Niedersachsen Lüneburg riechen, schmecken und fühlen

Eine schmale Treppe führt hinauf ins Dachgeschoss. Leinwände, Staffeleien, Farben - das Atelier von Gudrun Jakubeit in der historischen Altstadt Lüneburgs ist die erste Station auf der Erlebnisführung "Lüneburg mit allen Sinnen genießen". An fünf Orten der niedersächsischen Hansestadt kommen Nase, Augen, Ohren, Hände und Mund zum Einsatz. Bei der Künstlerin sollen die Besucher "hören und sehen". Es geht um die Historie Lüneburgs und um Bilder. Bilder, in denen sich die Liebe der Malerin zu ihrer Heimat wiederspiegelt. Das Thema: Stadtansichten. "Ich finde es spannend, Räume mit Pinsel und Stift zu erobern," sagt die gelernte Architektin. In ihren Gemälden dominieren Rot-, Gelb- und Brauntöne. "Der ziegelrote Backstein bestimmt die Szenerie. Das möchte ich in meinen Zeichnungen festhalten."

Zurück auf dem Kopfsteinpflaster der mittelalterlichen Gassen führt Edeltraud Strunk ihre Gäste vorbei an der barocken Fassade des Alten Rathauses und dem beeindruckenden Renaissance-Portal der Ratsapotheke, zeigt ihnen Giebelhäuser mit dem typischen Taustein. Vor einem kleinen Laden in der Apothekerstraße bleibt die Stadtführerin schließlich stehen. "Willkommen im Reich der Bienen. Gleich sind unsere Geschmacksnerven gefordert."

Mit einem Löffel darf jeder Gast im "Honig & Co" einmal tief ins Honigglas tauchen. Der Geschmack von Alpenrosen, Kaffeeblüten und Sanddorn entfaltet sich auf der Zunge. Mehr als 90 Sorten aus aller Welt sind in den Regalen zu finden - auch der echte Heidehonig mit seinem würzigen Aroma aus Besenheide und Heidekraut, eine wahre Delikatesse. "Honig ist ein kostbares Gut. Schon die Pharaonen haben es als Grabbeilage verwendet", erzählt Inhaberin Meike Huchzermeyer. "Für ein Glas Honig sammelt ein Volk Bienen (etwa 50.000 Tiere) einen ganzen Tag lang. Wichtig dabei: Die Temperaturen müssen mindestens bei 16 Grad Celsius liegen, und es darf nicht regnen."

Die Sage von der Salzsau

Doch nicht der Honig machte Lüneburg reich, sondern das Salz. Vor mehr als 1000 Jahren entdeckte man das kostbare Gut - allerdings eher zufällig. Jäger verfolgten in den lichten Wäldern rund um Lüneburg die Spur eines Wildschweins. Als sie das Tier erlegt hatten, fanden sie im Fell der Sau kleine weiße Körnchen und erkannten schnell, dass es sich um das "weiße Gold" handelte. Voller Tatendrang machten sich die Männer auf die Suche nach der Suhle des Tieres und fanden einen Tümpel, dessen Inhalt salzig schmeckte. Im Laufe der Jahrhunderte ist aus dieser Entdeckung das Lüneburger Salzwerk entstanden.

Das Thema "Salz" wird im Rahmen der Erlebnistour in der "Backsteinschwalbe", eine Boutique mit handgemachten Unikaten für Groß und Klein und "Schickedöns", aufgegriffen. Hier dürfen die Teilnehmer kreativ werden: Ein kleines Säckchen kann mit verschiedenen Motiven gestaltet, bedruckt und anschließend gefüllt werden - natürlich mit original Lüneburger Salz. "Bei uns können Textilien aller Art mit Lüneburger Motiven und Schriftzügen bedruckt werden. Zu einer unserer Besonderheiten gehört aber auf jeden Fall das Salzsäckchen", sagt Inhaberin Stefanie Hertzer.

Kaffeeverkostung - schlürfen ist erlaubt

"In schwarzem, kalten Kaffee liegt die Wahrheit. Denn ist er gut, wird der Geschmack nicht bitter." Jürgen Pasternak reicht die Schale mit den Moccabohnen weiter. Seine Augen leuchten, als er seine Zuhörer in die Geheimnisse des Kaffees einweiht.

 

Kaffeerösterei Ratzsch in Lüneburg.
Susanna Bloß
Kaffeerösterei Ratzsch in Lüneburg.

Die Rösterei Ratzsch ist die vierte Station auf dem Rundgang durch Lüneburg. Fruchtig und aromatisch - so muss guter Kaffee riechen und schmecken. Davon können sich die Besucher bei der Verkostung selbst überzeugen. Schlürfen ist dabei erlaubt, ja sogar ausdrücklich erwünscht. "Kaffee muss atmen können, erst dann schmeckt man, wie facettenreich ein Naturprodukt sein kann."

Im Wasserviertel mit dem Alten Kran endet nach zwei Stunden die Stadtführung. Zum Ausklang wird im Restaurant "Das Kleine" ein "Salz & Sole"-Frühstück serviert - ein Solei mit Matjes und Stockbrot, dazu einen Kümmel. "Zuerst isst man das Solei. Von dem Salz bekommt man Durst, so dass der Griff zum Kümmel folgt. Damit man aber den Schnaps nicht riecht, wird anschließend der Matjes und das Stockbrot gegessen", erklärt Küchenmeister Gisbert Ludwig. Lüneburg ist einfach zum Genießen - mit allen Sinnen.

INFO

Die Erlebnisführung "Lüneburg mit allen Sinnen genießen" dauert zwei Stunden und startet um 13:30 Uhr vor der Touristeninformation am Rathaus. Der Rundgang kostet 24,50 Euro pro Person inklusive Verköstigungen und kleinen Überraschungen. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Autor

Susanna Bloß