Mecklenburg-Vorpommern Fischbrötchen Report

Im Fischbrötchen Report für Mecklenburg-Vorpommern testet Autor Tillmann Schuppius die Qualität der nordischen Delikatesse. Im Interview verrät er mehr.

Tillman Schuppius ließ sich ein Bier mit Freunden schmecken, als ihm die Idee kam, der Delikatesse des Nordens — dem Fischbrötchen — auch mal literarische Aufmerksamkeit zu schenken. Herausgekommen sind dabei "Der Fischbrötchen Report für Mecklenburg-Vorpommern" Band 1 und Band 2. Während seiner Recherche musste der Autor und Fotograf etwa 200 bis 300 des nordischen Klassikers vertilgen, um sich ein wirkliches Expertenurteil erlauben zu können. Eine wirklich beachtliche Leistung und sicherlich nicht jedermanns Sache. Uns steht er dennoch sehr zufrieden Rede und Antwort zur zu den wichtigsten Fragen rund ums Thema Fischbrötchen.

MERIAN: Herr Schuppius, Sie haben für Ihren Fischbrötchen Report rund 300 Fischbrötchen gegessen. Ist ihnen ein Fischbrötchen im Gedächtnis geblieben, welches besonders gut geschmeckt hat?
Tillmann Schuppius: Das ist schwer zu sagen. Da kommt es sehr stark auf die eigene Situation und die persönliche Empfindung an. Mal kommt man vielleicht von einer Fahrradtour und das Fischbrötchen schmeckt grandios oder man kommt vom Strand und das Gleiche ist nicht mehr so lecker. Aber prinzipiell sind alle Fischbrötchen, die in meinen Büchern vorgestellt werde, qualitativ sehr gut.

Gibt es spezielle Arten von Fischbrötchen auf Darss, Usedom oder Rügen, die besonders empfehlenswert sind?
Besondere Arten von Fischbrötchen gibt es eigentlich nicht. Sehr beliebt an der Mecklenburger Küster ist allerdings das Räuchern von Fisch. Sehr viele Buden- und Restaurantbesitzer räuchern nämlich noch selber; das ist ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal in Mecklenburg-Vorpommern und auch geschmacklich etwas ganz besonderes.

Woran erkennt man ein gutes Fischbrötchen?
Ganz wichtig ist das Brötchen. Wenn das zu alt, zu pappig oder zu sehr mit Fischsud durchzogen ist, schmeckt das gesamte Fischbrötchen nicht. Ansonsten ist das allerdings Geschmackssache. Ich mag es zum Beispiel nicht, wenn das Fischbrötchen zu sehr belegt ist — da möchte ich eigentlich den Fisch schmecken. Ausnahme sind Gemüsezwiebeln und etwas Salat; dezent auf dem Fischbrötchen verteilt, rundet das meiner Meinung nach den Geschmack ab. Remouladen und Soßen sind allerdings nur beim Backfisch sinnvoll.

Welche Fische sind denn typisch für das Fischbrötchen?
Also die üblichen Verdächtigen sind auf jeden Fall Hering in jeder Form, Makrele, Lachs, viel Back- und Räucherfisch — dafür allerdings wenig Krabben. Darüber hinaus gibt es viele Stände, bei denen man aus mehreren selbst eingelegten Matjessorten auswählen kann.

Woher kommt eigentlich der "Bismarckhering"?
Angeblich hat ein Stralsunder Fischhändler dem damaligen Reichskanzler Bismarck ein Fässchen mit den sauer eingelegten Heringen geschickt, woraufhin dieser dem Händler das Privileg erteilte, den Fisch fortan als Bismarckhering zu verkaufen. Gleiches behauptet allerdings auch ein Wirt aus Flensburg. Es gibt aber auch noch andere Erklärungsversuche. Prinzipiell ist das heute also nicht mehr so klar.

Wissen Sie denn auch, wann es die ersten Fischbrötchen gab?
Das hat zwar nichts mit Mecklenburg-Vorpommern zu tun, aber Im Zuge anderer Recherchen war ich auf der Insel Helgoland und da wurde um 1977 das allererste Fischbrötchen verkauft. Davon abgesehen kann das aber auch niemand so recht sagen.

Können Sie nach ihrer umfassenden Recherche überhaupt noch Fischbrötchen sehen?
Ja, schon. Mein Rekord sind vier Fischbrötchen an einem Tag. Mittlerweile geht das aber nicht mehr und ich beiße eigentlich nur kurz rein um die Qualität zu testen. Mittlerweile dürfte ich übrigens etwa 200 - 300 Fischbrötchen gegessen habe.

Tillmann Schuppius Fischbrötchen-Geheimtipps aus "Der Fischbrötchen Report für Mecklenburg-Vorpommern" Band 1 und Band 2":

Darss: Fischkaten
Im Fischkaten herrscht fast immer reger Andrang. Das Angebot ist groß und haut vor allem beim Räucherfisch richtig rein. Von Aal bis Zander liegen je nach Saison und Fang bis zu einem Dutzend Sorten im Tresen.
Adresse: Grenzweg 17b, 18347 Ahrenshoop.

Band 2: Müritz/Mecklenburgische Seenplatte, Küste Ostvorpommern, Usedom. ISBN: 978-3-9814452-2-0
Zingst: Futter Kutter
Immer mittendrin im Boddenhafen, angebunden in fester Lage: der "Futterkutter" von Stefan Pohl. Neben den üblichen Verdächtigen der Fischbrötchen-Cuisine gibt es hier auch das allseits beliebte Krustentier: Die Nordseekrabbe; mit Gurke, Knoblauch und Radieschen.
Adresse: Hafenstraße 1, 18374 Zingst.

Usedom: Uwes Fischerhütte
Das rustikal gemütliche Holzkneipchen im Dünensand gehört seit über 20 Jahren sozusagen zur Grundausstattung der Strandpromenade. Fischbrötchen existieren in drei Matjes-Varianten sowie mit Bischmarck- und (Räucher) Rollmops fang- und ofenfrisch bestückt. Uwe Krüger, der Besitzer,  räuchert auch selbst, die Öfen stehen gleich neben dem Restaurant.
Adresse: Strandpromenade 12, 17419 Ahlbeck.

Autor

Christoph Pöthke

Ausgabe

Ostsee 08/2014