Köln Wellness am Rhein

Neptunbad: Die Antithese zum Wellness-Konstrukt

Keine Nahaufnahmen von ins Wasser fallenden Tropfen, keine jungen Frauen mit Handtuchturbanen und heißen Steinen auf dem Rücken - das Bild, mit dem das Kölner Neptunbad für sich wirbt, hat mit der landläufigen Wellness-Ikonografie gar nichts zu tun. Man sieht ein körniges Gruppenfoto, aufgenommen um 1912: Herren in Badehöschen, stoisch aufgereiht am Beckenrand, darüber, auf einer Galerie, vereinzelt Damen. Körperliche Ertüchtigung war zur Entstehungszeit des Bades eine ernste Angelegenheit, das Wasser rein praktisches Element - eine Antithese zum Jetztzeit-Konstrukt "Wellness".

Die Betreiber des Neptunbades, wie es heute ist, haben den strengen Schriftzug "Städtische Badeanstalt" bewusst an der Front des Jugendstilbaus belassen. Was sich dahinter verbirgt, hat sich natürlich längst herumgesprochen, wird aber nicht offensiv beworben: "Eigentlich", sagt Saunaleiter Michael Küpper mit Blick auf den Zen-Dachgarten, "muss jeder das hier erst mal selbst entdecken."

Die Geschichte des Hauses, dessen ornamentierte Glaskuppeln zwei Weltkriege überstanden haben, springt einem nicht museal entgegen, ist aber auch kein bloßes Formenspiel des Drumherums. Nachdem die spektakuläre Schwimmhalle lange leerstand, beherbergt sie seit der Restaurierung und Wiedereröffnung im Februar 2003 ein High-End-Fitnessstudio - eine kleine inhaltliche Verschiebung, die dem Nutzerverhalten aus der Gründungszeit wohl am nächsten kommt.

Der Bau hat heute einige Sorgenkind-Ecken, auch weil er behutsam instand gehalten wird. "Zu den Schwitzbädern" heißt es noch immer, auch wenn das große Jugendstil-Dampfbad inzwischen ein Laconium mit Musik und wechselnder Beleuchtung ist - der Dampf war zu sehr ins Gemäuer eingedrungen.

Das Restaurant mit seiner hölzernen Galerie war früher der Ruheraum. Hinter Vorhängen standen hier Feldbetten - darüber lässt sich besonders gut auf den wohltemperierten Wassermatratzen der jetzigen Neptunbad-Ära nachdenken. Im neuen Anbau mit dem langgestreckten Wasserbecken, dem Dachgarten und den Sonnenterrassen wird fernöstliche Badekultur zelebriert. Leicht abgewandelt und dem hiesigen Gewohnheiten angepasst, denn "sonst müssten wir einen Notarzt danebenstellen", wie Leiter Christoph Schwarz lakonisch bemerkt.

Neben den heißen Onsen-Bädern, gibt es sechs Saunen, darunter eine japanische Kräutersauna und eine Asa-Hi, in der stets ein Salzpeeling bereitsteht. An guten Tagen ruht man im Zen-Garten unter raschelndem Bambus - weit weg und trotzdem mitten in Köln-Ehrenfeld, dem alten Arbeiterviertel mit seinen Ein-Euro-Shops und durchgerockten Bars.

Das Neptunbad ist in dem Stadtteil kein hermetisches Luxus-Raumschiff, sondern durchlässig zum kulturellen Leben des Viertels: Man veranstaltet Lesungen, unterstützt den Kölner Kunstsalon und feiert Feste auf dem Neptunplatz, der früher zu den eher düsteren Ecken der Stadt gehörte. Gäste aus Asien kommen übrigens trotz milderer herunter regulierter Badtemperaturen sehr gerne nach Ehrenfeld, wie Schwarz betont. Vor kurzem entspannte im Neptunbad etwa noch ein enger Mitarbeiter des Dalai Lama.

Claudius Therme: Bei Dunkelheit besonders schön

Nicht völlig zu Unrecht wird der Begriff "Thermalbad" gelegentlich mit gerüschten Badekappen assoziiert. "Spa" klingt zwar schicker, hat aber eben nicht das zu bieten, was die Therme seit 2500 Jahren sowieso kann: Müde Knochen mit mineralstoffhaltigem Wasser aus tiefen Erdschichten zu erquicken.

Die Claudius Therme verbindet beides: Viele Kubikmeter heilenden Wassers (als Bewegungsbad, Wildwasserkreisel oder auch trinkfertig) und stilvolle Wellness-"Landschaften", wie man so sagt. Spektakulär ist die russische Banja, die samt Taigamoos in Sibirien ab- und im Saunadorf der Claudius Therme wieder aufgebaut wurde. Jeden Abend findet hier ein komplettes Banja-Ritual mit sanfter Birkenzweig-Marter statt. Ein paar Schritte weiter mutet es dann eben wieder asiatisch an, wo man sich im Park in luftigen Pavillons mit spitzen Dächern und Holzlamellen gekonnt massieren lassen kann. Das einzige Manko der Claudius Therme, ihr Standort an der stark befahrenen Zoobrücke, ist dabei allerdings unüberhörbar.

Nach Einbruch der Dunkelheit, wenn die bauchigen Kerzen angezündet werden, ist es im Saunabereich im ersten Stock besonders schön. Hier ist zwar nur montags Damentag, aber irgendwie hält sich die Atmosphäre eines vornehmlich weiblichen Rückzugsortes. Vielleicht liegt es am Serailbad, bei dem man sich im Wasserdampf mit Schlämmen einreibt. Die Anwendung, die exotischen Projektionen mitteleuropäischer Saunameister entsprungen ist, gibt es in vielen Wellness-Anlagen. In der Claudius Therme bleibt dabei besonders viel Zeit, es wird Tee und später Jasmin-Öl gereicht - da ist es dann egal, wer's erfunden hat.

Health Club im Hotel Savoy: Oase in der Oase

Das Savoy ist eines jener Hotels, die nicht ohne ihre kleinen Mythen zu haben sind, irgendein Schauspieler betrinkt sich immer an der Bar. Tatsächlich trifft hier endlich aber auch mal die Floskel von der "Oase" zu. Mitten in der Beton-Diaspora um den Kölner Hauptbahnhof würde niemand einen solchen Ort erwarten, ein Hotel nämlich "ohne Sofas, auf denen keiner sitzen mag", wie Chefin Gisela Ragge sagt - dafür mit Aquarien auf den Toiletten. Plüschig, aber gut.

Der "Health Club" wäre dann eine Oase in der Oase: Was ihm als Hotel-Spa an Quadratmetern fehlt, macht er mit Luxus wett. Dass man sich zu Beginn selbst in den Bademantel hüllt und die Hand ausstreckt, um den Fruchtcocktail entgegenzunehmen, ist hier eigentlich die letzte Eigenhandlung. In den Private Spas, in denen man sich allein oder zu zweit entspannen kann, ist von nun an eine Mitarbeiterin den ganzen Tag für einen da - wenn man denn möchte.

Die Produkte der Ligne St. Barth, die zur Gesichtsbehandlung oder Ganzkörpermassage eingesetzt werden - ein Papaya-Peeling zum Beispiel - kommen von der gleichnamigen Karibikinsel und riechen, wie solche Orte eben riechen sollten. In den Wintermonaten setzt man im "Health Club" auf die japanische Luxus-Kosmetik von Kanebo.

Neben den asiatisch gestalteten Suiten gibt es Ruheräume, die noch aus den Pionierzeiten des Wellness-Booms stammen, ein Dampfbad, ein Serailbad und eine Sauna mit audiovisuellen Spielereien. Darin, und das ist entscheidend, wird sich niemals eine schwitzige kleine Herde in Erwartung des nächsten Aufgusses drängen. Das Savoy-Spa bietet vor allem ein Maximum an Privatheit, Stille - und Zeit. Sonst ja eher selten ein käufliches Gut.

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Autor:
Dana Bönisch