Deutschland 16 Gipfel in 16 Bundesländern

MERIAN.de: Zusammen mit Ihrem Wanderkollegen Thomas Carls (33) besteigen Sie in allen 16 Bundesländern die jeweils höchste Erhebung. Wie kommt man auf so eine Idee?
Oliver Bartelds (34):
Es war eine Schnapsidee auf einem Spaziergang um die Alster. Wir beide sind fasziniert von Abenteuerliteratur. Über Shackleton und Rüdiger Nehberg gelangt man so beinahe zwangsläufig an die obligatorischen Werke von und über Buhl, Harrer und vor allem Messner. Wenn man sich dann mit der Geschichte und Entwicklung des Kletterns auseinandersetzt, stößt man schnell auf verschiedenste Rekordlisten, wie z. B. Seven Summits. Der alpine Bezugspunkt zu unserem Projekt. Wir haben recherchiert und festgestellt, dass es eine reine 16 Gipfel-Tour bereits gab. Da wir die Tour zu Fuß und Bahn schaffen wollten, haben wir uns auf den Nachhaltigkeitsaspekt konzentriert und konnten glücklicherweise die Deutsche Bahn als Partner gewinnen. 

Sind Sie schon vor Projektstart begeisterte Wanderer gewesen? 
Wir wandern seit einigen Jahren und hatten vor Projektbeginn schon einige Berge bestiegen. Unter anderem einige Gipfel, die wir im Rahmen unserer Tour erklimmen. Der Hasselbrack liegt zum Beispiel vor der Hamburger Haustür, auch der Brocken war für uns kein Unbekannter mehr. Auch parallel zu unserem Projekt "16 Grüne Gipfel" sind wir weiterhin unterwegs. Thomas hat etwa dieses Jahr den ein oder anderen Kilometer in Nordchina abgerissen. Wir sind ganz gut im Training.

Wie planen Sie Ihre Ausflüge? Je nach Wetterlage? 
Da wir berufstätig sind, wandern wir jeweils am Wochenende. Die blocken wir dann etwa zwei bis drei Monate im Voraus. Wir hatten zu Beginn des Projekts beschlossen, die Berge in aufsteigender Reihenfolge zu besteigen. Abgesehen von einigen Ausnahmen, die dann z.B. durch Zugausfälle und Wettervorhersagen bedingt waren, haben wir an dieser Taktik festgehalten. Wir konnten bereits an drei Wochenenden mehrere Berge erklettern. Hier spielt auch unser Nachhaltigkeitsanspruch eine wichtige Rolle, da wir zum Beispiel den Brocken und den Wurmberg an einem Wochenende besucht haben, um nicht zwei Mal in die gleiche Ecke fahren zu müssen.   

Sind Ihre Wanderausflüge ein Ausgleich zum Bürodasein?
Wir sind Hobbyabenteurer, im richtigen Leben sitzen wir uns meistens den Hintern vor dem Rechner platt. Unsere Touren sind eine willkommene Abwechslung. Die Wochenenden sind zwar manchmal ein wenig anstrengend, dafür fühlen sie sich dann auch fast immer wie kleine Urlaube an, und man sitzt Montag entspannter am Schreibtisch. Durch unser Projekt wollen wir auch anderen zeigen, dass man direkt vor der Haustür etwas Außergewöhnliches erleben kann - indem man ganz banal mit der Bahn zum Wandern fährt. Ein wenig subtile Kritik an der Höher-, Schneller- und Weitermentalität unserer Kultur. 

Welchen Gipfel haben Sie zuerst bestiegen?
Das war ein Heimspiel: den Hasselbrack in den Hamburger Bergen. Am gleichen Tag standen wir dann auch noch auf dem höchsten Punkt von Bremen. Übrigens die bisher größte Herausforderung, da die namenlose Erhebung im Friedhorstpark nicht gekennzeichnet ist. Wahrscheinlich, weil der "Berg" nur gut 30 Meter Meter hoch ist und sich von der Umgebung nicht abhebt. Da haben wir uns übrigens gefragt, was wir hier eigentlich machen.

Haben Sie ein Ritual, sobald Sie auf dem Gipfel angekommen sind?
Meistens reichen wir uns ganz unspektakulär, und sofern noch Kraft vorhanden ist, die Hände. Dann genießen wir die Aussicht, um im Anschluss die obligatorischen Gipfelfotos zu schießen. Wir ordnen uns hierzu übrigens immer gleich an. Auf bisher zwei Berggipfeln haben wir nach erfolgreicher Gipfelbesteigung unser Lager aufgeschlagen. Die Nacht auf der Aussichtsplattform des Großen Beerberges in Thüringen etwa war zwar kurz und recht unbequem, dafür aber konnten wir beim Einschlafen einen spektakulären Sternenhimmel über uns genießen. 

Verewigen Sie sich auf den Gipfeln?
Sofern ein Gipfelbuch vorhanden ist, machen wir das mit großem Vergnügen, leider gab es diese Gelegenheit nur in den wenigsten Fällen. Grundsätzlich war das immer eine schöne Möglichkeit sich mit anderen Gipfelstürmern auszutauschen, von unserem Projekt zu berichten oder etwas über die Region zu lernen.

Der höchste Gipfel auf Ihrer Reise wird die Zugspitze sein – werden Sie auch diesen Gipfel erklimmen? 
Natürlich ist die Zugspitze das Highlight unserer Tour. Sie stellt mit knapp 3000 Metern Höhe auch die größte und womöglich auch einzig echte Herausforderung dar. Da bereits im Oktober der erste Schnee zu erwarten ist, haben wir uns bisher mit den vorherigen Gipfeln dementsprechend beeilt. 

Müssen Sie sich dafür anders vorbereiten?
Wir sind beide Ostfriesen und waren noch nie so weit oben. Darum hoffen wir, dass unsere Körper die Höhenluft gut vertragen. Gegen die Kälte dürften dann ein paar zusätzliche lange Unterhosen genügend Schutz bieten. 

13 der 16 Gipfel haben Sie bereits erreicht. Wie lautet Ihr Zwischenfazit: Welcher Gipfel war bislang der schönste?
Jede Tour hat bislang unglaublich viel Spaß gemacht, und wir haben zahllose kleine und weniger kleine Geschichten mit nach Hause gebracht. Das ist auch gut so, denn es geht uns, um mit den Worten von Reinhold Messner zu sprechen "um die Eroberung des Nutzlosen". Wenn man es genau will, hatte unsere Tour ja vor dem Start keinen Sinn. Aber indem wir den intensiven Aufenthalt in der Natur genießen und unseren Blog mit Inhalten befüllen, bekommt die Sache einen Sinn. Langfristig planen wir zudem eine Fotoausstellung und ein Buchprojekt. 

Wo würden Sie gerne noch mal länger Zeit verbringen?
Landschaftlich am reizvollsten sind für uns Nordlichter sicherlich die Alpen. Hier kann man sich gut vorstellen, nach erfolgreichem Ende von 16GG in einer Berghütte das ganze Jahr Revue passieren zu lassen. 

Bei welchem Berg kamen Sie körperlich an Ihre Grenzen?
Bislang sind uns zum Glück Abstürze und Brüche erspart geblieben. Im Grenzbereich befinden wir uns höchstens regelmäßig, wenn es um die Transferfahrten geht. Freitagnachmittags ab Hamburg-Hauptbahnhof mit zwei großen Wanderrucksäcken im prallgefüllten ICE sind häufig doch recht strapaziös - manchmal auch für unsere Mitreisenden.

In welcher Ecke unseres Landes haben Sie bisher am besten gegessen?
Wenn es um regionale Kost geht in der der Frittenbude am "Fuße" des Hasselbracks in Hamburg. Aber wissen Sie wo und vor allem wie das Essen am leckersten ist? Wenn man einen ganzen Tag zu Fuß unterwegs ist, schmeckt nichts besser als eine Dose Ravioli, die wir uns ganz genüsslich zu Gemüte führen, wenn das Lager bezogen ist und wir schon in den Schlafsäcken liegen. Dazu noch ein gute Tasse Ostfriesentee, das ist Luxus!

Die beiden Hamburger Wandersleute berichten in ihrem Blog "16 grüne Gipfel" ausführlich von ihren Gipfelerlebnissen. 

Autor

Bianca Schilling