London Auf den Spuren von James Bond

James Bond, Geheimagent Ihrer Majestät, mag die exotischsten Länder der Welt bereisen, doch seine Heimat ist London. Gerade im Film "Skyfall" spielt die britische Hauptstadt eine ganz besondere Rolle. Darüber hinaus lebte, trank und flanierte hier auch Schriftsteller Ian Fleming (1908-1964), sofern er in seiner Strandvilla Goldeneye auf Jamaika nicht gerade an einem neuen Bond-Roman schrieb – auf einer goldenen Schreibmaschine, versteht sich. Hier hat der britische Geheimdienst MI 6 ebenso seinen Sitz wie die Pinewood Studios (etwa 30km westlich), in deren Hallen viele Bond-Kulissen, auch zu "Skyfall", errichtet wurden. Und ist London nicht mindestens so elegant, sexy und cool wie 007 selbst?

Aufregung im Four Seasons Hotel an der Canary Wharf: James Bond kommt! Für zwei Tage fällt die Filmcrew um Regisseur Sam Mendes dort ein, um eine Szene von "Skyfall" zu drehen, der am 23. Oktober 2012 in der Royal Albert Hall seine Premiere feierte. Wer sitzen will, wo 007 alias Daniel Craig saß, bucht die Präsidentensuite und genießt einen sagenhaften Blick über die Themse – der Bond allerdings verwehrt bleibt: Weil das Hotel im Film nicht in London steht, sondern in Shanghai, wurden die Fenster schwarz abgeklebt und später überblendet.

Oder man zieht wie Bond seine Bahnen im eleganten Virgin Active Pool des Hotels, der sich in einem vollverglasten Extragebäude direkt unten an der Themse befindet. Und nur keine Angst: Hai verseucht, wie bei einem 007-Abenteuer eigentlich zu erwarten, ist das Wasser natürlich nicht! Dafür unterliegen die Dreharbeiten einer ebenso großen Geheimhaltungsstufe wie Bonds Missionen – zur großen Enttäuschung der Hotelangestellen, die sich einen Blick auf Craig erhoffen. Nur der Communications Manager darf beim Dreh dabei sein ... und hinterher nichts verraten. Alles top secret.

Die James Bond Tour of London führt zu Drehorten in London

Akin Gazi ist da auskunftsfreudiger: Der junge Engländer türkisch zypriotischer Herkunft arbeitet als Guide der James Bond Tour of London. In einem Kleinbus führt er 007-Fans rund drei Stunden lang quer durch die Stadt zu Drehorten aus unterschiedlichen Bond-Filmen, die er mit Filmausschnitten auf DVD belegt.

Die Tour ist interessant, unterhaltsam, manchmal aber auch sehr ernüchternd: In "Skyfall" geht die imposante Betonfestung des MI 6, die bei Vauxhall Cross an der Themse steht und fünf Etagen tief in die Erde reicht, in Flammen auf. Der MI 6 braucht also dringend Ersatz. Aber was im Film als Zufahrt zu dem neuen unterirdischen Behelfsquartier präsentiert wird, ist in Wirklichkeit eine schnöde Parkhauseinfahrt an der Great Suffolk Street in West Smithfield. Lustig sind dagegen Gazis Schilderungen, wie er dort seinerzeit im Gebüsch auf der Lauer lag, weil er heimlich Fotos schießen wollte, aber dabei von den Verantwortlichen die ganze Zeit selbst beobachtet wurde.

 

Pool vom FourSeasons in London
FourSeasons
In diesem Pool vom FourSeasons zieht Craig in Skyfall seine Runden

Weiter geht’s im dichten Londoner Straßenverkehr, vorbei am College of Arms zwischen St. Paul’s Cathedral und Millenium Bridge, wo Bond in "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" Wappenkunde betreibt; der Bank of England, die u. a. in "Goldfinger" als Kulisse diente. Durch die Fleet Street, in der Ian Fleming als Journalist für die Agentur Reuters arbeitete und sich im El Vino manchen Drink genehmigte (er hatte direkt dahinter sein Büro). Das Somerset House neben King’s College doubelte in "Der Morgen stirbt nie" das Verteidigungsministerium und musste in "GoldenEye" gar als St. Petersburg herhalten, inklusive Lenin-Büste!

Endstation: National Gallery am Trafalgar Square

Endstation ist die berühmte National Gallery am Trafalgar Square: Raum 34. Dort hängen nicht nur britische Gesellschaftsporträts und Landschaftsgemälde von 1750-1850. Dort treffen James Bond und sein Techniktüftler Q (gespielt von Ben Whishaw) in "Skyfall" aufeinander und tauschen Frozzeleien und Waffen aus. Für die alten Meister wie William Hogarth und George Stubbs haben beide verständlicherweise keinen Blick, schließlich müssen sie mal wieder eilig die Welt retten.

In der Anfangssequenz von "Die Welt ist nicht genug" liefert sich Bond eine wilde Schnellbootjagd durch London. Denselben Adrenalinkick kann sich jeder Bond-Fan mit einer Speedboot-Tour auf der Themse holen, die beim London Eye startet. Obwohl man seinen Smoking mit der leuchtend orangenen Sicherheitsweste zerknittert und keine Hand für das Martiniglas frei hat, weil man sich festhalten muss, kommt bei der Highspeed-Sightseeing-Tour echtes Bond-Feeling auf.

 

Institut für Wappenkunde
britmovietours
Institut für Wappenkunde

Royal Festival Hall, National Theatre, Tate Modern, der Tower, unter der Tower Bridge hindurch und weiter, links die Canary Wharf, rechts das Segelschiff Cutty Sark. Die Sehenswürdigkeiten fliegen nur so an einem vorbei. Ganz London in 50 Minuten, während das 400 PS starke Schnellboot wenig rücken- aber umso actionfreundlicher übers Wasser flitzt und die weltberühmte Bond-Titelmelodie aus den Lautsprechern dröhnt.

Speedboottour über die Themse: ein Hauch Bond-Feeling

Zwischendurch lässt Mike, Tour-Guide und blendend gelauntes Comedy-Talent, mit frechen Bemerkungen über Land und Leute den berühmten britischen Humor aufblitzen wie Mündungsfeuer. Und muss ganz nebenbei einen wachsamen Agentenblick beweisen. Immer wenn die Wasserschutzpolizei in der Nähe ist, signalisiert er seinem Fahrer kurz: abbremsen.

Einerseits verscherzen es sich die Tourveranstalter so nicht mit den Ordnungshütern. Andererseits verstärkt es beim Fahrgast das latetente Gefühl, gerade etwas echt verwegen bondmäßiges zu tun. Bereits wenige Sekunden später wird schon wieder voll aufgedreht. Eine Stunde, die im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug vergeht und einen bestens auf die spektakuläre Ausstellung "Bond in Motion" vorbereitet.

Denn was wären die Bond-Filme ohne ihre mit allen technischen Raffinessen ausgestatteten Fahrzeuge? Den legendären silbernen Aston Martin DB 5, der in "Goldfinger" erstmals zum Einsatz kam und längst zu Bonds Markenzeichen wurde? Little Nellie, die klein knuddelige Hubschrauber-Lady, mit der Bond in "Man lebt nur zweimal" über die japanischer Vulkanlandschaft flog? Das National Motor Museum in Beaulieu (rund zwei Autostunden südwestlich von London) zeigt noch bis Anfang Januar 2013 die größte Sammlung von Bond-Vehikeln aller Art (www.beaulieu.co.uk/attractions/bond-in-motion). Autos, Boote, Motorräder – und den Cellokasten, mit dem Timothy Dalton in "Der Hauch des Todes" einen schneebedeckten Abhang herunterraste.

Es ist ein aufregendes Schauparken auf (meistens) vier Rädern. Dicht zusammengedrängt und umringt von Bond-Fans jeden Alters mit glasigen Augen stehen 50 Filmfahrzeuge aus 50 Jahren Bond in der Halle und wecken Erinnerungen an spannende Kinobesuche. Auf einem Ständer lauert der flunderflache, schneeweiße Lotus Esprit aus "Der Spion, der mich liebte" in voller Unterwasserausstattung, als wollte er gleich wieder vor Sardinien ins Meer eintauchen. 

Sammlung vom Mini-U-Boot aus Octopussy bis zum Aston Martini DBS 

Das Ein-Mann-Mini-U-Boot in Krokodilform aus "Octopussy" ist ebenso zu bestaunen wie der stark lädierte und zerbeulte Aston Martin DBS, mit dem Daniel Craig in "Ein Quantum Trost" um sein Leben fährt. Und der rote AMC Hornet aus "Der Mann, mit dem goldenen Colt", mit dem Roger Moore eine spektakuläre 360-Grad-Schraube über eine verfallene Brücke dreht, darf selbstverständlich auch nicht fehlen. Ein Ausflug, der sich lohnt, nur die Präsentation könnte etwas liebevoller sein, geht aber nicht – aus Platzgründen.

Wer anschließend selbst nicht mehr hinter’s Lenkrad muss, sollte den Tag nach so viel Benzin getränkter Nostalgie mit einem berühmten Vesper-Martini ausklingen lassen, benannt nach Bonds Freundin Vesper Lynd aus "Casino Royale". Gelegenheiten dazu bietet London genug, die Beste: das altehrwürdige Dukes Hotel am St. James’s Place. Dort wurde der hochprozentige Cocktail (6cl Gordon’s Gin, 2cl Wodka, 1cl Kina Lillet, Eis, 1 dünne Limettenschale) eigens für Stammgast Ian Fleming kreiert, und dort ließ sich der Schriftsteller auch zu der unsterblichen Zeile "geschüttelt, und nicht gerührt" inspirieren. Na, dann: Cheers, James. Auf die nächsten 50 Jahre!

Den Original-Trailer zum James-Bond-Film "Skyfall" sehen Sie hier:

 

Auf einer Tour durch London kann man die Drehorte von James Bond besuchen. Auch Schauplätze aus Skyfall wie einen Hotel-Pool und das MI 6-Gebäude sind zu bewundern.

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Autor:
Olaf Schneekloth