Nürnberg Made in Mittelfranken

Playmobil-Spielzeug von geobra Brandstätter

Dann kam Anfang der Siebziger die Ölkrise, der Rohstoff für Plastikgegenstände wurde existenzgefährdend teuer. Brandstätter löste mit einem Genieblitz, der in alle Kinderzimmer einschlug, die Probleme. Die materialsparenden Playmobil-Kerlchen machten die Firma zum umsatzstärksten deutschen Spielwarenhersteller. Die kleinen Verwandlungskünstler bewähren sich als Spielzeug auf Baustellen, im Wilden Westen, im Zirkus, als Piraten oder in der Ritterburg, kurz: überall. Sie bringen dem Unternehmen, ein echter "global player" mit über 2700 Mitarbeitern weltweit, 380 Millionen Euro Umsatz.

Gerade 7,5 Zentimeter misst das Männchen, das vom fränkischen Zirndorf aus die Welt eroberte und heute mit zwei Milliarden Playmobil-Schwestern und -Brüdern die Kontinente bevölkert.

Das Familienunternehmen geobra Brandstätter, 1876 gegründet, hatte nach dem Zweiten Weltkrieg schon Registrierkassen von Kinderkaufläden produziert, Hula-Hoop-Reifen, Rennautos aus Kunststoff, Traktoren für Kinder und Sparschweine, aber auch Öltanks, Wasserski und Kleinmöbel.

Faber-Castell

Der "Bleystefft", der eigentlich ein Graphitstift ist, wird erstmals im Jahr 1644 erwähnt, vom ersten Nürnberger Bleistiftmacher Hannß Baumann ist 1659 die Rede. Rund hundert Jahre später beginnt der Schreiner Caspar Faber Schreibgeräte zu fertigen. Johann Froescheis folgt zu Beginn des 19. Jahrhunderts (heute Lyra- Bleistift-Fabrik) und Johann Sebastian Staedtler 1835. Caspar Fabers Urenkel Lothar führt den sechseckigen Schreiber ein und legt Härtegrade für die Minen fest. Für seine unternehmerischen Verdienste wird er geadelt.

1856 erwirbt die Firma eine Graphitgrube in Sibirien, seit 1905 gibt es den berühmten grünen "Castell 9000" - seine Enkelin, eine Freiin von Faber hatte inzwischen einen Graf zu Castell-Rüdenhausen geheiratet, die Firma nennt sich fortan Faber-Castell. Neue Modelle kommen auf den Markt, Künstler entwerfen neues Design. Buntstifte erweitern die Palette, im Auftrag von Kosmetikfirmen werden "Schönschreiber" wie Kajaloder Lippenkonturenstifte gefertigt. Mehr als 1,8 Milliarden Blei- und Farbstifte pro Jahr produziert Faber- Castell als größter Hersteller holzgefasster Stifte. 6000 Mitarbeiter sind weltweit beschäftigt. Das Holz kommt aus Brasilien. Dort wachsen auf 10.000 Hektar firmeneigenen Plantagen Pinien. Gefällte Bäume werden durch jährlich eine Million Jungpflanzen ersetzt.

Eschenbach Optik

Fast jeder zweite Erdenbewohner braucht eine Brille, das sind mehr als drei Milliarden Menschen. Was Wunder, wenn Dr. Wolfgang Rebstock sagt: "Unserem Unternehmen geht es gut." Keine Spur also von Understatement beim Vorsitzenden der Geschäftsführung von Eschenbach Optik in Nürnberg. Die Firma wurde 1913 gegründet, heute erwirtschaften weltweit mehr als 500 Mitarbeiter 100 Millionen Euro jährlich. Der größte Teil des Umsatzes wird mit Brillen erzielt, bei Brillenfassungen ist Eschenbach Marktführer in Deutschland, die Kollektionen umfassen fast ausschließlich eigene Marken.

Ende der achtziger Jahre brachte Eschenbach die TITANflex auf den Markt, eine Sehhilfe, die ein "Gedächtnis" besitzt und auch nach außergewöhnlicher Belastung sich wieder in ihre ursprüngliche Form zurückbiegt. Die "Unkaputtbaren" bewähren sich nicht nur bei Kindern, sondern auch bei schusseligen Erwachsenen. Eschenbach stellt unter dem Motto "wenn die Brille nicht mehr ausreicht" außerdem in eigener Fertigung und höchster Präzision Lupen, Lesegläser und Ferngläser sowie optische Komponenten für industrielle Anwendungen her. "Überall, wo Licht steuern, beleuchten und übertragen kann, muss es kanalisiert werden - und dafür braucht man Linsen", sagt Wolfgang Rebstock. Eschenbach hat also noch viel vor.

Schaeffler Gruppe

Mit Gürtelschnallen und Knöpfen fingen Wilhelm und Georg Schaeffler 1946 in Herzogenaurach an. Heute zählt die Schaeffler Unternehmensgruppe weltweit mehr als 60.000 Mitarbeiter. Ihre Produkte - etwa 150.000 - werden von 60 Industriebranchen u.a. im Maschinenbau, der Luft- und Raumfahrt sowie der Automobilindustrie gebraucht. Ein großer Teil sind Wälzlager, die bei geringer Reibung eine Last zwischen gegenläufig bewegten Flächen übertragen. So definieren es die Ingenieure - und können für jeden Kunden das spezielle Bauteil entwickeln, ganz nach der Firmendevise: "Gemeinsam bewegen wir die Welt." Lager von Schaeffler sorgen auch dafür, dass sich das "London Eye", das Riesenrad der Themsestadt, seit der Jahrtausendwende sicher dreht.

Offsetdruckerei KonradinHeckel

125 Millionen Seiten werden bei KonradinHeckel täglich bedruckt. An manchen Tagen sind es auch die Seiten eines neuen MERIAN-Heftes. Denn seit vielen Jahren liegt die Zeitschrift in der Obhut des hochmodernen Rollenoffset-Unternehmens mit 400 Mitarbeitern, einer von mehreren renommierten Großdruckereien in Nürnberg. Auch wenn MERIAN dran ist, geht alles ganz schnell: Zweieinhalb Stunden dauert es, bis ein Bogen mit 48 Seiten eines Heftes hunderttausendfach bedruckt ist. Das entspricht einer Geschwindigkeit von 15 Metern pro Sekunde oder 54 Stundenkilometern. Ist eine Zweitonnen-Papierrolle durchgelaufen - und das dauert nicht lange -, wird im fliegenden Wechsel die nächste aufgesattelt.

Die Drucker von KonradinHeckel sind nicht die einzigen, unter deren Händen eine MERIAN-Ausgabe zustandekommt: Das Cover entsteht im Bogenoffset bei Sachsendruck in Plauen, auch gelumbeckt (fadenlos gebunden) wird dort. Und der kleine handliche Faltplan ist ein Werk von Offset Druck Nürnberg (ODN).

GfE Medizintechnik

Hersteller dieses Hightech-Produkts ist GfE Medizintechnik, 2002 gegründet als Tochter des Nürnberger Traditionsunternehmens GfE. Die Gesellschaft für Elektrometallurgie produzierte früher Legierungen für die Stahlherstellung und hat sich heute auf neue Werkstoffe unter anderem für die Photovoltaik sowie für Flugzeugturbinen und Formel-1-Rennwagen spezialisiert.

Wie kriegt man Titan, Inbegriff von Unbezwingbarkeit, dazu, sich wie Kunststoff zu verhalten? Die Antwort: nanotechnologisch. Eine 30 Millionstel Millimeter (Nanometer) dünne Titanschicht wird in ihre atomaren Bestandteile zerlegt. Die lagern sich dann an der Kunststoffoberfläche (Polypropylen) an. So entsteht ein Material, flexibel und körperverträglich - ideal etwa für Brustimplantate.

Schlagworte: