NRW Industriekultur

Oberhausen: Gasometer

Ein Riese gibt Gas: Der ab 1927 errichtete und 1949 nach einem Brand wiederaufgebaute Turm speicherte einst Gas aus einer Kokerei. Eine bewegliche Scheibe deckte die 67 Meter Durchmesser ab und presste durch ihr Gewicht das Gas in die Leitungen. 1988 wurde die Anlage stillgelegt. Die Scheibe ist heute in vier Meter Höhe fixiert, sie dient als Decke des Ausstellungsraums. Oberhalb aber ist sie Bühne und  Zuschauerraum und erlaubt einen berauschenden Blick in die Spitze des 117 Meter hohen Gasometers. Manchmal dient der gesamte Innenraum als Projektionsfläche wie bei der Ausstellung "Der schöne Schein". Ein gläserner Aufzug fährt bis unters Dach des Oberhausener Wahrzeichens, wo auch dieses Foto entstand.
Arenastraße 11. www.gasometer.de

Dortmund: Thomasbirne

Die Thomasbirne in Dortmund hat einen Durchmesser von vier Metern.
Klaus Bossemeyer
Thomasbirne in Dortmund
Gewaltige Frucht: Im Hörder Hüttenwerk bei Dortmund gelang 1879
die erste Thomasschmelze auf dem Kontinent, ein Verfahren zur Veredelung von Roheisen, kurz zuvor in England erfunden. Für die Region war das ein großer Fortschritt: Zum ersten Mal konnte das heimische, nicht sehr hochwertige Erz zu Stahl verarbeitet werden, das zuvor angewandte Bessemer-Verfahren verpestete nicht mehr die Luft, und die phosphorhaltige Schlacke ließ sich als Dünger nutzen. Der Konverter auf der Phoenixsee-Insel war 1954 der letzte aus der Hörder Kesselschmiede. Er wiegt 68 Tonnen, ist sieben Meter hoch und hat einen Durchmesser von vier Metern. Bis 1964 war er im Stahlwerk Phoenix-Ost in Betrieb. Und er steht für den Strukturwandel: Das endgültige Aus der Stahlproduktion 2001 hatte 200 Hektar Industriebrache hinterlassen. Seitdem sind dort ein See, ein Technologiepark und ein Wohngebiet entstanden.
www.phoenixseedortmund.de

Mülheim: Wasserturm

Der Wasserturm in Mülheim wird abends beleuchtet.
Klaus Bossemeyer
Wasserturm in Mülheim
Trinkwasser war es nicht, das hier verteilt wurde: Der von August Thyssen errichtete Wasserturm versorgte seine Stahl- und Walzwerke seit 1893 mit Brauchwasser. Vor gut 30 Jahren stillgelegt, ist der Mülheimer Turm heute ein Museum, das sich ganz dem Thema Wasser widmet – und zwar auf allen Ebenen. Die Ausstellung beginnt in 35 Meter Höhe und führt über 14 Plateaus mit 30 Multimediastationen. Regen und Eis, Meer und Quellen, Wolken und Sprudelwasser: Besucher erfahren hier Wissenswertes über Wasser in allen Aggregatzuständen. Spektakulär ist die Fahrt im gläsernen Fahrstuhl durch den großen Tank, der einst eine halbe Million Liter Wasser enthielt.
Ortsteil Styrum, Burgstraße 70
www.aquarius-wassermuseum.de

Essen: Kokerei Zollverein

Kokerei Zollverein kann mit dem Fahrrad erkundet werden.
Klaus Bossemeyer
Kokerei Zollverein
Wie von einem Künstler gestaltet, gehen die Farben von Ziegeln und Rost ineinander über, ergänzt durch das Blau der Solaranlage und des "Werksschwimmbads". Die Kokerei des Essener Zollvereins veredelte bis 1993 täglich 11000 Tonnen Kohle
zu rund 8600 Tonnen Koks. Gefördert wurde die Kohle gleich nebenan in der modernsten Zeche ihrer Zeit. Beide, Zeche und Kokerei, sind heute Welterbe der Unesco und vielleicht das gewaltigste Denkmal einer großindustriellen Zeit. Die gesamte Anlage
ist größer als die Essener Innenstadt, sie zu Fuß zu erkunden eine sportliche Herausforderung. Wer es sich leichter machen will, leiht ein Fahrrad und kann damit nicht nur die Anlagen des Ruhrmuseums und das Red-Dot-Design-Museum, sondern auch die Restaurants und Werkstätten
besuchen, die heute Leben in die Zeche bringen.
Gelsenkirchener Straße 181
www.zollverein.de

Duisburg: Tiger & Turtle

Tiger & Turtle in Duisburg heißt das Kunstwerk in Duisburg.
Klaus Bossemeyer
Tiger & Turtle in Duisburg
Einen seltsamen Namen trägt das Kunstwerk des Hamburger
Künstlerduos Heike Mutter und Ulrich Genth. "Tiger und Schildkröte" ist
kein umgewidmeter Überrest industrieller Architektur, aber dennoch
Zeichen einer vergangenen Zeit. Die Achterbahn steht auf der Heinrich-
Hildebrand-Höhe, der Kuppe einer ehemaligen Deponie der Metallhütte
Duisburg. Bis 2005 wurde dort Zink produziert. Die Konstruktion aus 17 Stützen, 349 Querträgern und 698 Pfosten aus verzinktem Stahl ist heute Höhepunkt des Angerparks. Und der Name? Tiger steht für aggressive Schnelligkeit, die eine Achterbahn verspricht, Schildkröte für die Langsamkeit, die sich einstellt, wenn man das 20 Meter hohe Kunstwerk besucht: Man kann es nur zu Fuß begehen.
Ehinger Straße 117
www.tigerandturtle.duisburg.de

Ausgabe

Nordrhein-Westfalen 03/2015