Deutschland Schöne Stadthotels

Haus St. Ulrich vor der Basilika.

Augsburg: Haus St. Ulrich

Um den offiziellen Eingang zu finden, muss der Gast einmal um Augsburgs höchste Basilika herum. Ist er schließlich im Haus, zweifelt er immer noch, ob hier wirklich ein Bett wartet: Das Konglomerat aus vieleckigen, weißen Betonwaben ist verwirrend, immer wieder stößt man auf kreuzförmige Innenhöfe, auf Gänge und Balkone, Säle und Sitzecken - bis man schließlich das eigene Zimmer erreicht. Wer im Haus St. Ulrich übernachtet, muss wissen, dass er im katholischen Bildungszentrum logiert und Menschen begegnet, die vielleicht nur wegen Themen wie "Weisheit der Wüstenmütter" oder "Der neue Atheismus und seine Folgen" hier sind. Selbst der Geldautomat ist konfessionell gebunden. Das in den 1970er-Jahren errichtete Haus war damals eine architektonische Sensation und ist heute innen sehr schön restauriert - geradezu stylish in den Farben weiß und mahagonibraun gehalten. Es gibt Flatscreen-TV, Internet und einen Pool; grandios auch der Blick aus dem Fenster auf Reste des alten Benediktinerklosters, auf Basilika und Ulrichsviertel. Und der Preis ist famos (DZ ab 92 Euro). Allerdings ist man hier nie allein, denn da hängt ja immer der Gekreuzigte über dem Bett.

Zimmer im Bad-Hotel zum Hirsch.
Heliopark
Selbst Napoleon übernachtete bereits im Bad-Hotel zum Hirsch.
Baden-Baden: Bad-Hotel zum Hirsch

Als die Soldaten des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. im Sommer 1689 Baden-Baden niederbrannten, ging eine jahrhundertelange Tradition als Badeort zu Ende. Fast alle Herbergen, Hotels und Bad-Hotels wurden vernichtet. Ironischerweise waren es wieder Franzosen, erst adlige Flüchtlinge vor der Revolution, dann napoleonische Offiziere und schließlich Napoleon selbst, die das 3000-Seelen-Örtchen an der Oos für sich entdeckten. Napoleon übernachtete im Bad-Hotel zum Hirsch. Interieur aus dieser Zeit ist im Stadtmuseum in der Lichtentaler Allee ausgestellt. Das Bad-Hotel hat als einziges aus der alten Zeit überlebt und verfügt seit jeher über das Privileg, das Thermalwasser aus der Quelle im Florentinerberg direkt zu beziehen. Deswegen haben die meisten Zimmer im Hirschen zwei Armaturen-Sets: eines für normales Trinkwasser und eines für das heilkräftige Thermalwasser. Nachdem der vorherige Besitzer jahrelang nicht in das wunderschöne Ensemble investiert hatte, trat einer von Baden-Badens reichen Russen auf den Plan und sanierte das Haus mit Millionenaufwand (DZ ab 90 Euro).

Das Stue in Berlin.
Andreas Alexander Bohlender
Die Gehege des Tiergartens umgeben "Das Stue".
Berlin: Das Stue

In der einstigen Königlich Dänischen Gesandtschaft zwischen Tiergarten und
 Zoo liegt das "Stue", was auf Dänisch "Wohnzimmer" heißt. Etwas exotischer als zu Hause ist es hier aber doch: Teppiche wie aus Moos, mit "Baumpilzen" bewachsene Vasen. Und, ja, tatsächlich: Die Vogel Strauße und Antilopen, die man durch die Scheiben sieht, sind echt! Die spanische Designerin Patricia Urquiola hat die grüne Zoo-Umgebung geschickt in die Gestaltung des Hauses einbezogen. Von einigen Zimmern aus geht der Blick aufs Känguru-Gehege. Mondäne Zimmer und Suiten gibt es in fünf Kategorien (DZ ab 200 Euro). Jede Einheit ist anders: Gäste logieren mal im Altbau, im Neubau, im gläsernen Dachgeschoss oder in Zimmern mit hohen Decken und Parkett.

Der Eingang zum Sheraton Pelikan in Hannover.
Starwood Hotels and Resorts
Der Eingang zum Sheraton Pelikan Hotel in Hannover.
Hannover: Sheraton Pelikan Hotel

Die ehemalige Pelikan-Fabrik ist heute ein elegantes Vier-Sterne-Design-Hotel mit ausgezeichneter Piano-Bar. In dem sorgsam restaurierten Backsteinbau wurden bis 2003 die legendären Pelikan-Füllfederhalter hergestellt. Noch heute existiert der Raum, in dem die Füller von Hand "eingeschrieben" wurden. Das Sheraton Pelikan Hotel verbindet den nostalgisch-industriellen Charme mit Luxus und schlichter Eleganz. Erbaut 1906, war das rote Backsteingebäude Sitz des 1838 gegründeten Unternehmens, das anfangs nur mit Klebstoffen, Tinte und Farben handelte. In der alten Fabrik stehen heute 147 hochmoderne Zimmer für Gäste bereit (DZ ab 129 Euro) und der ehemalige "Tintenkeller" beherbergt das Restaurant "5th Avenue", das mit internationaler Küche glänzt. Trotz aller kulinarischer Finesse auf der Karte, wird hier am häufigsten der "Sheraton Burger" bestellt. Ein Stück Manhattan findet der Gast in "Harry’s New York Bar" im einstigen Kesselhaus. Sie wurde mehrfach von der Zeitschrift Prinz zur besten Bar Hannovers gewählt. Der Gast hat hier die Wahl zwischen 220 Cocktails und 120 Sorten Whisky.

Kassel: Hotel Hessenland

Wer im "Historischen Zimmer" des Grand City Hotel Hessenland aufwacht, bekommt für eine Sekunde einen Schreck: Denn außer dem Flachbildschirm erinnert nichts an die Gegenwart. Der Holzboden knarzt, das Mobiliar von Schrank über Schminktisch bis zum Bett schimmert in furniertem Holz. Am Fenster passen zwei Cocktailsessel zum Nierentisch, und auch beim Gang ins Badezimmer begibt man sich auf Zeitreise in die Architektur der 1950er Jahre: mit originaler Sitzwanne, schwarzen Kacheln zu hellem Steinboden und eleganten, alten Armaturen. Der zentrale Bau des Architekten Paul Bode von 1953 galt als Vorzeigemodell des modernen Hotels, in dem von Filmstars bis Kanzler Ludwig Erhard jeder abstieg. Außer dem "Historischen Zimmer" sind alle 48 Zimmer heute modernisiert (DZ ab 65 Euro). Der legendäre Dachgarten existiert nicht mehr, dafür aber die großartige Treppe, die sich extravagant in den Frühstücksraum windet und die besondere Ästhetik dieser Epoche widerspiegelt.