Dresden Orangen im Zwinger

Die Barockanlage ist für ihre weltberühmten Museen bekannt. Dabei hatte sich August der Starke hier 1709 eigentlich nur ein Gewächshaus gebaut…
Zwinger in Dresden.

Wer die Alten Meister besichtigt oder den Mathematisch-Physikalischen Salon, wandelt zwischen seinen Mauern. Wer vom Theaterplatz durch einen kleinen Durchgang spaziert, steht mitten in seiner barocken Anlage, zwischen Springbrunnen, Rasenflächen, Treppenaufgängen. Jeder, der Dresden besucht, besucht auch den Zwinger. Aber was das Ensemble eigentlich ist, weiß kaum jemand. Der Name kommt aus der Militärsprache und erinnert einzig an die Lage zwischen innerer und äußerer Festungsmauer.

Die Nutzung hat sich über die Jahrhunderte gewandelt: Anfang des 18. Jahrhunderts sind die europäischen Höfe im "Orangenfieber": Man präsentiert gerne Orangen- und Zitronenbäume - mythologisch aufgeladene Macht- und Statussymbole, selten und teuer. August der Starke kauft sie auf der Messe in Leipzig oder importiert sie aus Italien. Damit die Kübelpflanzen den Winter überleben, lässt er von Matthäus Daniel Pöppelmann ab 1709 ein außergewöhnliches, mit Skulpturen geschmücktes Gebäude gestalten: Diese Bogengalerie auf der nordwestlichen Seite ist Ursprung der Anlage.

Nach und nach wird sie bis 1728 ergänzt, mit Torbauten, Festräumen, Pavillons und mit dem Nymphenbad des Bildhauers Balthasar Permoser. So entsteht ein von barocker Pracht umgebener Innenhof, der sich für die kurfürstliche Festkultur eignet. Nur die Nordostseite zur Elbe schließt erst Gottfried Semper Mitte des 19. Jahrhunderts mit einem Gebäude im Stil der italienischen Renaissance.

Ihren ursprünglichen Zweck behält die Orangerie nicht lange, bald wird der Herzogin Garten zum Winterquartier der Pflanzen. Nur noch im Sommer zieren die schönsten Zitrusbäume den Zwingerhof. 1880 werden die übrigen Pflanzen in die Schlossgärten von Pillnitz und Großsedlitz umgesiedelt. Ein einziger Zitrusbaum Augusts hat bis heute überlebt und wird im Pillnitzer Park gepflegt.