Rügen Balztanz der Kraniche

Kraniche auf Rügen.

Hahn und Henne sind am Gefieder kaum zu unterscheiden. Allenfalls wenn die circa 1,20 Meter großen Großvögel dicht beieinander stehen, ist zu erkennen, dass das Männchen etwas größer und ein wenig kräftiger ist, zudem seine Schmuckfedern etwas prächtiger ausfallen als beim Weibchen. Ansonsten sind Männlein und Weiblein das Grauen Kranichs, als Glücksvogel und in Fachkreisen als grus grus bekannt, von erhaben-gleichbleibender Schönheit.

Im Frühjahr und Herbst fliegen riesige Schwärme in großen Formationen Rügen an, Grus grus gehört deshalb zumindest in diesen Zeiten zu den großen Attraktionen Deutschlands größter Insel. Vor allem im Spätsommer und Frühherbst locken die Vögel Tausende Kranichbeobachter mit Ferngläsern, Perspektiven und langen Kameraobjektiven an die Brennpunkte des Geschehens, also in die Rügen-Bock-Region, einen der bedeutendsten Kranich-Rastplätze in Mitteleuropa. Schließlich bleibt der Vogel des Apollon dann mehrere Wochen dort, derweil er sich im Frühjahr schon nach wenigen Tagen wieder auf den Weg in die Brutheimat nach Schweden, Norwegen, Finnland oder Osteuropa aufmacht.

Immerhin summiert sich der Vögel Schar, so haben es Synchronzählungen an den veschiedenen rügischen und rügennahen Schlafplätzen ergeben (Werder/Bock, Kirr/Oie südlich von Zingst, Udarser Wiek, Unrower Ufer u.a.) auf stattliche 40.000 bis 60.000 Kraniche, die alljährlich dort Mitte Oktober rasten. Die flachen Boddengewässer versprechen sichere, gut anzufliegende Schlafplätze, die Stoppeläcker im Umkreis von 30 Kilometern (zum Beispiel auf Ummanz und Westrügen) versprechen ergiebige Nahrung.

Grau ist das Federkleid, deutlich hebt sich die schwarz-weiße Kopf- und Halszeichnung ab, rot und federlos ist die Schädelplatte - es ist ein Spektakel, wenn 1000 bis 20.000 Vögel über den Acker schreiten: "Cranuh, cranuh, cranuh", schreit und trompetet es vielstimmig, während die Kraniche nach Mais- und Getreidekörnern, Eicheln, Fröschen, Würmern und Schnecken fischen.

Und wer bei der Beobachtung Glück hat, erlebt im Frühjahr den berühmten Tanz der Kraniche. Es sind fantastische Tanzfiguren - darunter werbende Sprünge, sich präsentierendes Flügelschlagen, einander jagende und sich verweigernde Zickzackläufe und ein Imkreisrennen, das nur einem Zweck dient: der Balz. Auch die Schleppe, die über den kruzen Schwanz hängenden Federn, wird dann buschig aufgestellt. Denn obgleich Kranichpaare bis zum Tod eines Partners zusammen bleiben, hört das Werben nie auf.

Um die Vögel bei all dem nicht zu stören - die Fluchtdistanz liegt bei etwa 300 Metern -, sollten die Kraniche nur von offiziellen Beobachtungsständen an ihren Äsungs- und Schlafplätzen beziehungsweise von der Straße aus beobachtet werden. Wichtig: dabei nicht aussteigen, sondern im Auto bleiben. Fotografen und Naturliebhaber können Fotohütten im Nahrungsgebiet auf dem Festland mieten, die eine Stunde vor Sonnenaufgang bezogen werden müssen und erst verlassen werden dürfen, wenn sich keine Kraniche mehr auf den Äckern zeigen, in der Regel nach Sonnenuntergang.