Schleswig-Holstein Land zwischen den Küsten

Wolken folgen, Möwen lauschen, Miesmuscheln sammeln, Sandburgen bauen. Am Meeressaum entlanglaufen, zwischendurch im graublauen Wasser abtauchen. Die Strände Schleswig-Holsteins, sie sind mein Sommerglück seit Kindertagen. Meine Favoriten? Fangen wir im Norden an. Solitüde, karibisch weiß und Flensburgs Hausstrand, ist selbst im Hochsommer nicht überfüllt. Und für mich oft erfrischender Abschluss meiner Entdeckungsreisen durch die fantastisch restaurierten Handwerkerhöfe der Altstadt. Wandern und Baden lässt sich bestens verbinden auf der Halbinsel Holnis bei Glücksburg: Der Weg startet im Seglerhafen Schausende und führt entlang einer hübschen Badestelle mit Steg und mehreren kurzen, feinsandigen Strandabschnitten.

Mein Tipp für Romantiker: die stillen Buchten rund um Nieby im Osten der Förde. Ebenso schön: Baden am Ostseefjord Schlei, den Ministrand bei Stexwig mag ich am liebsten. Statt nach Eckernförde, wo die Strandkörbe dicht an dicht stehen, zieht es mich an die steinigen, doch leeren Naturstrände zwischen Dahmer Schleuse und Großenbrode: Denn bei Grube kann auch mein Hund baden gehen. Um Kitesurfer zu gucken, fahre ich an den Südstrand von Fehmarn. Das norddeutsche Long Island ist Graswarder bei Heiligenhafen. Da stehen herrlich bunte Holzhäuser unter Reet direkt am Strand. Eines gehört Star-Architekt Meinhard von Gerkan, und eines können Urlauber mieten über www.graswarder.com. Mehr Strände unter www.ostsee-schleswig-holstein.de.

Radeln mit der Nase im Wind

Wenn ich mit dem Rad unterwegs bin, dann unter einer Bedingung: moderate (Gegen-) Windverhältnisse. Nur dann habe ich genug Muße, all das zu entdecken, was mich an dieser Landschaft fasziniert: gewaltige Steilufer, postkartenhübsche Dörfer, idyllische Bauerngärten und Menschen, die sich Zeit zum Schnacken nehmen. Hoch oben im Norden, am Ausgang der Flensburger Förde, liegt das Naturschutzgebiet Geltinger Birk. Eine besondere Landschaft mit Salzwiesen, Dünen und Schilfsümpfen. Seit einiger Zeit haben sich in diesem Gebiet wieder Seeadler niedergelassen, sehr majestätisch.

Ganz tief im Osten führt die "Travemünder Natursafari" rund 35 Kilometer weg vom Trubel der Lübecker Bucht. Das Brodtener Steilufer, ein bizarr geformtes Kliff, bietet den schönsten Ausblick über die Küste. Von dort geht es weiter um den Hemmelsdorfer See, wo ich mich zum Schluss auf einen Steg am Ufer setze und mir ein wohlverdientes Fischbrötchen schmecken lasse.

Ein großartiges Ziel für Ausflüge in die Welt des Adels ist das Hinterland der Hohwachter Bucht. Denn hier beeindrucken die meisten der gut 40 Güter und Schlösser des Landes. Bezaubernd im "Grafenwinkel" ist das Gut Panker mit barockem Herrenhaus, Lustgarten, Läden, Galerien und edlen Trakehner-Pferden, die auf satten Wiesen grasen;hier fehlt wirklich nur noch der Märchenprinz.

Aus sentimentalen Gründen mache ich immer einen Schlenker zum wenige Kilometer entfernt gelegenen Gut Kletkamp, einem weißen Renaissancebau mit einem für diese Region ganz untypischen Giebelturm. Filmgeschichte schrieb das mächtige Torhaus: Vor seiner Fassade wurden die "Ferien auf dem Immenhof" mit Heidi Brühl und Horst Janson gedreht. Wie überhaupt die ganze Holsteinische Schweiz mit ihren sanften Hügeln und mildem Klima eine Stimmung von unbeschwerter Urlaubszeit verströmt. Mit etwas Wehmut fahre ich in der Nähe vom Selenter See am Schloss Salzau vorbei, dort, wo ich beim Schleswig-Holstein-Musikfestival einmal ein Klassik-Konzert vor traumhafter Kulisse erlebt habe. Jetzt muss das Land sparen und will das Anwesen verkaufen. Zurück auf Gut Panker, wo ich logiere, lasse ich mir abends in der urigen Gaststube "Ole Liese" bei einer (halben) Oldenburger Ente gut gehen, sitze mit einem Glas Wein vor dem Kamin und lege ein wenig die Füße hoch. Hochherrschaftlich.

Butterscholle satt und Bienenstich – das gibt es auch, doch noch viel mehr, denn Schleswig-Holstein entwickelt sich langsam, aber sicher zum kulinarischen Erlebnis. Gekocht, gebraten und und gebacken wird in Gasthöfen und Landcafés fast immer mit regionalen Produkten, oft in Bioqualität. "Die Äpfel, Pflaumen und Zwetschgen für unsere Kuchen ernte ich im eigenen Garten", sagt Gabriele Walter vom "Café Kranz" bei Gelting, an windigen Tagen meine "gute Stube" zum Klönen und Lesen.

Meine Neuentdeckung ist der "Kulturtreff Kuhstall" im Dörfchen Bohnert bei Kosel, nur einen Katzensprung von der Schlei entfernt. Zu Zitronentorte oder "Sommerwolke" - ein sahniges Etwas aus Joghurtquark und Erdbeerpüree - gibt es einen satten Klacks Nostalgie, denn die Einrichtung der Hofgaststube ist original 60er Jahre. In das historische "Gasthaus Haddeby" in Busdorf bei Schleswig kommen bereits morgens um sieben die ersten Gäste – zum Bäckerfrühstück. Denn dann hat Christian Timm, Markenzeichen: Vollbart mit zwei Zöpfen, die erste Backrunde beendet. Und tischt krosse Brötchen auf, die Holsteiner Knüppel heißen. Oder, köstlich, Bärlauch-Olivenbrot. Der schneeweiße Landgasthof mit Kamin restaurant, Terrasse, Biergarten und Brasserie mit offener Küche ist zudem berühmt für seine Gerichte vom Angler Sattelschwein - und die idyllische Umgebung. In seiner Freizeit wird Bäcker Timm übrigens zum Wikinger, er demonstriert deren Backtechniken unter anderem in Haithabu. Noch ein Tipp: Ab Spätsommer kochen Sterneköche wie Harald Wohlfahrt oder Jörg Müller an der Küste auf. Termine unter www.gourmetfestival.de

Lübeck - Thomas Mann und noch mehr Kultur

Sie waren wie ein altes Ehepaar, regten sich über die Macken des anderen auf, aber insgeheim liebten sie sich: Thomas Mann und Lübeck. Sie, die Hansestadt mit Puppenhaus-Charme, inspirierte ihn zu den "Buddenbrooks". Er, der Dichter, setzte ihr ein Kulturdenkmal: Das Großelternhaus von Thomas Mann, ein elegantes Kaufmannshaus mit Blick auf die Marienkirche, ist heute Museum und literarisches Zentrum. Mehrmals im Jahr lesen hier von den Feuilletons gefeierte Autoren aus ihren Debüts. Junge Malerinnen stellen in den Galerien der Hüxstraße aus. Wenn ich mich sattgesehen habe an jungen Kunstwerken und alten Renaissance-Giebeln, dann faulenze ich am liebsten im Naturfreibad; im Drägerpark (Eintritt: 1 Euro): sonnenbaden und in die Wakenitz springen! Thomas Mann hätte der Spaß gefallen.

Sie sind auf den Geschmack gekommen? In diesen Hotels genießen Sie das Meeresrauschen der Nord- und Ostseewellen, auf Fehmarn klemmt man sich bestenfalls das Surfbrett unter den Arm und wer das Land lieber von der Wasserseite sieht, geht zum Hochseeangeln

Weitere Informationen unter www.ostsee-sh.de und www.luebeck.de

Autor

Bettina Laude