Spreewald Post per Kahn in Lehde

Spreewaldkahn Post

Andrea Bunar ist eine von 80.000 Zustellern und Zustellerinnen bei der Deutschen Post. Und doch ist ihr Job in Deutschland einzigartig: Von April bis Oktober beliefert sie die Bewohner des Örtchens Lehde im Spreewald mit Briefen und Paketen vom Postkahn. Vor vier Jahren hat Andrea Bunar den Job übernommen – und stakt nun in ihre nächste Saison. Im Interview erzählt sie uns, warum der Postkahn unverzichtbar ist.


Frau Bunar, als der Postkahn vor 119 Jahren eingeführt wurde, galt er als eine riesige Erleichterung für die Bewohner Lehdes. Ist das auch heute noch so? 

Der Kahn ist in Lehde immer noch das Fortbewegungsmittel. Auch die Bewohner selbst fahren damit überall hin. So ist die Zustellung vom Wasser aus auch heute noch wesentlich einfacher – für alle Beteiligten. Die Gehöfte haben zwar zwei Briefkästen – einen am Wasser und einen, der über den Landweg zu erreichen ist. Zu letzterem müssen die Bewohner aber meist ein ganzes Stück laufen. Für mich ist es vom Wasser aus in jedem Fall leichter – denn alle 65 Haushalte in Lehde sind für mich von dort aus zu erreichen.
 

Warum gibt es die Briefkästen, wenn das Beliefern vom Wasser aus bequemer ist?

Die Kahn-Saison geht nur von April bis Oktober. In der kalten Jahreszeit bin ich auf dem Landweg unterwegs, denn die Fließe (so werden die Wasserläufe im Spreewald genannt, Anm. d. Red.) sind teilweise zugefroren. An Land muss ich sehr weite und einsame Wege zurücklegen. Viele Häuser in Lehde sind bis heute nicht mit dem Auto zu erreichen. Dann packe ich die Briefe in meine Tasche, schwere Pakete auch mal auf eine Sackkarre, und marschiere los. Im Winter sind die Wege nicht geräumt und die zahlreichen Brücken oft vereist.


Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag in den Kahn-Monaten aus?

Morgens bin ich mit dem Auto in einem anderen Ort unterwegs, danach fahre ich nach Lehde zum Bootshaus und steige in den Kahn. Sobald ich auf dem Kahn bin, fällt alles von mir ab. Vom Wasser aus hat man einen anderen Blick: Alles ist gemäßigter, nicht so hibbelig. Allein schon wegen der Geschwindigkeit – ich kann auf meinem Alukahn nicht mit 20 Stundenkilometern die Kanäle entlang heizen. Die Uhren ticken ganz anders.
 

Und wie sieht es bei schlechtem Wetter aus? Hand aufs Herz: Würden Sie da nicht manchmal lieber im Bett liegen bleiben?

Auf meinem Kahn habe ich Planen, damit kann ich die Post abdecken. Und für mich selbst habe ich – wie auch die Kollegen, die mit dem Rad unterwegs sind – Kleidung für alle Wetterlagen. Dann setze ich die Kapuze auf, und es kann losgehen. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung – und die haben wir nicht. Und wenn es ganz schlimm ist, harre ich eben unter einer Brücke aus, bis der Regen wieder nachlässt.


Viele Urlauber haben schon von Ihnen gehört. Wie arbeitet es sich als Touristenattraktion?

Ich werde tatsächlich meist sofort erkannt, sobald die Touristenboote um die Ecke biegen. Der Kahn hat einen sehr großen Wiedererkennungswert, selbst bei kleinen Kindern. Umgekehrt ist es aber auch für mich spannend: Nicht selten sitzen in den Booten auch ein paar bekannte Gesichter. Berlin ist nicht allzu weit entfernt, und einige Promis genießen eine Bootstour auf den Fließen.


Der Spreewald ist eben für alle ein beliebtes Urlaubsziel und Naherholungsgebiet. Doch welche Bedeutung hat er für sie persönlich?

In erster Linie bedeutet der Spreewald für mich Heimat. Und zudem ein wunderschönes Stück Natur, mit jeder Menge Weite und Ruhe und viel Tradition. Man muss einfach mal selbst hier gewesen sein. Und ein wunderschöner Arbeitsplatz ist er noch dazu.

Sondermarke Postkahn

Zum Saisonstart gibt es einen Sonderstempel

Mehr über den kleinen Ort Lehde finden Sie auf der Webseite.

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Autor:
Yannic Stock