England Die schönsten Herrenhäuser in Cornwall

Auf die Tore: Einige Herrenhäusern in Cornwall können Urlauber besichtigen oder sich gar dort einmieten. Traumhafte Bleiben für alle, die sich für die reiche Geschichte des britischen Adels interessieren. Und keine Angst vor Gespenstern haben!
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Wer hat nicht auch schonmal davon geträumt, Urlaub auf einem Herrenhaus à la Downton Abbey, The Tudors oder Rosamunde-Pilcher zu machen? Die imposanten Räume, der weitläufige Garten und das mystische Ambiente, welches diese Häuser umgibt, lassen sich an einem Ort besonders gut wiederfinden: das unberührte Cornwall im südwestlichen England. Wir haben Ihnen hier die sechs Herrenhäuser zusammengestellt, die Sie bei Ihrem nächsten Cornwall-Urlaub keinesfalls verpassen sollten:

Antony House 

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Antony House in Cornwall

Christopher Columbus war noch 
nicht einmal geboren, als die Familie Carew um 1430 auf das Anwesen
 zog. Entsprechend hochnäsig wirken einige der Herren und Damen, die
 auf Ölbildern über ihre Halskrausen oder Spitzenausschnitte auf die Besucher hinabblicken. Mehrere dieser Porträts stammen von Joshua Reynolds, einem der wichtigsten englischen Maler des 18. Jahrhunderts. Die mit dunklem Eichenholz getäfelten Räume, die Marmorkamine oder Barockmöbel sind größtenteils Originale aus der Zeit um 1720. Wundern Sie sich aber nicht, wenn Sie bei Ihrem Rundgang (nur möglich in den Sommermonaten) auch auf Legosteine oder ein Bobbycar stoßen: Schlossherr Tremayne Carew Pole, geboren 1974, bewohnt Antony House mit Frau, Kindern und Familienhund Alba. Sein Großvater hatte Haus und Garten 1961 dem National Trust übergeben. Torpoint, PL11 2QA

Cotehele

So viel Tudor-Stil gibt es selten: Wenige Monate nach der Thronbesteigung von Heinrich VII. im Jahr 1485, dem ersten Tudor-König, ließen die Edgcumbes ihr Haus (erbaut um 1300) grundlegend umbauen. Selten blieb die Architektur jener Epoche so gut erhalten. Imposant sind außerdem die meterhohen Wandteppiche – die meisten stammen aus dem 17. Jahrhundert – sowie eine der ältesten Uhren der Welt: sie wurde im 15. Jahrhundert gefertigt. Nachdem es etwa 600 Jahre ihr Wohnhaus war, übergaben die Edgcumbes es 1947 an den National Trust. Dennoch hat Cotehele neuerdings wieder Bewohner: Auf dem Gelände werden neun Ferienwohnungen oder -häuser vermietet – im Haupthaus ebenso wie in der alten Mühle oder den alten Bedienstetenhäusern. St Dominick (bei Saltash), PL12 6TA

Mount Edgcumbe

Was für eine Mitgift: Als Joan Durnford im 15. Jahrhundert einen Edgcumbe heiratete, brachte sie das Land auf der Rame-Halbinsel mit in die Ehe – 350 Hektar inklusive wunderschöne Ausblicke über den Ärmelkanal auf Plymouth. Die wussten auch ihre Nachkommen zu würdigen: Als Sohn Richard 1547-1550 das heutige Herrenhaus baute, setzte er – ungewöhnlich für die Zeit – auf große Spitzbogenfenster. Doch die Nähe zur Hafenstadt Plymouth wurde 1941 zum Verhängnis: Bei einem Bombenangriff der Deutschen brannte das Haus aus. Im originalgetreu wieder aufgebauten Haus lebte die Familie Edgecumbe noch bis 1987; seitdem sind neben dem weitläufigen Garten mit Hirschgehege auch die früheren Privatgemächer zu sehen. Urlauber können auf dem Anwesen zwei Cottages sowie zwei Schäferwaggons mieten. Torpoint, PL10 1HZ www.mountedgcumbe.gov.uk

Pentillie Castle 

Heute würde man ihm Größenwahn unterstellen: Erst baute Sir James Tillie 1698 das Pentillie Castle, später heiratete er die Witwe seines Nachbarn, um den Besitz zu vergrößern. Und in seinem Testament befahl er, man möge ihn nach dem Tod auf einem Stuhl im Garten festbinden. Dort wolle er mit Büchern, Wein und Pfeife die Auferstehung erwarten. Nach zwei Jahren soll es den Bediensteten gereicht haben, sie bestatteten seinen Leichnam, das Mausoleum ist zu besichtigen. Derlei Schoten geben die heutigen Schlossherren Sarah und Ted Coryton gern zum Besten, wenn sie die Besucher ihres B&B (neun Zimmer) herumführen. St Mellion (bei Saltash), PL12 6QD www.pentillie.co.uk

St. Michael's Mount

St. Michael's Mount, Cornwall
Auf dem steilen Weg zu Schloss und Kapelle oben auf dem Inselberg laufen die Besucher zwangsläufig über das Herz des Riesen Cormoran: Einst soll er hier sein Unwesen getrieben haben, ein herzförmiger Stein im Boden erinnert an die Legende. Weil es davon noch viele weitere gibt, ist die Insel vor dem Städtchen Marazion im Südwesten Cornwalls gerade bei Familien sehr beliebt. Kinder bekommen an der Kasse zu ihrem Ticket auch eine kleine Schnitzeljagd, die sie zu spannenden Details lotst: Sei es der übergroße Reisekoffer eines früheren Schlossherren, eine Katzenmumie oder der Lederbecher, der neben einem Skelett im Verlies unter der Kapelle gefunden wurde. Erwachsene staunen über die Geschichte: Um 1050 war die Insel samt Kapelle Benediktinermönchen übergeben worden, die hier das britische Pendant zum normannischen Mount-Saint-Michel gründeten. Im 17. Jahrhundert kauften die St. Aubyns Insel und Gebäude. Obwohl sie beides bereits 1954 dem National Trust übergab, bestand die Familie auf ein Wohnrecht - für die kommenden 999 Jahre. Lassen Sie sich auch den knapp 250 Jahre alten Garten nicht entgehen: Auf den Terrassen am steilen Hand müssen die Gärtner alpines Klettergeschirr tragen, um die fast 600, vor allem subtropischen Pflanzen zu versorgen. Anfahrt bis Marazion, ab dort zu Fuß (bei Ebbe) oder im Boot (bei Flut). www.stmichaelsmount.co.uk

Caerhays Castle 

Caerhays Herrenhaus Cornwall

Caerhays Castle in Cornwall 

»Private road« steht am Anfang der Schlossallee, aber Charles Williams, Besitzer von Caerhays Castle, hat gesagt, die solle man nehmen. »Sie sind ja nun selbst ein Bewohner des Schlosses.« Charles Williams lebt hier seit seiner Geburt 1957. »Auf diesem Ledersofa hat der Arzt geschlafen, in der Nacht, als ich zur Welt kam«, sagt er stolz; stolz darauf, von so viel Familiengeschichte umgeben zu sein. Er führt in die Bibliothek, seinen Lieblingsraum: Hier stehen die beiden Stühle, auf denen sein Großvater in der Westminster Abbey die Krönungen von George VI. und Elisabeth II. verfolgte; nach den Zeremonien nahm er sie mit heim. Und dort hängen die Ölporträts der beiden Vorfahren, denen er all das zu verdanken hat. Sein Urgroßvater Michael Williams hatte Caerhays Castle 1854 gekauft, das gute 40 Jahre zuvor gebaut worden war – nach Plänen von John Nash, der auch großen Teilen des Buckingham Palace ihr heutiges Gesicht verlieh und den Trafalgar Square plante. Doch Bauherr John Bettesworth-Trevanion hatte sich dafür hoch verschuldet und war vor seinen Gläubigern nach Paris geflohen. Michael Williams kaufte Caerhays Castle, sein Enkel sorgte für dessen Ruhm. John Charles Williams war 18, als er das Anwesen erbte, und er veränderte es durch seine Passion: das Gärtnern. Narzissen kreuzte er zu immer neuen Sorten und schickte »Pflanzenjäger« nach Asien, die mit Samen von Rhododendren, Magnolien, Kamelien zurückkehrten. »Seinem Garten verdanken wir, dass wir noch immer hier leben können«, sagt Charles Williams und zeigt auf die Paletten mit Blumen, die gerade für die Chelsea Flower Show verladen werden. Neben den Übernachtungsgästen ist es vor allem der Handel mit Pflanzen, der die Erhaltung von Caerhays Castle sichert. Der Schlossherr fährt zur Flower Show morgen hinterher – aber heute will er noch Gäste zur Jagd begleiten. Auf dem Anwesen können Gäste in 13 Wohnungen und Häusern oder dem Luxus-B&B »The Vean« (8 DZ) übernachten. Führungen an einigen Wochentagen. Gorran (bei St Austell), PL26 6LY www.caerhays.co.uk