Bosnien-Herzegowina

Wissenswertes über Bosnien-Herzegowina

Natur und Klima:

Die Landschaft wird zu weiten Teilen von dem in Nordwest-Richtung verlaufenden Dinarischen Gebirge geprägt. Nur im Norden hat Bosnien-Herzegowina Anteil an der fruchtbaren Niederung der Save, die die Nordgrenze zu Kroatien bildet. Der mittlere Landesteil wird von einem bewaldeten Bergland mit fruchtbaren Becken eingenommen, an das sich nach Südwesten das Bosnische Erzgebirge anschließt. Der Süden ist ein waldarmes, verkarstetes Gebirgsland; als einziger Fluss quert die Neretva diese Region. Nahe der Mündung liegt der nur wenige Kilometer breite Zugang zum Adriatischen Meer.

Der küstenparallele Verlauf des Dinarischen Gebirges behindert den ozeanischen Einfluss auf das Klima, das durch kurze heiße Sommer und - vor allem in Höhenlagen - lange kalte Winter gekennzeichnet ist. Zur Adriaküste hin nehmen die mediterranen Einflüsse zu.

Bevölkerung:

Die Bevölkerungsmehrheit stellen die bosnischen Muslime, die sich selbst als Bosniaken bezeichnen, gefolgt von den überwiegend orthodoxen Serben und den meist katholischen Kroaten. Die Mehrheit der Muslime lebt seit dem Bürgerkrieg in der Mitte des Landes nördlich von Sarajevo sowie um Biha im Nordwesten, während die Serben vor allem den Norden und Osten des Landes besiedeln. Im Südwesten, in der Herzegowina, leben vorwiegend Kroaten.

Im Bildungswesen trat 2003 trat ein Bildungsgesetz mit gleichen Kernlehrplänen für alle Landesteile in Kraft, das der Überwindung ethnischer Differenzen zwischen den Volksgruppen dient. Auch das Hochschulwesen befindet sich in einem grundlegenden Reformprozess.

Staat und Politik:

Die Verfassung von Bosnien und Herzegowina trat 1995 mit der Unterzeichnung des Abkommens von Dayton in Kraft. Danach ist das Land eine föderative Republik, die aus der bosniakisch-kroatischen Föderation Bosnien und Herzegowina (FBiH) sowie der Serbischen Republik (RS) besteht. Die beiden Kammern des Parlamentes (Abgeordnetenhaus mit 42 Sitzen, Kammer der Völker mit 15 Sitzen; Wahl alle vier Jahre), der Ministerrat und die Präsidentschaft (dreiköpfiges Staatspräsidium) bilden ein Spiegelbild der ethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung. So gehören dem Staatspräsidium je ein Bosniake, ein Serbe und ein Kroate an. Sie werden im Verhältnis 2:1 von der Bevölkerung der FBiH und der RS direkt für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt. Die FBiH stellt 28 Mitglieder des Abgeordnetenhauses, die RS 14. Die Kammer der Völker ist mit je fünf Bosniaken, Kroaten und Serben besetzt.

Stärkste Parteien im Parlament sind die serbische Allianz der unabhängigen Sozialdemokraten (SDNS) sowie die bosnische Partei der demokratischen Aktion (SDA). Die gesamtstaatliche Zusammenarbeit der Föderationen und der ethnischen Gruppen gestaltet sich schwierig. Weitreichende Befugnisse hat der Hohe Repräsentant der internationalen Gemeinschaft. FBiH und RS verfügen über eigene Verfassungen und politische Institutionen.

Wirtschaft:

Bosnien und Herzegowina ist reich an Bodenschätzen. Gewonnen werden vor allem Braunkohle, Eisenerze und Bauxit, auf die sich nach 1950 die rasche Industrialisierung des Landes stützte. Es entstanden große Stahlwerke und Metallbetriebe, aber auch eine bedeutende holzverarbeitende Industrie. Durch den Bürgerkrieg kam die Wirtschaft praktisch zum Erliegen. Vier Fünftel der Industrieanlagen wurden zerstört. Beim Wiederaufbau ist das Land auf ausländische Finanzhilfe angewiesen. Die Landwirtschaft, in der Kleinbetriebe überwiegen, kann den Nahrungsmittelbedarf der Bevölkerung nicht sicherstellen.

Geschichte:

Die Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg:

Das Gebiet erlebte nur kurze Phasen der Eigenstaatlichkeit, überwiegend stand es unter dem Einfluss fremder Mächte. Im 1. Jahrtausend v. Chr. siedelten Illyrer in der Region, die später Teil des Römischen, dann des Byzantinischen Reiches wurde. Die slawische Besiedlung erfolgte im 7. Jahrhundert. Eine eigenständige Entwicklung wurde durch mächtige Nachbarn lange Zeit behindert. Im 12. Jahrhundert entstand das unabhängige Fürstentum Bosnien, das unter Tvrtko I. seine - auch territoriale - Blütezeit erlebte. 1463 eroberten die Osmanen Bosnien, 1482 auch das Land Hum (im 14. Jahrhundert an Bosnien angegliedert, seit 1448 durch Verleihung des Herzogstitels bekannter als "Herzogsland", das ist Herzegowina). 1878 fiel Bosnien und Herzegowina an Österreich-Ungarn, das es 1908 annektierte.

Teil Jugoslawiens und neue Unabhängigkeit:

Nach dem Ersten Weltkrieg bildete Bosnien und Herzegowina einen Teil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen, bis es 1946 Republik des Bundesstaates Jugoslawien wurde. Im Zuge des Zerfalls Jugoslawiens erklärte es 1991 seine Unabhängigkeit. Dieser Beschluss wurde in einem Referendum 1992 bestätigt, von der serbischen Bevölkerung aber boykottiert. Die bosnischen Serben eroberten mit Unterstützung serbisch-jugoslawischer Truppen große Teile des Staatsgebiets. Besonders die Zivilbevölkerung litt unter Greueltaten und Vertreibungen.

Internationaler Druck und der Militäreinsatz der Nato führten schließlich 1995 zum Friedensabkommen von Dayton, in dem festgelegt wurde, dass Bosnien und Herzegowina als einheitlicher Staat mit gemeinsamen Institutionen bestehen bleibt, die beiden sogenannten Entitäten Föderation von Bosnien und Herzegowina und Republik Serbien aber weitgehende Autonomie erhalten. Die Einhaltung des Abkommen und besonders der Ablauf von Wahlen wird seitdem von einer multinationalen Friedenstruppe überwacht, die seit Dezember 2004 von der EU geführt wird (Eufor). Die letzten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen 2006 stärkten die nationalistischen Kräfte.

 


 

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