim Dresscode an: Selbst die Moderedakteurinnen beziehen die Hälfte ihrer Garderobe von der High Street, ein Besuch bei "Topshop" in der Oxford-Street liefert die Grundausstattung, den Rest bezieht man, wie Kate Moss, in Vintage-Shops wie (8 Golborne Road/Kensington) oder (110-112 Cheshire Street/East End oder 58-59 Great Marlborough Street/West End).

Die englische Angewohnheit immer noch relativ früh, hoffnungslos betrunken zu sein, schafft außerdem gute Bedingungen für Party-Crusher: Wer sich vor eine der zahlreichen Aftershowpartys (die von Henry Holland ist traditionell die gefragteste) platziert, greift mit etwas Glück ein Bändchen von stark wankenden Frauen mit Highheels in der Hand ab. Sonst trifft man die Modeleute am leichtesten in Hotels wie dem (offizielles Fashion-Week-Hotel) oder dem altehrwürdigen , was ohnehin ein Muss für einen Londonbesuch ist, solange das Pfund schwach bleibt. Restaurants wie die bieten während der Schauen ein "low calorie menu" an, dorthin verirren sich aber höchstens Asiaten. Models essen an diesen Tagen ohnehin nichts, Menschen mit Appetit trifft man eher im oder im .

Der offizielle Standort der "LFW" ist seit vergangenem Jahr das , ein klassizistischer Prachtbau gleich an der Themse unweit des King's College (nächst gelegene Tube-Station ist "Temple). Hier sollte man in jedem Fall einmal vorbeisehen - vor allem nach dem offiziellen Show-Programm, dann findet dort das statt (diesmal vom 25. bis 28. Februar), für das auch das Nicht-Fachpublikum (endlich mal) Tickets kaufen kann - vorausgesetzt man ist schnell genug und ergattert noch eines.

Ausgestellt sind in den Räumen dann zwar nicht mehr die Kollektionen für die übernächste, sondern, viel besser: Mehr als 100 Designer verkaufen Teile ihrer letzten Kollektion bis zu 75 Prozent günstiger. Besucher sollten sich allerdings auf kriegsähnliche Verwüstungen und hartes Tackling einstellen: Wenn es um Designer-Discounts geht, wird selbst die zierlichste Engländerin sofort zu Wayne Rooney.

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Autor:
Silke Wichert