Nordsee Wasserspiele in St. Peter-Ording

Kiten in St. Peter Ording.

Wasserfreunde aus ganz Deutschland zieht es in das Nordseeheil- und Schwefelbad St. Peter-Ording. Während Wellenreiter ihr Glück hier allerdings eher vergeblich suchen, kommen traditionelle Windsurfer absolut auf ihre Kosten. Denn statt mit hohen Brechern punktet SPO mit seinem Wind. Davon profitieren auch die Kitesurfer, die aus dem Strandbild seit einiger Zeit kaum noch wegzudenken sind. Von ihren durchschnittlich neun bis zwölf Quadratmeter großen Schirmen gezogen, surfen sie im flachen Wasser rauf und runter, wobei die kleinen Wellen gerne auch mal als Sprungbrett für Sprünge herhalten müssen. "Besonders der breite Einstieg macht St. Peter-Ording für Kiter zu einem guten Surfziel. Hier kann man in Ruhe sein Material ausbreiten, bevor es dann auf's Wasser geht. Die abgetrennten Sport- und Badebereiche findet man so auf Sylt zum Beispiel nicht", sagt Hein Jeve, Chef des Wassersportcenters X-H2O.

Pfahlbauten in St. Peter Ording.
Andrea Flak
St. Peter-Ording ist für seine Pfahlbauten berühmt.
Den Anblick lassen sich auch die Spaziergänger nicht entgehen, die den zwei Kilometer breiten und zwölf Kilometer langen Strand entlang flanieren. Einen noch besseren Blick hat man nur von den für St. Peter-Ording so typischen Pfahlbauten, die meist abwechselnd Gastronomien, Sanitäranlagen und eine Badeaufsicht beherbergen. Gemütlich und windgeschützt eifern die Restaurantgäste damit einer 100 Jahre alten Tradition nach, denn die erste "Giftbude" wurde bereits 1911 in SPO eröffnet. Vom althochdeutschen Wort für "geben" abgeleitet, kamen viele in erster Linie wegen des ausgeschenkten Alkohols. Heute sind unter anderem die Waffeln mit heißen Kirschen sehr beliebt - die fantastische Aussicht an sich ist aber schon Grund genug hier einzukehren.

Was die Windsurfer und Kiter auf dem Wasser, sind die Strandsegler und Kitebuggyfahrer am Strand: Seit hier Mitte der 1920er das erste Holzgerüst mit Leinensegel zum Einsatz kam, sind Strandsegeln und St. Peter-Ording untrennbar miteinander verbunden. Ursprünglich diente das Strandsegeln der Beförderung von Kurgästen, doch schon in den 1960ern etablierte es sich als Freizeitsport. Seitdem finden sich auch professionelle internationale Fahrer mit ihren dreirädrigen Gefährten – die übrigens bis zu 120 Stundenkilometer erreichen können – jedes Jahr zur Europameisterschaft in SPO ein.

Strandsegeln in St. Peter-Ording.
Andrea Flak
Strandsegeln und St. Peter-Ording untrennbar miteinander verbunden.
Kitebuggyfahrer sieht man zwar noch nicht ganz so häufig, aber auch diese windabhängige Strandsportart ist zunehmend im Kommen. Genau wie auf dem Wasser werden auch diese dreirädrigen Fahrzeuge von einem Lenkdrachen gezogen. Statt waghalsiger Stunts steht hier aber eher die Geschwindigkeit und das spezielle Fahrgefühl im Vordergrund. Spaziergänger müssen sich jedoch keine Sorgen machen: Das Fahren ist nur in ausgeschilderten Bereichen und mit Fahrlizenz erlaubt.

Auch wenn im modernen SPO nicht mehr die Radfahrer, sondern die Kiter das Ortsbild prägen, so sind hier natürlich immer noch viele auf ihren Drahteseln unterwegs. St. Peter-Ording ist nämlich unter anderem Ausgangspunkt für den historischen Wikinger-Friesen-Weg, der dem früheren Handelsweg der Wikinger und Friesen 130 Kilometer bis ins östliche Maasholm an der Schlei folgt.

Leuchtturm in St. Peter-Ording.
Andrea Flak
Mit dem Fahrrad lässt sich wunderbar die Umgebung erkunden.
Aber auch innerhalb der Gemeinde St. Peter gibt es viele schöne Radwege, um die vier Ortsteile zu erkunden. "Für Aktiv-Urlaub eignet sich St. Peter wirklich gut. Besonders gern fahren wir mit dem Fahrrad im Dünengürtel und erkunden die kleinen Orte in der näheren Umgebung. Außerdem kann man von hier aus auch gut Ausflüge nach Friedrichstadt oder Tönning unternehmen, wenn man doch nochmal was anderes sehen möchte", sagt Frederike, die regelmäßig an die Nordsee fährt. Dem Eiderdamm nach Norden folgend trifft man zuerst auf Böhl: Mit seinen Reetdachhäusern und dem 18,4 Meter hohe Leuchtturm handelt es sich bei Böhl um eine kleine norddeutsche Idylle. Passend zum norddeutschen Charme bietet sich hier bei Ebbe auch die Möglichkeit für Wattwanderungen. Viele Gäste kommen aber auch zum Reiten hierher, da zwischen St. Peter-Böhl und dem Ortsteil Dorf auf dem flachen Strand geritten werden darf.

St. Peter-Dorf hingegen ist eher durch seine historische Architektur geprägt: So handelt es sich zum Beispiel bei der Kirche aus dem 13. Jahrhundert um den Namensgeber der Gemeinde St. Peter. Auch die älteste Gaststätte des Ortes, eine ehemalige Postkutschenstation, und das Eiderstedter Museum in einem alten Friesenhaus, gehören zu den lokalen Sehenswürdigkeiten. St. Peter Bad ist mit seinen Geschäften und dem Freizeit- und Erlebnisbad samt Nordseewasser-Therme das touristische Zentrum der Gemeinde. Über die 1000 Meter lange Seebrücke gelangt man direkt zum Strand, wo gebadet oder einfach nur im Strandkorb verweilt werden kann. Zu guter letzt erreicht man von St. Peter Bad per Rad oder zu Fuß über den Deich auch den modernen Ortsteil Ording mit seiner großen Badezone und dem Angebot für Windsurfer, Kiter, Strandsegler und Kitebuggyfahrer. An diesem Strandabschnitt finden jährlich auch der Kitesurf Worldcup und die Smart Beach Tour für Beachvolleyball-Begeisterte statt.

Mit dem Fahrrad St. Peter-Ording erkunden

Zweirädrig lässt sich St. Peter am besten erschließen und um auch in dieser Hinsicht für frischen Wind zu sorgen, hat sich der Fahrradverleih Cruiser King etwas ganz Besonderes einfallen lassen: es werden bunte Beachcruiser verliehen. Diese Räder, die ihren Anfang in den 1950ern in Amerika machten, sind nicht nur ein reines Fortbewegungsmittel auf dem Deich, am Strand oder den ewig langen Stegen. Der geschwungene Rahmen, die dicken Reifen und verschiedene Accessoires wie Lenkradblumen oder Totenkopfventile machen aus dem traditionellen Fahrradfahren ein stilvolles Erlebnis.

Beach Motel in St. Peter-Ording.
Andrea Flak
Im Beach Motel warten schicke Zimmer im Surf-Style auf den Gast.
Für diejenigen, die es zwar bereits ans Wasser geschafft, sich vielleicht aber noch nicht aufs Brett getraut haben, besteht die Möglichkeit sich schon an Land körperlich und geistig auf das Surfen vorzubereiten: Surfyoga heißt die neuentwickelte Yogaform, die jeden Samstag im Beach Motel angeboten wird. Dabei versetzt nicht nur die Musik von Jack Johnson die Teilnehmer in Strand-Stimmung, sondern auch die verschiedenen Bewegungen, die vom Surfen ins Yoga übertragen wurden: Aufstehen, Paddeln und das Gleichgewicht auf dem Brett halten sind gar nicht so leicht, wie es aussieht.

Besonders schön ist das Training bei gutem Wetter, denn dann findet der Kurs direkt am Strand statt. Aber auch für die Zeit zwischen den Saisons, ist Surfyoga für Anfänger und Fortgeschrittene ein gutes Konzentrations- und Ausdauer-Training. So muss also auch im Winter keiner auf seine Dosis Surfen verzichten und der nächste Kitesurf World Cup kann kommen.

Autor

Annika Lampe