Harz Grand Canyon von Deutschland

An sonnigen Tagen schimmert sie auf dem Grund des Bodekessels - die Krone der Königstochter Brunhild. Das gute Stück fiel auf der Flucht vor Ritter Bodo ins Wasser und der allzu aufdringliche Verehrer, dem der Sprung über die Schlucht missglückte, gleich hinterher. So bekam sie ihren Namen, die Bode, wasserreichster Fluss im Harz, der erst nach 169 Kilometern in die ferne Saale mündet. Bei Königshütte mischt sie sich aus Warmer und Kalter Bode, die am Südosthang des Brockens entspringen und von Niederschlagsmassen gespeist werden, die in Mitteleuropa ihresgleichen suchen. Entlang des Flusslaufs gibt es viel Spannendes zu entdecken: Hochmoore im Quellgebiet, die Tropfsteinhöhlen in Rübeland und die Rappbodetalsperre.

Auslaufstrecke der Harz-Wanderer aber ist seit alters her das Bodetal zwischen Thale und Treseburg, eine mehr als 400 Meter tiefe Schlucht, die vom Fluss über Jahrtausende in den Granit gefräst wurde. Was aber von Geologen als Durchbruchstal beschrieben und von Fremdenverkehrsmanagern als "Grand Canyon des Harzes" beworben wird, lässt Besucher einfach nur staunen: In engen Kurven windet sich der Fluss um Felsklippen und Berghänge. Auf der Zehn-Kilometer-Distanz folgt ein Wanderpfad dem Bodelauf.

Namen wie Phantasiegebilde markieren geografische Punkte und die Pilgerstrecke der Hexentouristen, zum Beispiel Hexentanzplatz, Roßtrappe oder Teufelsbrücke. Namen, die aus dem Gestern ins Heute ragen, aus der Zeit, als noch Trolle und Zwerge den Harz bevölkerten und die Blumen am Wegrand Namen bekamen wie Hirschzunge oder Rasensteinbrech. Botanische Raritäten allesamt; schon seit 1937 steht das Bodetal mit seinen dichten Mischwäldern unter Naturschutz. Rauchen, Zelten und Baden sind verboten - keine Chance, nach Brunhilds Krone zu tauchen.

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Autor:
Anne Kathrin Reiter