Ruppiner Schweiz Auf den Spuren von Theodor Fontane

Der schmale Pfad folgt dem Bach, vorbei an umgestürzten Bäumen, bis die steil aufragenden Hänge schließlich zurückweichen. Noch eine letzte Wegbiegung, dann schimmert zwischen den Buchen schon das türkisblaue Wasser. Vom Ufer aus wandert der Blick durch das klare Wasser bis auf den Grund: der Kalksee. Gewässer wie ihn gibt es viele in der Ruppiner Schweiz. Mehr als 70 Prozent Wasser- und Waldflächen machen das Gebiet in Brandenburg nördlich von Neuruppin zum Zufluchtsort für seltene Tier- und Pflanzenarten - aber auch für begeisterte Wanderer, Radfahrer und Wassersportler.

Seltsam zeitlos wirkt diese Landschaft im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land. Wie Schutzwälle umgeben die bis zu 50 Meter hohen Hänge die Seen, Bäche und verschlungenen Uferläufe, an denen sich natürliche Uferwege entlangschlängeln. Bereits Schriftsteller Theodor Fontane verliebte sich vor 130 Jahren in die Ruppiner Schweiz, die er dann in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" literarisch beschrieben hat. Doch die Erde ist viel älter. Während der letzten Eiszeit entstand hier ein abwechslungsreiches Endmoränengebiet. Zurück blieben bloß von den großen Gletschern geformte Reliefs: sanfte Hügel mit Abhängen und Schluchten, Zungenbecken und Schmelzwasserrinnen, durch die heute glasklare Flüsse plätschern.

Ruppiner Land: Irgendwann verliert sich jeder Pfad im Moor

Startpunkt der ersten Wanderung ist die Schleuse Alt Ruppin. Von hier führt ein Waldweg entlang des Rhinkanals zum fünf Kilometer langen, baum- und schilfflankierten Molchowsee. Im beschaulichen Runddorf Molchow lohnt ein Blick auf den eigens für einen Glockenfindling errichteten hölzernen Glockenturm von 1692. Wer am Mocholwsee noch genug Kraft in den Beinen hat, findet Richtung Stendenitz versteckt in einem kleinen Toteiskessel ein circa 13.000 Jahre altes, geheimnisvolles Hochmoor. Hier verlieren sich die festen Pfade im Spiel von stillstehenden Wasserflächen und trügerischen Torfinseln, bewachsen mit Flatter Binsen, Moorbirken und Faulbäumen. Hochmoorgelblinge, Moorfrösche und Goldregenpfeifer lieben das schaurig-schöne Feuchtbiotop.

Ebenfalls empfehlenswert ist ein Ausflug zur historischen Fachwerkmühle am 130 Hektar großen Tornowsee. Von Stendenitz aus läuft parallel zum erlenbruchwaldgesäumten Rottstielfließ ein befestigter Waldweg, der am Ursprung des Fließgewässers auf den Tornowsee trifft. Dem Uferweg in Richtung Kunsterspring folgend, erreicht man über einen kleinen Anstieg den Rastplatz Zanderblick - von hier hat man eine schöne Aussicht über den imposanten Waldsee. Jetzt ist es nicht mehr weit zur Boltenmühle, einer ehemaligen Wassermühle, die heute als Restaurant und Hotel genutzt wird. "Unsere Gäste genießen vor allem die Abgeschiedenheit und Ruhe inmitten der Natur", erzählt Geschäftsführer Frank-Dieter Grothe. Verträumt plätschert der Binenbach durchs Restaurant, in dem noch traditionelle märkische Küche angeboten wird, zubereitet auch aus selbstangebautem Obst und Gemüse. Mehr als die Hälfte der Kurzurlauber zieht es aus Berlin und Hamburg in die Ruppiner Schweiz.

Mit Rad und Kajak kommt man der Natur in der Ruppiner Schweiz noch näher

Unterwegs mit dem Fahrrad kommt die abwechslungsreiche Landschaft der Ruppiner Schweiz besonders zur Geltung. Eine 25 Kilometer lange Rundtour von Neuruppin über Neumühle, Zermützel und Krangen beginnt zunächst auf ebenen Rad- und Waldwegen, bevor es zwischen den letzten beiden Orten steil bergauf geht. Zurück fährt man dann bequem über Alt Ruppin auf einem breiten Radweg neben der Straße. Nur trainierten Radlern ist die etwa 50 Kilometer lange Rundtour über Walsleben und den Katerbower See (unbedingt einen Badestopp einlegen!) nach Netzeband zu empfehlen. Mit seinem Sommertheater rund um die restaurierte Temnitzkirche, einem historischen Gutshaus und märkischen Vierseitenhöfen ist Netzeband ein kulturelles Schwergewicht in der Region. Nach etwa der Hälfte der Rundtour kann man hier im backsteinrot leuchtenden Landhotel Märkische Höfe echte Südtiroler Küche genießen.

Segeln auf dem Ruppiner See.
Stadt Neuruppin
Segeln auf dem Ruppiner See mit Blick auf die Klosterkirche Sankt Trinitatis in Neuruppin.
Wer vom Radeln genug hat, sollte mit dem Kajak auf Erkundungstour gehen. Bepackt mit Wasserwanderkarte, Schwimmweste und ausreichend Proviant lassen sich von April bis Oktober schöne Bootstouren im Ruppiner Land unternehmen. "Paddeln ist eine sehr entspannte, fast meditative Sportart", sagt Robert Franck von Rheinsberger Adventure Tours. "Leise durchs Wasser gleitend, kann man vom Boot aus ungestört Biber, See- und Fischadler beobachten." Angeboten werden Rund- und Mehrtagestouren, sowie Touren mit anschließendem Rücktransport. Wassersportler wählen zwischen unterschiedlich großen Kanadiern, Kajaks und Freizeitbooten. Besonders beliebt: die 15 Kilometer lange Tour von Boltenmühle über die Ruppiner Seenkette nach Neuruppin. Während man inmitten der Waldseen einen weiten Panoramablick hat, schützen die flachen, dicht bewachsenen Zuläufe Rottstielfließ und Rhin die Paddler vor Wind und Wetter. Ob zu Fuß, mit dem Rad oder auf dem Boot: Beim Ausflug in die Ruppiner Schweiz kommt man der Natur ein Stückchen näher.

Autor

Nina Wichmann