Freiburger Umland Sieben Wunderwelten

Schauinsland bei Freiburg.

Schauinsland: Weite Blicke, tiefe Stollen

Für viele Freiburger ist es der perfekte Tagesausflug - mit dem Auto oder ab Horben mit der Seilbahn hinauf auf den fast 1300 Meter hohen Schauinsland. Der Berg liegt teils auf Freiburger Stadtgebiet, weswegen Einheimische gern damit angeben, dass Freiburg Deutschlands höchste Großstadt sei. Ab der Bergstation wandert man gut einen Kilometer bis zum Gipfel, auf dem ein Aussichtsturm steht. Der Blick von dort oben auf Schwarzwald und Vogesen ist großartig. Bei klarer Sicht sieht man sogar die Schweizer Alpen. Wer statt in die Weite lieber in die Tiefe schaut: Durch den Berg ziehen sich alte Stollen, insgesamt etwa 100 Kilometer lang. Einige stammen aus dem Mittelalter, als die Freiburger hier Silber abbauten. Ein Museums-Bergwerk, fünf Minuten von der Bergstation entfernt, bietet Führungen an.

Fahrradtour ins Dreisamtal.
Georg Knoll
Freie Fahrt: eine Fahrradtour ins Dreisamtal.
Dreisamtal: Große Freiheit auf zwei Rädern

Das Radfahren ist in Freiburg inzwischen so beliebt, dass es in einigen Teilen der Innenstadt schon wieder verboten wurde. Wer kilometerweit freie Fahrt haben will, sollte einen Ausflug ins Dreisamtal planen. Entlang an grünen Wiesen und kleinen Bächen geht es hier über meist flache Wege. Sehr zu empfehlen ist die 40 Kilometer lange Rundtour auf dem "Dreisamtal-Radwanderweg", der am Freiburger Hauptbahnhof startet - und auch an Oberried vorbeiführt, wo dieses Foto entstanden ist. Details zur Strecke gibt es online unter www.schwarzwald-tourismus.info

Wein am Kaiserstuhl.
Georg Knoll
AmKaiserstuhl hat Wein Tradition.
Kaiserstuhl: Bühne frei für große Weine

Wer durch den Kaiserstuhl fährt, fühlt sich manchmal an alte römische Theater erinnert. Stufe für Stufe ziehen sich Rebfelder die Hänge hinauf und wirken wie Zuschauerränge - so wie hier bei Oberbergen. Die großen, terrassenartigen Felder legten Winzer und Kommunen meist erst ab den 1960er Jahren an, um leichter Maschinen einsetzen zu können. Weinbau wird hier mindestens seit den Zeiten Karls d. Gr. betrieben. Der 16 Kilometer lange Höenzug besteht zum Teil aus Vulkanerde, was die Trauben besonders schmackhaft macht - vor allem die Burgunder wurden schon vielfach prämiert. Guter Ausgangspunkt für Wanderungen ist der Weiler Altvogtsburg. Ein steiler, aber kurzer Weg führt vom Ort etwa auf den nahen Badberg, von dem aus man einen schönen Ausblick auf die Weinberge der Umgebung hat.

St. Peter im Freiburger Umland.
Georg Knoll
Unverkennbar: die beiden Zwiebeltürme in St. Peter.
St. Peter: Wo die alten Herzöge ruhen

Steil führt die Landstraße über Serpentinen durch einen dichten Wald, dann tauchen vor einem die beiden Zwiebeltürme von St. Peter auf. Das Kloster ließ der ehrgeizige Herzog Berthold II. von Zähringen 1093 für sich und seine Dynastie als Grablege bauen. Doch schon gut 100 Jahre später starben die Zähringer aus, und auch Mönche leben hier längst nicht mehr. Aber noch immer kommen Besucher, um die Schönheit des Ortes zubewundern - besonders in der ab 1724 gebauten Barockkirche deren Deckengemälde das Leben des Klosterpatrons Petrus erzählen.

Staufen im Freiburger Umland.
Georg Knoll
Der Marktplatz von Staufen.
Staufen: Idyll mit Abgründen

Beschaulich sieht es aus auf dem Marktplatz von Staufen, doch mit dem Unheimlichen muss hier stets gerechnet werden. Spätestens seit um 1540 eine verkrachte Existenz im Ort auftauchte: Johann Faust, angeblicher Doktor und tatsächlicher Alchemist, der - so erzählt man - eines Nachts im "Gasthof zum Löwen" mit einem lauten Knall aus dieser Welt abberufen wurde. Ein missglücktes Experiment? Der Teufel selbst? Jedenfalls bekam die Weltliteratur so eine ihrer populärsten Figuren geschenkt. 2007 meldeten sich die Mächte der Unterwelt zurück: Als die Staufener nach Erdwärme bohrten, begann sich der Boden zu heben. An mehr als 250 Häusern bildeten sich tiefe Risse, die bis heute gut sichtbar sind, etwa am Renaissance-Rathaus. Ansonsten ist das gut 700 Jahre alte Staufen
eine freundliche Stadt, in der man durch enge Gassen bummeln oder am Flüsschen Neumagen entspannt Kaffee trinken kann.

St. Märgen im Schwarzwald.
Georg Knoll
Den Schwarzwald erleben - in St. Märgen.
St. Märgen: Hoffnungslos schön

Wer den Schwarzwald so großartig erleben möchte wie in einem Hochglanzprospekt, der muss hinauf nach St. Märgen fahren. Unter einem weiten Himmel schwingen sich dort die Hügelketten, die Sonne scheint sanft auf Wälder und Wiesen. In der Ohmenkapelle im Vordergrund verehren Pilger einen eher unbekannten Heiligen: den Apostel Judas Thaddäus. Dass er denselben Vornamen trägt wie der Verräter Judas Iskariot, dafür kann er nichts. Möglicherweise ist dies aber der Grund dafür, dass man ihm im Himmel eine besonders undankbare Aufgabe zugeschanzt hat: Er ist der Schutzpatron der hoffnungslosen Fälle.

Breisach
Georg Knoll
Die Festungsstadt Breisach ist einen Besuch wert.
Breisach: Vielvölkerhügel überm Rhein

Steinzeitmenschen, Keltenfürsten, Legionäre - sie alle lebten schon auf dem Breisacher Münsterberg, der sich 40 Meter hoch am Rheinufer emporreckt. Viele Jahrhunderte lang war Breisach eine Festungsstadt, daran erinnert etwa der Hagenbachturm. Das Stephansmünster wurde ab dem 12. Jahrhundert erbaut. Auf keinen Fall verpassen sollte man hier die Wandmalereien von Martin Schongauer, die das Jüngste Gericht zeigen. Schongauer war zu seiner Zeit so berühmt, dass der junge Albrecht Dürer 1492 in die Gegend reiste, um ihn zu treffen. Doch er kam zu spät: Schongauer war einige Monate zuvor gestorben. Immerhin traf Dürer noch dessen Brüder, die ihm einige Zeichnungen schenkten.

Vom Kaiserstuhl übers Glottertal und St. Peter bis nach Todtnau: die schönsten Bilder aus dem Freiburger Umland in unserer Fotogalerie.

Ausgabe

Freiburg 07/2013