Deutschland Ungewöhnliche Orte zum Heiraten

Heiraten im Krabbenkutter, im Fußballstadion oder auf einer Königsinsel? Schaut man sich in Deutschland um, so finden sich viele Alternativen.

"Das ist schon ein ganz besonderer Schlag Mensch, der sich nach einer Wattwanderung auf der Hallig Süderoog trauen lässt", sagt Waltraut Brumm von der Hochzeitsagentur Friesen-Art. Und etwas naturverbunden sollte man schon sein. Etwa dreimal so groß wie die Hamburger Binnenalster ist die kleine Marschinsel vor der Küste des Nordseeeilands Pellworm, zu der das Brautpaar bis zu zwei Stunden barfuß durchs schwarze Wattenmeer marschiert. Begleitet werden sie dabei von Wattführer Knut Knudsen, der gleichzeitig weltweit der einziger Postbote ist, der über Watt die Post austrägt. Damit Wind und Wattschlack nicht das feine Hochzeitsgarn ruiniert, wird die festliche Kleidung vor Ebbe von einem Halligschiff auf die Insel transportiert.
Geheiratet wird ganz urig im Friesenpesel, der "Guten Stube" in Nordfriesland. Nach der Hochzeit bekommen die Brautleute ganz nach friesischem Brauchtum besonderes, auf der Insel gebackenes Brot, von Hand gesiedetes Salz und der gesiegelte "Pellwormer Hochzeitsbrief" überreicht. Zu einem anderen Höhepunkt unter den Pellwormer Hochzeitsangeboten gehört sicher auch die Trauung auf dem ersten Leuchtturm Deutschlands. 40 Meter ist das historische Bauwerk hoch, prächtig rot-weiß-rot gestreift und  immer noch in Betrieb.  Neben seiner schönen Lage hat er für die meisten Ehepaare natürlich Symbolcharakter: als starkes "Leuchtfeuer" in tobender See.

Ja-Sagen an der Nordseeküste: Landratten auf Pellworm

"Viele Brautpaare kommen aus dem Allgäu, aus Franken oder aus dem Schwarzwald“, sagt Wilfried Eberhardt, 73 Jahre alt und Kapitän in Ruhestand. "Das glaubt man gar nicht, aber die haben einen sehr starken Draht zur Küste, zum Meer und zur Seefahrt“. 3418 Brautpaare aus 50 Nationen haben sich hier schon das Jawort gegeben. "Und 50 Prozent von ihnen kehren danach noch einmal auf die Insel zurück“, sagt Eberhardt, der die Leuchtturmhochzeit organisiert. Die Trauung ist hier erst mit der offiziellen Kapitänszeremonie abgeschlossen, genauer gesagt mit dem Seemannsbrauch des Glasens, dem Anschlagen der Schiffsglocke. 

 

Im Tauchcenter monte mare in Rheinbach kann man unter Wasser heiraten
monte mare
Unter Wasser? Das trauen sich Paare auch!

Maritime Hochzeit kann man aber auch ganz anders begehen – zum Beispiel richtig unter Wasser. In zehn Metern Tiefe geben sich Brautpaare im Tauchcenter in Rheinbach das Jawort – und das in voller Tauchermonitur.  Das Zeichen der Willensbekundung liest der Partner hier von einem Schild ab. Für den Fall, dass es sich ein Brautpartner spontan anders überlegt, ist ebenfalls gesorgt: "Die Braut und der Bräutigam müssen auch ein Schild mit dem Aufdruck „Nein“ mit unter die Wasserunterfläche nehmen“, sagt Jörg Zimmer von monte mare.
Ein Nein sei allerdings noch nicht vorgekommen, bisher haben sich acht Paare unter Wasser das "Ja-Wort“-Schild gezeigt.  Und weil der dazugehörige Kuss mit Atemmaske nur sehr schwer umsetzbar ist, hält der taucherfahrene Standesbeamte dem Bräutigam zum Abschluss folgendes Schild vor die Taucherbrille: "Sie dürfen die Braut jetzt beatmen“.  Während der Zeremonie wird das Tauchcenter als "Außenstelle des Rheinbacher Standesamts“ deklariert – die Unterwasserhochzeit im monte mare Rheinbach ist damit rechtskräftig.

Für Kraxler und Bergfexe: Die Gipfelhochzeit: 

Wer den Ruf der Berge den Tiefen des Meer vorzieht, kann zur Heirat auch auf den höchsten Gipfel Deutschlands kraxeln. Auf der bayerischen Zugspitze trotzt Deutschlands höchstes Gotteshaus seit drei Jahrzehnten Wind und Wetter. In der Kapelle mit dem etwas gewöhnungsbedürftigen Namen "Maria Heimsuchung“ können sich Paare in Gipfelnähe das kirchliche Jawort sagen. Auch das Standesamt Garmisch-Patenkirchen schickt seine Standesbeamten einmal im Monat 2600 Meter hoch zum Trauzimmer der Gletscherhütte Sonn-Alpin. Die Gäste, denen die Puste für den Aufstieg fehlt, können natürlich auch einfach die Bergbahn nehmen. 
 

Zugspitze, Deutschland
Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG/Lechner
Deutschlands höchster Gipfel des Glücks: die Zugspitze

Der 485 Meter hohe Burgberg im niedersächsischen Bad Harzburg kann es zwar in Gipfelmetern nicht mit der Zugspitze aufnehmen. Dafür hat sich die Stadt ein anderes Bergerlebnis für Heiratswillige einfallen lassen: Das Jawort wird hier in einer schwebenden Gondel gegeben, die auf halben Weg zum Gipfel anhält. Von einer zweiten Gondel aus, die auf gleicher Höhe hält, können auch noch 18 Gäste über Lautsprecher das Jawort mitverfolgen. Ein anderes ungewöhnliches Höhenerlebnis bietet Brixen in Tirol: Dort kann man in einer Iglu- Kapelle heiraten – selbst der Altar ist dort aus Eis.

Für Romantiker: Heirat zwischen Apfelbäumen

 

Hans-Peter Höck
Romantisch heiraten auf der "Sissi"-Insel im Starnberger See

Weiß blühende Apfelbäume auf grüner Wiese, ringsum Weidelandschaften und drei alte Reetdach-Häuser: Romantischer geht es kaum. In Freiburg an der Elbe im Alten Land kann man sich auf dem alten Gutshof Gut Schöneworth inmitten knorriger Apfelbäume das Jawort geben. Das Obstanbaugebiet an der Elbe ist bekannt für seine schöne Apfelblüte. Jedes Jahr zwischen Mitte April und Anfang Mai verwandelt es sich in ein Meer von weißen und rosa Blüten. Zuerst blühen die Kirschbäume, kurze Zeit später beginnt die rosa Apfelblüte. 

Ja-Sagen auf der Roseninsel

Ein mindestens genauso romantischer Schauplatz für Brautpaare liegt im Süden Deutschlands: die kleine Roseninsel in Bayern. Sie ist nicht nur berühmt wegen der vielen Rosengärten. Die Insel im Starrnberger See war angeblich einer der  Lieblingsplätze von König Ludwig II und seiner kaiserlichen Cousine "Sissi“. "Sissi“ hatte einen großen Teil ihrer Jugend im nahegelegenen Schloss Possenhofen verbracht und kam auch später viele Jahre nach Feldafing und  ließ sich dann fast täglich auf die Insel übersetzen – auch zu geheimen Treffen mit Ludwig II. Seit 2003 können Hochzeitspaare auf dieser sagenumwobenen Insel den Bund fürs Leben schließen. Ein Fährmann schifft die Hochzeitsgesellschaft von Feldafing aus in einer sogenannten "Plette" , einem historischen Holzboot, über den See. Die standesamtliche Heirat auf der Roseninsel findet im luftigen Gartenhäuschen statt.  

Autor

Bettina Hensel