Hamburg Die Internationale Gartenschau in voller Blüte

Die Internationale Gartenschau (IGS) in Hamburg-Wilhelmsburg musste seit der Eröffnung am 26. April 2013 bereits viel Kritik einstecken. Zu teuer, zu langweilig, zu abstrakte Kunst. 652.000 Besucher zählte die Ausstellung seitdem - weit weniger als erwartet. Doch wer sich nicht vom Gerede beeindrucken lässt, wählt jetzt wahrscheinlich den besten Zeitpunkt, um die Blumen und Pflanzen der Gartenschau in ihrer vollen Schönheit zu bewundern.

Nie erstrahlten die Blumen der Gartenschau so farbenfroh und prächtig wie jetzt. Bienen summen in der Luft und Schmetterlinge tanzen von Blüte zu Blüte. In diesem Jahr kann tatsächlich mal wieder von "Sommer" in Deutschland gesprochen werden. Während Hamburg schwitzt, sind die Ausstellungspflanzen dankbare Abnehmer für jeden Sonnenstrahl. Im Gegenzug präsentieren sie sich in ihren schönsten und buntesten "Kleidern". Mehr als 1000 Blumenarten, verteilt auf sieben Welten: In 80 Gärten um die Welt, das ist die Internationale Gartenschau in Zahlen. Einiges ist abstrakt und erscheint auf den ersten Blick vielleicht sonderbar, doch wer sich einlässt auf das Entdecken und Träumen, wird auf der IGS in eine andere Welt eintauchen und einen unvergesslichen Tag erleben.

Auf der IGS durch sieben Welten reisen

Häfen, Wasser, Religionen, Kulturen, Kontinente, Natur und Bewegung - das sind die Themen der Welten, durch die der Besucher der Gartenschau geführt wird, wenn den Pfeilen auf dem Geländeplan vom Haupteingang aus gefolgt wird. Vorbei an den weißen Segeln des Hamburger Hafens, Teekisten aus Kalkutta und Bambus-Baukunst aus Hong Kong, beginnt die Reise durch verschiedene Hafenstädte. Flankiert wird die Hafenpromenade von Beeten und Blumenkästen, aus denen Sonnenblumen und orange-leuchtende Garten-Zinnien um die Wette strahlen. Überquert man die Wilhelmsburger Reichsstraße auf einer der beiden Fußgängerbrücken, gelangt man zu den Wasserwelten. Auf verschiedene Arten werden dort Themen wie Wasserkraft, Dürre und Überfluss, und die Abhängigkeit von Wasser aufbereitet. Jeder Garten dort, ob Tümpel, Urwald oder Wüste, zeigt die entsprechende Vegetation - von Farn bis Dünengras.

Internationale Gartenschau Hamburg
Anja Haertel
Bunte Lampions schmücken die Bäume in der Welt der Religionen.
Folgt man weiter dem Rundweg, so führt dieser in die Welt der Religionen am nordwestlichen Zipfel des Parkgeländes. Judentum, Christentum, Buddhismus, Hinduismus und Islam treffen dort aufeinander. Im Zentrum dieser Welt sprudelt der vereinende Brunnen der Religionen. Hier kommen Jung und Alt zusammen, um im Schatten der mächtigen Bäume auf den zahlreichen Bänken und Sitzkissen oder auf der grünen Wiese ein Eis zu essen und den bunten Lampions beim Schaukeln im Wind zuzusehen. Liebevoll angelegte und bepflanzte Gräber in der Ausstellung "Grabgestaltung und Denkmal" vollenden den Spaziergang durch diese Welt.

Internationale Gartenschau Hamburg
Anja Haertel
"Beziehungskisten" im Garten der Symbolik.
Wieder auf der Ostseite des Geländes braucht es etwas Fantasie in der Welt der Kulturen. Während in einem futuristisch aussehenden Kasten aus pinkfarbenen Holzlatten einzelne kleine Beete und Töpfe mit blühenden Stauden zur "Salad Bowl" (Salatschüssel) werden, stapeln sich im Garten der Symbolik grüne "Beziehungskisten" übereinander.

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Anja Haertel
Pyramiden, Sand und Palmen stehen für Ägypten in der Welt der Kontinente.
Die Welt der Kontinente umfasst 16 Gärten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Pyramiden aus Ägypten, Regenwald am Amazonas und mediterrane Olivenbäume nehmen den Besucher tatsächlich mit auf eine kleine Weltreise. Getrennt werden die einzelnen Kontinente durch ein blaues Blütenmeer, das die Ozeane der Welt darstellen soll. Direkt nebenan befinden sich die Naturwelten, verpackt in einzelne Räume, die durch einen Holzsteg verbunden sind. Der Besucher findet sich unter anderem zwischen rettenden Strohhalmen zum Klimawandel und fliegenden Erdbeeren wieder. Nach geistiger Anstrengung kann sich nun, in der Welt der Bewegung, auch körperlich verausgabt werden. Dort befindet sich neben dem Hochseilgarten auch ein Skatepark - und Geräte laden zum Laufen, Springen und Balancieren ein. Wie wäre es mit einer Runde Wasserfußball zur Abkühlung? Und Entspannung bringt der "Lustgarten für die Seele": Zwischen einer Allee aus Himalaya-Birken kann man im grünen Gras verweilen und sich ausruhen.

Internationale Gartenschau Hamburg
Anja Haertel
Die Apfelbäume im Alten Land freuen sich über die Sonne.

Wer es weniger abstrakt mag, sollte die "Lebendigen Kulturlandschaften" im Süden des Ausstellungsgeländes erkunden. Vertreten sind das Pinneberger Baumschulland, die Vier- und Marschlande, die Schleswig-Holsteinische Knicklandschaft und die Lüneburger Heide. Auch das Alte Land ist mit dabei. Wo sich im Frühjahr die Obstbäume in weißer Blüte präsentierten, schmücken nun reifende Äpfel und Birnen mit roten "Bäckchen" die Äste. Wer bei diesem Anblick Appetit bekommt, kann Obst und Gemüse, sowie Honig und andere Spezialitäten aus der Region an den Marktständen nahe der Hauptbühne Süd kaufen.

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Anja Haertel
Auf dem südlichen Teil des Geländes zeigen sich Dahlien in ihren schönsten Formen und Farben.
Farbenfrohe Dahlienspiralen

"Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat die schönsten Blüten im Land?" Gute Chancen in diesem Wettbewerb haben die Dahlien, die sich zwischen den Kontinenten und den Kulturlandschaften befinden. 300 verschiedene Sorten bedecken in großen Spiralen eine Fläche von 1400 Quadratmetern. Der Besucher kann auf Wegen durch das Blütenmeer spazieren und sich im Farbspiel der Blumen verlieren. Dahlien kommen ursprünglich aus Mexiko und wurden vor etwa 200 Jahren von Spaniern mit nach Europa gebracht. Seitdem blühen die empfindlichen Pflanzen in vielen Gärten. Sie bestechen durch ihre große Vielfalt an Farben und Formen.

Autor

Anja Haertel