Deutschland Eine Fahrradtour durch das Neckartal

Blick auf Heidelberg

Hinter Schloss Zwingenberg treffen wir Annabell zum ersten Mal. Man kann nicht sagen, dass sie schlank wäre. Sie passt gerade so in die Schleuse am Neckar. Die Fender quetschen sich zwischen Bordwand und Mauer, als das Wasser in der Schleusenkammer gemächlich sinkt. Eher bedächtig als geschäftig nimmt der Matrose die Leine vom Poller, als sich das schwere Tor im Neckar flussabwärts öffnet.

Wer Tempo machen und sich beweisen will, ist auf dem Neckartal-Radweg nicht richtig. Für alle aber, die nicht so gut trainiert sind, wie sie es gern wären, ist diese Route für einen Fahrradurlaub ideal. Sie verläuft wie fast alle Flussradwege nicht nur flach, sondern bietet auch alle paar Kilometer einen guten Grund zum Anhalten. Mal ist es ein Steg über den Neckar, auf dem wir wie kleine Buben gebannt dem Schauspiel des Schleusens zuschauen. Mal ist es ein Museum. Hier fasziniert uns eine Burg, dort staunen wir über eine Kirche.

Die Abtei Neuburg liegt am nördlichen Neckarufer zwischen den Heidelberger Stadtteilen Neuenheim und Ziegelhausen.
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Vorbei an Burgen und Klöster: Die Abtei Neuburg liegt am nördlichen Neckarufer bei Heidelberg.
Von der Neckarquelle bei Schwenningen im Schwarzwald bis zur Mündung in Mannheim sind es 370 Kilometer. Kaum ein anderer deutscher Fernradweg vereint so viele romantische Bilder. In Tübingen steht der Hölderlinturm als meistfotografiertes Wahrzeichen der Stadt dicht am Neckar, in Esslingen sind es vom Neckarufer nur ein paar Schritte zu den Fachwerkhäusern der alten Reichsstadt. Bei Besigheim wächst der Wein in idyllischen, steilen Felsengärten.

Das Heidelberger Schloss
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Thront hoch über dem Neckar: das Heidelberger Schloss.
In Heilbronn ist der Neckar leider ein Industriegewässer, Werften und Fabriken säumen ihn. Aber um das mittelalterliche Bad Wimpfen herum fühlen sich Hügel und Täler wieder wie im Märchen an. Auf rauen Bergen thronen Burgen wie Hornberg. Hier lebte Götz von Berlichingen. Im Odenwald zwängt und schlängelt sich der Neckar durch ein enges Tal. Begeistert folgen wir ihm, dunkle Sandsteinfelsen und buntes Laub lassen der Fantasie im Urlaub mit dem Rad freie Fahrt.

Orte der Sehnsucht und der Ernüchterung liegen auch auf dieser Fahrradtour dicht beieinander. Auf der letzten Etappe auf dem Neckartal-Radweg kommen wir zum Stift Neuburg, in dem sich Joseph von Eichendorff mit den anderen Dichtern der Heidelberger Romantik getroffen hat. Das Radfahren macht hier wenig Spaß, ab Neckargemünd rasen zu viele Autofahrer rücksichtslos am Fluss entlang. Hinter dem postkartenschönen Teil von Heidelberg kommen rechts die wenig inspirierenden Neubauten der Universität in den Blick.

In Mannheim stehen Tanks und Silos im Dutzend am Weg. Hier treffen wir die "Annabell" wieder. Wir fahren ein Rennen gegen sie, bis zum Neckarspitz. Da mündet der Neckar in den Rhein. Am anderen Ufer steht die große Fabrik der BASF. Die Schornsteine leuchten in der Abendsonne. Und wir haben gewonnen.

INFO

Der Neckartal-Radweg führt auf 370 Kilometern von Villingen-Schwenningen (Schwarzwald) nach Mannheim. Die Route ist gut ausgeschildert und weist kaum Steigungen auf. Sie lässt sich in vier Tagen bewältigen; wer die Sehenswürdigkeiten am Neckar besichtigen will, muss mehr Zeit einplanen. Das verkehrsreiche Teilstück zwischen Neckargemünd und Heidelberg können Radler per Schiff zurücklegen. Weitere Details zur Neckar Radtour und zu den Etappen finden Sie hier.

Lohnenswert ist auf der Strecke auch ein längerer Zwischenstopp in der ehemaligen kurpfälzischen Residenzstadt Heidelberg. Der MERIAN.de-Artikel "Die Stadt am Rhein-Neckar" hält Tipps und eine schöne Fotostrecke bereit.

Autor

Johannes Schweikle