Köln Design und Kunst im Belgischen Viertel

Burlesque-Tänzerinnen rekeln sich im Schaufenster einer Boutique, aus den nahen Hinterhöfen, Galerien und Läden strömen modefreudige Menschen. Jedes Outfit ist ein Kunstwerk. Der Brüsseler Platz in Köln dient gleichermaßen als überdimensionaler Laufsteg und Sonnenterrasse. 

Vor einem Laden in der Brüsseler Straße spielt eine Band, umlagert und beklatscht von einer gut gelaunten Menge. Es ist ein Samstag im Juni, und "Le Bloc" ist los, eine Feier des guten Geschmacks, die einmal im Jahr für einen Tag das ganze Belgische Viertel durchdringt - ein Veedelsfest, das Kölns Ruf als wachsende Stadt der Mode mitgeprägt hat.

Woher kommt der Name "Belgisches Viertel?

Was hat eigentlich Belgien mit einem Kölner Viertel zu tun? Das Quartier zwischen Aachener Straße und Mediapark heißt so, weil seine Straßen nach belgischen Städten und Provinzen benannt sind, etwa die Maastrichter und die Antwerpener Straße, die Limburger und Flandrische Straße. Mit seinen Flanierstraßen und Designläden hat es aber auch tatsächlich ein bisschen Ähnlichkeit mit der belgischen Modemetropole Antwerpen. Und es hat, worum sich Stadtplaner andernorts manchmal vergeblich bemühen: umtriebige Künstler, Musiker, Designer, auch Verlage und Agenturen, die alle miteinander vernetzen. Hier reihen sich nicht nur hübsche Boutiquen, Theater, Goldschmieden, Galerien, Cafés, Bars, Kneipen, Schick-Imbisse und Restaurants dicht an dicht, hier sind auch die Fassaden für Köln ungewöhnlich hübsch - Gründerzeithäuser, sauber saniert und höher, breiter, städtischer als in anderen Vierteln.

Open-Air-Treff im Sommer

Mittendrin steht die neoromanische Kirche St. Michael. Der Brüsseler Platz drumherum ist von Platanen bewacht und zu manchen Tageszeiten ein Ort mit viel Schatten und Ruhe - ganz sicher aber nicht an einem sommerlichen Wochenende. Dann wird der Platz zum Open-Air-Treff, und der "Kölnkiosk" ist von einer Menschentraube umlagert. Die Anwohner finden vor Mitternacht kaum Schlaf, die Politik bemüht sich seit Jahren um eine Lösung - gegen die Sogwirkung der spontanen Freiluft-Party konnte sie bisher aber wenig ausrichten.

Belgisches Viertel – lauschig bis turbulent

Wenn Köln irgendwo Großstadt ist, dann hier. Das Viertel ist aber auch grün: Im Süden wird es vom Aachener Weiher begrenzt, an dem sich das wunderschöne Museum für Ostasiatische Kunst befindet. Auch der Weiher kann ein angenehm ruhiger Ort sein - wenn nicht gerade Grillsaison ist, dann ist es rundum fast so trubelig wie am Brüsseler Platz. Im Westen bildet der Grüngürtel die Grenze, wo man auch sehr gut grillen kann - auf dem Herkulesberg mit toller Aussicht. Und im Norden liegt der lauschige Stadtgarten. Auch dort: nicht immer ganz ruhig, dafür regelmäßig toller Jazz im Konzerthaus an der Venloer Straße. 

Shoppen und feiern im Belgischen Viertel

Cafés, Restaurants, Boutiquen: In einer Stadt wie Köln fällt es oft schwer, sich in dem Dschungel an Angeboten zurecht zu finden. Diese Adressen sollten Sie sich nicht entgehen lassen und die besondere Atmosphäre in Ruhe auf sich wirken lassen. Jeder Tipp ist einzigartig und überaus lohnenswert:

Magasin Populaire: Fundgrube für Klamotten, Schuhe und Accessoires (Brüsseler Platz 8).

Monsieur Courbet: Über die Grenzen Kölns hinaus bekannt als einer der besten und größten Läden für Herren-Streetfashion (Maastrichter Str. 49).

Arty Farty: Im großzügigen Gewölbekeller mit schöner Bar (Eingang im Hinterhof) finden regelmäßig Ausstellungen und Club-Abende statt. Das Programm umfasst Young Urban Art, Graffiti und bezahlbare Druckgrafik (Maastrichter Str. 49).

Boutiqe Belgique: Cooles Sortiment an Mode (v. a. französische und skandinavische Marken), Schuhen, Musik und Büchern. Auch im Blogger Business sehr beliebt (Brabanter Str. 29).

Blauer Montag: Fern aller Trend-Diktate entwerfen die Inhaberinnen raffinierte Kleider, Blusen und Röcke für Damen und lässig-schicke Anzüge für Herren (Limburger Str. 6).

Liebling Vintage: Mode im Retro-Stil, die an die Kult-Fernsehserie "Mad Men" erinnert (Limburger Str. 2b).

Madame Miammiam: Konditorin Anne Schultes fertigt essbare Kunstwerke, wie Petits Fours, bunte Éclairs oder glamouröse Torten (Antwerpener Str. 39).

Hallmackenreuther: Ob für einen ersten Kaffee, ein Mittagessen, ein Feierabendbier oder einen späten Drink: Die Café-Bar ist ein Klassiker, und schon ihr Fünfziger-Jahre-Interieur sehenswert. Im Sommer auch schön zum Draußensitzen (Brüsseler Platz 9).

Miss Päpki: Gemütliches, in Weiß gehaltenes Puppenstuben-Café, auch draußen mit Tischen (Brüsseler Platz 18).

Salon Schmitz: Hier treffen sich Kreative auf Kaffee, Kölsch oder einen passablen Weißwein. Aus dem Café nebenan kommen gute Salate und Suppen, im Keller befindet sich der Club "Coco Schmitz" (Aachener Str. 28).

Six Pack: Klein, eng und stets gerammelt voll. Die Türsteher haben schon einigen Unmut auf sich gezogen, die Bar aber bleibt eine feste Größe im Kölner Nachtleben (Aachener Straße 33).

Le Bloc: Der Stadtrevue Verlag veranstaltet einmal im Jahr mit Laden- und Cafébesitzern, Designern und Künstlern das Mode-, Design- und Kultur-Event - von früh bis nachts.

Autor

Anja Albert

Ausgabe

Köln 09/2012