Deutschland Köln: Es wird auf Lebensqualität gesetzt

Das Wasser von Köln ist gut: Wie die Black Fööss in ihrem Karnevalslied setzt auch Mutter Colonia auf Lebensqualität und natürliche Ressourcen. Kein Geringerer als der Oberbürgermeister und spätere erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, verordnete seiner Geburtsstadt bereits Anfang der 1920er-Jahre eine "grüne Lunge". Zusammen mit dem Müngersdorfer Stadion als Europas größte Sportanlage sollte der Grüngürtel wie er sinngemäß sagte den gesundheitlichen und sozialen Gefahren der modernen Großstadt entgegenwirken und die Kosten der Krankenversorgung senken. Adenauers undogmatischer Brückenschlag zwischen Produktionsgesellschaft, Konsum und Ökologie hat viele Anhänger gefunden. An aktuellen Beispielen mangelt es nicht. Sie reichen von der ersten Biomöbel-Werkstatt im Rheinland über alternative Stadt und Stadtrandführungen, grüne Modedesigner, Ökogärtnereien und zertifizierte Biorestaurants bis zu den ultramodernen Cologne Oval Offices am Gustav-Heinemann-Ufer. Der 2009 erbaute Bürokomplex wurde von der EU mit dem Green-Building-Siegel ausgezeichnet.

Essen und Trinken

Restaurant "Guten Abend"

Ökologischer Senkrechtstarter der Gastro- und Kneipenszene im Belgischen Viertel ist das "Guten Abend". Aus einer angestaubten 08/15- Kneipe am Brüsseler Platz zauberte Eva Doerfel 2006 Kölns erstes zertifiziertes Biorestaurant. Auf den Tisch kommt ein Mix aus bodenständig deutscher und mediterraner Küche. Stoffservietten, Zwiebelmuster-Geschirr und massive Tische vermitteln einen Hauch von bürgerlich-bayerischem Gasthof-Flair. Die Weinkarte umfasst gestandene vier Seiten. Eventuelle Wartezeiten macht im Sommer die großzügige Außenterrasse mit ihren schattigen Bäumen wett.

• Neustadt-Nord • Brüsseler Str. 55 • Straßenbahn: Moltkestraße • Tel. 511600 • Mo-Do und So 17-23, Fr, Sa 17-24 Uhr • €€

Stadtgarten Restaurant

Der Stadtgarten - ein Klassiker unter Kölns Restaurants - bietet seit über 20 Jahren eine vielfältige Gastronomie in großzügigen und hellen Räumen. Täglich werden abwechslungsreiche, kreative Speisen frisch zubereitet, wobei auf den Einsatz vorgefertigter und tiefgekühlter Produkte weitgehend verzichtet wird. Das Speisenangebot wird vorwiegend nach saisonalen und regionalen Aspekten zusammengestellt, die Produkte sind oft aus biologischem Anbau. Der Biergarten mit 800 Plätzen zählt zu den schönsten in Köln und hat einen direkten Zugang zum "Stadtgarten"-Park. Im Sommer lässt sich hier wunderbar das schöne Wetter genießen, zur Weihnachtszeit duftet es nach Glühwein und frischem Gebäck, wenn der alljährlich stattfindende Stadtgarten-Weihnachtsmarkt seine Pforten öffnet.

• Neustadt-Nord • Venloer Str. 40 • U-Bahn: Hans-Böckler-Platz • Mo-Do 12-1, Fr, Sa 12-2, So 10.30-1 Uhr, Biergarten tgl. 12-24 Uhr (wetterabhängig) • €€

Einkaufen

beauty & nature Köln

Nach Berlin und München hat Roswitha Weber den dritten ihrer trendigen Naturkosmetik-Shops 2005 in Köln eröffnet. Auf 100 Quadratmeter Verkaufsfläche finden "Sie" und "Er" vieles, was die Kräfte der Natur an Pflege, Kosmetik und Nahrungsergänzung zum Wohlbefinden beisteuern. Mit etwas Glück ist sogar ein Termin für eine spontane Entspann- und Verwöhnbehandlung frei (90 Min. 74 Euro, 120 Min. 98 Euro).

• Altstadt-Nord • Ehrenstr. 4042 • Straßenbahn/U-Bahn: Rudolfplatz • Tel. 2 774647 • Mo-Sa 11-19 Uhr

Bioblumen Rosinski

Die gesteigerte Nachfrage nach Schnittblumen hat weltweit zum massiven Einsatz von Kunstdünger und chemischen Pflanzenschutzmitteln geführt. Rudolf Rosinskis Antwort auf die daraus resultierende Umweltbelastung ist die Bioblume. In seinem 5-Mann-Betrieb im Stadtteil Nippes verkauft er nur Blumen aus biologischem Anbau. Der Hauptanteil seiner Ware stammt aus regionaler Produktion, etwa 10 Prozent kommen aus Ecuador. Die transportbedingten CO2-Emissionen kompensiert Rosinski durch die Förderung von Solarsystemen und Biogasanlagen in Indien und Madagaskar. Wer Lust und Zeit hat, sollte einen Blick in den betriebseigenen Garten werfen. Eine Tasse Kaffee selbstverständlich Bio und Fair Trade gibt's gratis dazu.

• Nippes • Simon-Meister-Str. 18 • Straßenbahn/U-Bahn: Florastraße • Tel. 7391617 • Mo-Fr 913 und 14.30-19, Sa 10-15 Uhr

Lanius Moden

Dass "grüne" Damenkonfektion auch modisch-figurnah sein kann, beweist Claudia Lanius mit ihrer Kollektion. Die Designerin lässt ihre Entwürfe in Portugal und China produzieren. Faire Arbeitsbedingungen sind dabei ebenso selbstverständlich wie ökologisch einwandfreie Materialien. Kaufen kann man/frau ihre Mode (Konfektionsgröße 34-44) zusammen mit "konventionell" hergestellter Label-Ware in drei Kölner Lanius-Boutiquen: im Stammgeschäft in der Merowingerstraße und in zwei Dependancen in der Apostelnstraße 6 und Neusser Straße 61. Die Preise sind moderat; Hosen kosten im Schnitt zwischen 80 und 120 Euro, Kleider zwischen 70 und 100 Euro.

• Neustadt-Süd • Merowingerstr. 7 • Straßenbahn: Clodwigplatz • Tel. 9329052 • Mo-Fr 9.30-18.30 Uhr, Sa 10-15 Uhr

Öko-Markt am Rudolfplatz

Aus Erzählungen ist der "Feurige Elias" insbesondere älteren Kölnern noch ein Begriff. Vor 100 Jahren belieferte diese schmalspurige Dampfbahn die Stadt mit frischem Obst und Gemüse aus dem Vorgebirge. Eine Brücke zu dieser Zeit schlägt der Ökomarkt auf dem Rudolfplatz. Zu Füßen des mittelalterlichen Hahnentors versorgen mittwochs acht und samstags 13 Marktstände die City mit regionalen Frischwaren. Wer Appetit auf eine Zwischenmahlzeit aus frischem Obst, Johannisbeer-Quarkschnitten oder Biobrötchen mit Schinken aus der Landmetzgerei hat, ist hier an der richtigen Adresse. Dienstags und freitags ist der Öko-Markt von 1018 Uhr am Severinskirchplatz, donnerstags von 814 Uhr am Neusser Platz.

• Altstadt-Nord • U-Bahn/Straßenbahn: Rudolfplatz • Mi 11-18, Sa 8-14 Uhr

Trehörn ÖkoWeinHandel

Laut Goethe ist das Leben viel zu kurz, um schlechten Wein zu trinken. Ganz so alt wie das vinologische Glaubensbekenntnis des großen Dichters ist Karl Moogs ÖkoWeinHandel Trehörn nicht. Seit 1986 vertreibt der ehemalige Moselwinzer Weine, die garantiert ohne chemische Pflanzenschutzmittel, Kunstdünger und kellertechnische Tricks ihren Weg in die Flasche gefunden haben. Im Angebot sind 200 bis 250 verschiedene Weine, die Preise liegen zwischen 5 und 25 €, die Weißweine stammen vorzugsweise von deutschen Weingütern. Sein Geschäft liegt im rechtsrheinischen Vorort Dellbrück. Den Weinverkauf runden Degustationen, Lesungen und Events ab. (Telefonische) Bestellungen und Postversand möglich.

• Dellbrück • An der Kemperwiese 5 • Straßenbahn: Dellbrücker Hauptstraße • Tel. 6 320484 • Mo u. Mi 15-19, Di-Fr 10-13 und 15-19 Uhr, Sa 9-15 Uhr

Aktivitäten

Kölner Fahrradverleih

CO2-Belastungen sind für den gelernten Flugzeugtechniker Jörg Böttcher kein Fremdwort. 1995 wechselte er die "Fronten" und gründete den ersten Fahrradverleih der Region. Mit heute 60 verfügbaren Rädern und einer Mietdauer zwischen einer Stunde (2 Euro) und sieben Tagen (40 Euro) wird er (fast) allen Mobilitätswünschen seiner Kunden gerecht. Darüber hinaus bietet er geführte Fahrradtouren quer durch die Geschichte und Gegenwart der Rheinmetropole an. Gern gebucht wird die dreistündige Kölnrundfahrt, die täglich ab 13.30 Uhr an der Verleihstation startet (15 Euro, tel. Anmeldung erwünscht).

• Altstadt-Nord • am Rheinufer direkt neben der Deutzer Brücke • Straßenbahn: Heumarkt • Tel. 0171/ 6298796

Querwaldein e.V.

Eigentlich ist Querwald eine Bildungseinrichtung zur Förderung von Umwelt- und Naturbewusstsein. Doch keine Angst, hier drückt niemand die Schulbank. Statt trockener Theorie werden interessante Naturexkursionen, Spielveranstaltungen und Erlebniswanderungen angeboten. Zwar sind die Programme eher für ortsansässige Eltern und Kinder gedacht, doch wer sein Domstadterlebnis mit einer Prise kölscher Naturerkundung würzen will, ist gern gesehener Gast.

• Klettenberg • Scherfginstr. 48 • Straßenbahn: Klettenbergpark • Tel. 2619986

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Dieser Text von Gerald Penzl ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Köln"

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