England London günstig erleben

Es leben einfach zu viele Ölscheichs in London, die die Preise verderben. Neulich hat einer ein Sieben-Zimmer-Apartment am Hyde Park gekauft. Es hat schusssichere Fenster, einen panic room, es ist von Stararchitekt Richard Rogers entworfen - und hat die sagenhafte Kleinigkeit von 140 Millionen Pfund gekostet. Auf dem Immobilienmarkt schlagen solche Preise bis unten durch: Selbst für ein dunkles Kabuff in Nordlondon mit zwei Zimmern und hässlichen gelben Rüschenvorhängen verlangen und bekommen Hausbesitzer 1000 Pfund Monatsmiete. Kurzum: London kann sauteuer sein.

Erstaunlicherweise ist jedoch vieles in London günstig oder sogar kostenlos zu haben - man muss nur wissen, wie. Und wann. Wer zur Hochzeit des Jahrhunderts keine Einladung erhalten hatte, kann trotzdem kostenlos Westminster Abbey besichtigen und auf den Spuren von Kate und William wandeln, die sich in dem gotischen Prachtbau am 29. April 2011 das Jawort gaben. Normalerweise werden am Eingang pro Person 16 Pfund kassiert. Doch zu den Gottesdiensten ist der Eintritt frei, und obendrein wissen viel zu wenige, dass jeden Werktag um 17 Uhr (sonntags 15 Uhr) der weltberühmte Kirchenchor den "Evensong" singt. Gratis natürlich.

Im Stadtteil Westminster, am Trafalgar Square, befindet sich die anglikanische Kirche St Martin-in-the-Fields, die Heimat des weltbekannten Barockorchesters von Neville Marriner. Montags, dienstags und freitags ab 13 Uhr gibt es hier kostenlose Lunch-Time-Konzerte von Nachwuchskünstlern. Seit mehr als 60 Jahren gibt die Kirche jungen Talenten die Chance, vor großem Publikum aufzutreten - um eine Spende wird am Ende gebeten. Die Qualität der Konzerte ist zumeist so fantastisch wie die Akustik in dem Sakralbau aus dem 18. Jahrhundert.

Kleinere Kunst findet unter freiem Himmel am Covent Garden statt. Jeden Tag ziehen auf dem ehemaligen Marktplatz 30 bis 40 Straßenkünstler, Musikanten und Artisten ihre Show ab. Natürlich kostenfrei, aber auch hier wird um einen kleinen Obolus für das Spektakel gebeten. Das bunte Treiben ist gut organisiert: Im Norden stehen die Magier, im Osten die Musiker und im Westen die Jongleure und Entfesselungskünstler, damit nichts durcheinanderkommt. As you like!

Sparen können Sie auch schon bei der Fortbewegung von einem Gratisevent zum anderen. Allein schon für den Tritt auf die Bremse und das Öffnen der Fahrgasttür verlangen Chauffeure der klassischen schwarzen Londoner Taxen 2,20 Pfund. Also ab aufs Fahrrad. Die Leihräder von "Barclays Cycle Hire" wurden von Londons Bürgermeister Boris Johnson im Sommer 2010 eingeführt. Rund 6000 Räder sind auf 400 Leihstationen in der Innenstadt verteilt. Ohne Voranmeldung kann man die Räder mit einer EC- oder Kreditkarte an jeder Station ausleihen. 24 Stunden kosten ein Pfund, benutzt man die Räder nicht länger als 30 Minuten am Stück, entstehen keine weiteren Kosten.

Stadtrundfahrt mit dem "Routemaster"

Wem das Strampeln zu anstrengend ist, dem sei für die Stadtrundfahrt der "Routemaster"  empfohlen. Auf zwei Linien (9 und 15) fährt der traditionelle Doppeldeckerbus noch. Mit einer "Pay as you go"-Oyster-Card ist die Fahrt verbilligt (ab 1,30 Pfund). Die Oyster Card gibt es gegen ein Pfand von fünf Pfund in jeder U-Bahn-Station.

Wie wäre es nun mit einem Besuch in einem der schönsten und exklusivsten Hotels der Stadt, das zugleich ein charmantes kleines Museum beherbergt? Das "Savoy" ist eine stilistische Mischung aus dunkel getönten Klubzimmern im edwardianischen Stil und elegantem Art-déco-Traum. Sehenswert: der Wintergarten, wo Afternoon Tea und Kanapees serviert werden. Ohne sich eine Erfrischung und eines der Zimmer für mindestens 354 Pfund die Nacht leisten zu müssen, darf man trotzdem im Hotelmuseum den VIP-Gästen des Hauses nachspüren. Man erfährt, dass Marilyn Monroe hier einst über das Parkett tanzte. Und dass Marlene Dietrich bei ihrer Ankunft stets zwölf rosa Rosen und eine Flasche Dom Perignon auf ihrem Zimmer vorzufinden erwartete.

 

Eintritt frei ins Tate Modern Museum in London.
Philip Koschel
Das berühmte Tate Modern kostet keinen Eintritt.
Selbst die großen, berühmten Museen und Galerien Londons für höhere Kunst verlangen überwiegend keinen Eintritt. Besuche in der Tate Modern sind in der Regel ebenso kostenfrei wie im Imperial War Museum oder im British Museum. Und allein in Letzterem könnte man wohl eine Woche verbringen, ohne zweimal denselben Raum zu betreten. Sieben Millionen Exponate wollen erst mal angeschaut werden! Entspannung bietet da die kostenlose japanische Teezeremonie, die ein- bis zweimal im Monat freitagnachmittags in der Japan-Abteilung im Obergeschoss des British Museum stattfindet. Das halbstündige Ritual wird von drei Japanerinnen stilecht im Kimono vollzogen - der giftgrüne Matcha-Tee schmeckt hervorragend. Man sollte sich jedoch anmelden. Cheers - oder besser: Kanpai!

Sich in die Kantine des St Thomas Hospital mogeln

Wenn nun langsam der Magen knurrt, hier ein echter Insidertipp: Am Südufer der Themse, unweit der Westminster Bridge, liegt das St Thomas Hospital. Die Kantine des Krankenhauses, das "Riverside Restaurant", steht eigentlich nur den Angestellten, Patienten und deren Besuchern offen, aber wenn Sie kein Problem damit haben, sich irgendwo reinzumogeln ("Meine Tante liegt hier auf Station vier!") - es lohnt sich: Das Essen ist ordentlich, die Preise fair (etwa eine chinesische Reispfanne mit Huhn und Gemüse für 4,25 Pfund), die Aussicht phänomenal. Der Blick geht über die Themse bis zu den Houses of Parliament.

Und das ist auch gleich unser nächster Tipp: Die Galerien des Sitzungssaals sind wochentags während der öffentlichen Debatten des House of Commons (Unterhaus) und des House of Lords (Oberhaus) kostenfrei zugänglich. Besucher können also live und in Farbe dabei sein, wenn sich Tories und Labour beschimpfen und Politik fürs Vereinigte Königreich gemacht wird. Very interesting indeed!

 

Buckingham Palace in London
Philip Koschel
Wachwechsel vor dem Buckingham Palace.
Vom Premier zur Queen ist der Sprung (gedanklich) nicht weit: Wer urbritische Traditionen miterleben will, darf sich den Wachwechsel der Foot Guards in den roten Uniformen und mit den puscheligen Bärenfellmützen vor dem Buckingham Palace nicht entgehen lassen. Die Zeremonie ist (natürlich) kostenlos und, ehrlicherweise muss man das sagen, sehr überlaufen. Ob es sich lohnt? Millionen Touristen können sich doch nicht irren, oder? Wer sich selbst eine Meinung bilden will: Von Mai bis Juli wird täglich ab 11.30 Uhr die Wache abgelöst. Zwischen August und April sind die Schichten wohl länger, dann findet die öffentliche Zeremonie nur jeden zweiten Tag statt - God save the Queen!

Ein Spaziergang über die Millennium Bridge ist ein kostenloses Vergnügen

Bleiben wir an der frischen Luft: Ein Spaziergang über die Millennium Bridge ist ein ebenso kostenloses Freiluftvergnügen wie der Besuch eines der vielen öffentlichen Parks. Um es sich beispielsweise im Green Park so richtig gemütlich zu machen, kann man auch mal fünfe gerade sein lassen und 1,50 Pfund für ein Stündchen im Liegestuhl springen lassen. Der Park verdankt seinen Namen angeblich der Tatsache, dass es hier keine Blumenbeete gibt. Katharina von Braganza, die Gattin König Charles II., soll hier einst einer beliebten Anekdote zufolge die Entfernung aller Blumen veranlasst haben, da sie sich über ihren Mann ärgerte, der hier Sträuße für seine Mätressen pflückte. Nur im Frühjahr ist die Anlage mit Narzissen übersät.

Gegen Abend ein Besuch an der Themse. Besser: auf der Themse. Dank der praktischen Oyster Card kostet die Fahrt mit der Thames-Clippers-Fähre nur fünf Pfund. Es geht von dem Bootspier neben dem Riesenrad London Eye vorbei an der Royal Festival Hall und der Tate Modern bis zum Bankside Pier.

Direkt vor dem Steg liegt das berühmte Shakespeare’s Globe. Das 1997 eröffnete Theater ist ein Nachbau des Schauspielhauses, in dem William Shakespeare im 17. Jahrhundert auftrat. Zuschauer auf den Sitzplätzen in den Galerien haben ein Strohdach über dem Kopf, im Innenraum steht man unter freiem Himmel. Diese Stehplatzkarten kosten nur fünf Pfund, man sollte aber mindestens eine Woche im Voraus bestellen. Nach zweieinhalb bis drei Stunden Vorstellung sind die Füße platt, aber es lohnt sich: Die Schauspieler nutzen auch den Innenraum als Bühne, näher dran kann man nicht sein, und die Darsteller sind exzellent - good job!

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Kostenlos ins Konzert oder billig ins Theater: Londons Sehenswürdigkeiten müssen nicht teuer sein. Viele sind sogar kostenlos.

 

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Autor:
Tina Kaiser und Franziska Neugebauer