Dänemark Urlaub auf Bornholm

"Seit 15 Jahren fahren meine Eltern auf die Insel – und es ist jedes Mal wunderschön," erzählt die Mitte Zwanzigjährige und zieht sich die Kapuze etwas über weiter über den Kopf. Es nieselt, es ist grau. Herbstliche 14 Grad im Spätsommer. "Es gibt unglaublich viel zu sehen, die Burg Hammershus ist ein Muss und die Strände sowieso. Diese Weite haut einen um." Sophie steht mitten auf einem Parkplatz in Nexø, der zweitgrößten Stadt des Eilands, und ihre Begeisterung gilt einer kleinen Ostsee-Insel: Bornholm. 

Sie gilt als die etwas andere Insel Dänemarks, die Menschen als eigensinnig, der Wind rauer, die Landschaft als abwechslungsreich und das Eiland als sonnenverwöhnt. Es heißt, hier gäbe es mehr Sonnenstunden als im restlichen Land. Nur ein Grund, weshalb sie bei Besuchern beliebt ist. Statt Großstadthektik regiert hier Gelassenheit, statt Stoßstange an Stoßstange fährt man meist kilometerlang ohne auch nur einem Auto oder Radfahrer zu begegnen. Kreisel sortieren an Kreuzungen den Verkehr und dank entspannter 90 Stundenkilometer Maximalgeschwindigkeit entschleunigt bereits die Autofahrt auf der Insel. Am Wegesrand lässt sich nahezu der gesamte Vorrat für Selbstversorger einkaufen. In kleinen Holzverschlägen werden von frischen Himbeeren über Gurken bis Kartoffeln und Brennholz allerlei Nützliches für den Aufenthalt im Ferienhaus angeboten. Das Geld legt man in kleine Kassen oder auch nur Pappboxen. 

Am ersten Morgen auf der Insel braut sich eine grau-schwarze Wolkenmasse am Himmel zusammen. Der Wind lässt die Grasbüschel in den Dünen wackeln. Am langegezogenen Balka-Strand in Neksø punktet nur etwa eine Handvoll Spaziergänger etwas Farbe in die Weite des Sandweißes und Meerblaus. Dick eingepackt mit Kapuzen und Regenjacken. Zwischen den schäumenden Wellen, der Monotomie des wogenden Wassers, ragt plötzlich etwas Helles, Lebendiges hervor. Aus den Fluten taucht eine Frau im besten Alter auf, schreitet durch den schneidenden Wind zu ihrem Handtuch in den Dünen und hockt sich mit Blick aufs Wasser auf den Boden. "Ich gehe jeden Tag hier baden, das hält mich frisch", sagt die Rentnerin aus Nexø. "Nur bei ganz eisigen Temperaturen überlege ich es mir zwei Mal," erzählt sie weiter, während ihre Wangen rosig leuchten und die Gänsehaut über ihre Arme kriecht. Keine fünf Minuten später radelt sie mit noch feuchten Haaren nach Hause. Die 63jährige ist mit ihrer Leidenschaft für das Baden nicht allein auf der Insel. Wer sich regelmäßig ungefähr zur gleichen Uhrzeit am Strand aufhält, trifft mit großer Wahrscheinlichkeit einen wind- und wetterresistenten Bornholmer auf Tauchgang in der Ostsee.

Hammershus - eine beeindruckende Burgruine

Keine 24 Stunden später winkt das wechselhafte Inselwetter das Grau davon und taucht den Himmel in klares Kobaltblau. Ausflugswetter. Historisch interessant und dabei äußerst charmant gelegen ist die Burgruine Hammershus im Norden der Insel. Auf einer Klippe in rund 74 Metern Höhe thront sie mit perfektem Weitblick über dem Wasser. Ein Hauch Irland versprüht die grüne, leicht hügelige Umgebung mit einigen Schafherden. Die riesigen Steinbrocken, einst zu einer massiven Festung aufgereiht, blicken auf eine lange Historie zurück. Erbaut wurde ein Teil von Hammershus bereits im Jahr 1200 vom Erzbischof von Lund, im Laufe der Jahre wurde an- und umgebaut, zwischenzeitlich im 15. Jahrhundert hatten die Lübecker die Insel als Pfand erhalten, die Burg diente als Gefängnis und Kornspeicher - bis sie 1743 aufgegeben wurde. 1822 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Heute zieht sie Besucher in ihren Bann. Bei freiem Eintritt wandelt man entlang der imposanten Steinmauer, spaziert durch die Überreste des damaligen Gefängnis, entlang des riesigen Speichers - und ahnt, dass das Burgleben ein hartes und unbequemes gewesen sein muss.

Der Weg zurück führt direkt am Wasser entlang. Ein Paradies für Radfahrer. Mit ausreichend Kondition und Zeit ließe sich die gesamte Insel umrunden, oft mit direktem Blick auf die Ostsee. Teilweise mit imposanten Steilküsten am Wegesrand und dem Getöse der Wellen, die sich an den Steinen brechen. Unterwegs weisen immer mal wieder Schilder zu kleinen Ateliers. Kunsthandwerk hat auf der Insel einen großen Stellenwerk. Darunter Keramikkünstler, die meist direkt neben ihrem Wohnhaus  ein Atelier mit Verkauf haben. Im Angebot von der klassischen Salatschüssel bis zur extravaganten Zuckerdose. Noch präsenter sind die Glaskünstler auf der Insel. Farbige Vasen von Pernille Bülow etwa stehen nicht nur in ihrem großen Geschäft Pernille Bülow Design in dem  verwunschenen Ort Snogebæk im Süden der Insel, man findet sie auch in Klamottenläden und als Deko in Restaurants. Von klassisch schlicht bis modern und verspielt reicht die Bandbreite der fragilen Werke. 

Von Hering bis Praline: Delikatessen von der Insel 

Weniger langlebig sind die kulinarischen Überraschungen, die beim Erkunden der Insel kaum zu übersehen sind. Ein wahrer Inselklassiker ist geräucherter Fisch. Oft in unmittelbarer Nähe zur Küste stehen in mehreren Orten auf der Insel kleine Räucherbuden mit Schornsteinen, die in den Himmel ragen. Oft sind die Räuchereien in Familienbesitz und kennen sich mit Fisch seit vielen Generationen bestens aus. Relativ neu hingegen ist die süße Seite der Insel: die Schokoladenfabrik KjaerStrup. "Wir hatten uns in diese Insel verliebt und wollten hierbleiben - nur eine Geschäftsidee fehlte uns. Dann kam uns die Schokolade in den Sinn," erzählt Inhaberin Birgitte Kjær. Eine gute - und erfolgreiche Idee. Seit 1999 verkauft sie in dem kleinen Ladengeschäft Schokoladentafeln mit Pistazien und Mandelsplittern garniert, selbstgemachtes Eis und riesige Schaumküsse, Pralinen und Trüffel. Perfekt, um das Heimweh nach der Heimreise etwas zu stillen. Denn das kommt sicher.

Anfahrt:

Von Sassnitz auf Rügen bringt eine Fähre Auto plus Passagiere bequem in 3,5 Stunden auf die Insel in der südlichen Ostsee. Preis für zwei Personen mit PKW ab ca. 214 Euro. Mehr Informationen und Tickets für die Fähre: www.faergen.de

Hammershus: Die Burgruine lässt sich ganzjährig besichtigen. Der Eintritt ist frei. 

Unterkunft: Unter feriepartner.de findet man eine große Auswahl an schönen Ferienhäusern.

Autor

Bianca Schilling