Thüringer Wald Wandern auf dem Rennsteig

Wandertipps für den Thüringer Wald: Weltenbummler und Autor Achill Moser ist den Fernwanderweg "Rennsteig" im Thüringer Wald gewandert - und berichtet von seinen Erfahrungen unterwegs.

Wandern auf dem Rennsteig

Unter meinen Stiefeln ein federnder Boden aus Erde, Fichtennadeln, Blättern und Moos. Über mir mächtige Baumkronen, die eine blaue Himmelsdecke tragen. Grün in allen Nuancen. Lindgrün, neongrün, olivgrün. Dieser Wald ist ein wucherndes Universum, vielfältig und verwachsen. Ausgerüstet mit Rucksack, Regenhaut, Schlafsack und Zelt wandere ich seit vier Tagen auf dem Rennsteig, Deutschlands längstem und schönstem Wanderweg. Von Nordwest nach Südost erlaufe ich mir drei Mittelgebirge: Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge und Frankenwald. Eine Strecke von 169 Kilometern. Von Hörschel führt mein Weg über Ruhla zum Großen Inselberg (916 Meter). Von Tambach-Dietharz geht es über Oberhof, Stützerbach, Neustadt, Masserberg, Scheibe-Alsbach, Neuhaus und Schlegel schließlich nach Blankenstein an der Selbitz. 

Der Rennsteig diente früher als Handelspfad

Viele Sagen und Legenden ranken sich um den Rennsteig. Die erste Erwähnung ist auf das Jahr 1330 datiert. Die Bedeutung des Namens ist bis heute nicht gesichert. Im Althochdeutschen wird ein schmaler Lauf- oder Reitweg als renniweg bezeichnet, während ehemalige Jäger das Wort Rain für Grenze benutzten. Tatsache ist: Der Rennsteig diente früher als Kurier- und Handelspfad, markierte im Mittelalter die Landesgrenze zwischen dem Herzogtum Franken und der Landgrafschaft Thüringen. Noch heute stehen mehr als 1300 Grenzsteine am Wegesrand, die ältesten aus dem 16. Jahrhundert. 

Es war im Jahr 1830, als Julius von Plänckner (1791-1858), Topograf, Oberst und Regimentskommandeur in Gotha, die erste Rennsteigwanderung unternahm. Er kartografierte den Weg und fügte seinem Erlebnisbericht – Taschenbuch für Reisende durch den Thüringer Wald – eine erste Karte bei. Seitdem gilt Julius von Plänckner als Wegbereiter für die touristische Nutzung des historischen Kammweges, der durch die Teilung Deutschlands für Jahrzehnte nicht vollständig begehbar war. Meine Wanderung beginnt in dem kleinen Ort Hörschel, an der Einmündung der Hörsel in die Werra. Nach alter Tradition tauche ich hier meinen Wanderstock ins Wasser und hebe einen kleinen Stein am Flussufer auf, den ich über den Rennsteig trage, um ihn am Zielort in die Selbitz zu werfen. Acht Tage zu Fuß in herrlicher Gebirgslandschaft liegen vor mir. Das Gehen und Wandern ist für mich ein idealer Gegenentwurf zur Schnelllebigkeit unserer Alltagswelt. Eine Rückkehr zur Langsamkeit. 

Plätschernde Bachläufe, rauschende Wasserfälle und schroffe Felsblöcke

Jeden Tag laufe ich über naturbelassenen Boden, gehe auch mal ein paar Kilometer über Asphalt, überwinde Höhenunterschiede von bis zu 780 Metern. Ein weißes "R" auf Schildern, Steinen und Bäumen weist mir die Richtung. Ich laufe bergan oder bergab, wandere inmitten schattiger Bergwälder, über sonnige Bergwiesen und Hügelketten, durch neblige Talgründe und kühle Feuchtwiesen; passiere plätschernde Bachläufe, rauschende Wasserfälle und schroffe Felsblöcke; sehe Fichten, Rotbuchen, Eschen, Bergahorn oder Hainsimsen. Und dort, wo das Sonnenlicht durch die Bäume bis auf den Boden fällt, wächst eine Vielzahl von Pflanzen: das
Echte Springkraut mit großen, gelben Blüten, der Trauben-Holunder mit leuchtend roten Beeren, der violette Zahnwurz sowie Pilze, Farne und Moose. Zudem bieten die Wälder am Rennsteig ein vielfältiges Tierleben. Hier gibt es Rothirsche, Rehe und Wildschweine; Greifvögel, Spechte, Eulen und Schwarzstörche.

Und abends, wenn ich in kleinen Pensionen, Gasthöfen oder im freien Gelände übernachte, bin ich mir sicher: Am Rennsteig erlebst du die Faszination der Natur. Hier kann man als Wanderer über die ungeheure Vielfalt der kleinen Dinge am Wegesrand staunen und erfährt: Nur wo man zu Fuß gewesen ist, war man wirklich

Info, Touren, Übernachtungs- und Einkehrtipps unter www.thueringer-wald.com

GROSSE FUSSSTAPFEN
Guide Steffen Jung führt seine Gruppen auf die "Spuren der Ursaurier" – die Tour ist sechs Kilometer lang und dauert etwa zweieinhalb Stunden. Jeden Samstag von Mai bis Oktober, Treffpunkt Bahnhofstr. 8 in Georgenthal, Start 10:30 Uhr.
Mehr Info: Tourist-Information, Georgenthal, Tel. 036253 38108, www.thueringer-geopark.de

Autor

Achill Moser