Alternativ feiern Weihnachten und Silvester mal anders

Teneriffa: Weihnachten bei den Tinerfeños

Besinnlichkeit und Festtags-Stimmung müssen überhaupt nicht bieder sein. Zum Beispiel: Teneriffa. Die Tinerfeños (Bewohner der größten Kanaren-Insel sind keine "Teneriffer" oder gar "Teneriffaner") bewahren mit Stolz ihre Traditionen und feiern um Weihnachten herum noch festlicher als in der übrigen Zeit des Jahres ihre Schutzheiligen. Jedes Jahr am 25. Dezember beschenken die Tinerfeños sich selbst und ihre Gäste mit einem sinfonischen Weihnachtskonzert, das im Hafen von Santa Cruz de Tenerife unter sternenklarem Himmel stattfindet.

Christiania, Dänemark: Hyggelig unter Hippies

Falls das Dezember-Wetter in Dänemark mitspielt, ist die Stimmung aber noch lässiger und lockerer beim "Julemarked" in Christiania; dieser frech fröhliche Weihnachtsmarkt im Hippie-Stadtteil von Kopenhagen genießt Kultstatus. Wer es vor den skandinavischen Julfest-Tagen lieber so richtig schön hyggelig - also dänisch für "gemütlich" - mag, fährt von Deutschland aus eben mal rüber nach Tønder; gleich hinter der Grenze präsentiert sich dieses spätmittelalterliche Kleinstädtchen komplett als Julebyen (Weihnachtsstadt).

Salzburg sozialkritisch

Liebhaber der alpenländischen Adventskultur finden in Salzburg alle Zutaten für ein gelungenes Vorweihnachts-Weekend. Nicht der Christkindlmarkt macht - trotz seiner barocken Prachtkulisse mit Residenz und Dom - im Dezember einen Besuch der Mozart-Stadt lohnenswert. Auch die Steingasse, wo 1792 der "Stille-Nacht"-Komponist Joseph Mohr geboren wurde, ist kein Grund für eine Pilgerfahrt nach Salzburg. Ein Top-Event ist aber das "Adventssingen" im Festspielhaus, wo ansonsten die internationale Belcanto-Elite ihre Arien schmettert. Ab dem Spätsommer sind sämtliche Vorstellungen dieses immer wieder neue Maßstäbe setzenden Krippenspiels ausverkauft. Doch jedes Jahr werden Tickets von konservativen Salzburgern zurückgegeben, weil bei dieser Mischung aus Alpen-Volksmusik und Avantgarde-Klängen die zeitgemäß kritischen Töne immer noch nicht verstummt sind.

London: Händels Messias für fröhliche Dilettanten

Keine Chance haben Musik-Liebhaber ohne Eintrittskarte, wenn in der Royal Albert Hall das "Hallelujah" aus Georg Friedrich Händels "Messiah"-Oratorium anstimmt. Mit diesem "Messiah from Scratch" (frei übersetzt: Dilettanten-Messias) verwandeln 3000 Sängerinnen und Sänger jedes Jahr im Advent das plüschige Wohnzimmer der Londoner Musik-Szene für einen Abend in eine Arena der ungebremsten Sangesfreude. Es empfiehlt sich, spätestens zu Beginn des neuen Jahres ein Ticket zu bestellen. Und nicht vergessen, bei der Bestellung die richtige Stimmlage anzugeben, weil man sonst vielleicht als Bassbariton einen Sitzplatz bei den Sopranistinnen - oder umgekehrt - zugewiesen bekommt.

Harz: Weihnachten für Kerle

Keine Verwechslungsgefahr besteht, wenn am Weihnachtsmorgen pünktlich um sechs Uhr eine Horde von Weihnachtsmännern lärmend und grölend durch das Harzer 500-Seelen-Dorf Altenbrak zieht. Denn dieser Brauch ist nur was für richtige Kerle. Vorneweg marschieren die Peitschenknaller. Es folgen als die eigentlichen Störer der christnächtlichen Ruhe jene Traditionspfleger, von denen jeder eine zehn Kilo schwere Ledermatte mit bis zu 15 scheppernden Messingglocken auf seinem Rücken trägt. Aber die beliebteste Attraktion findet erst nach diesem Radau statt: Beim Frühschoppen werden neue Mitglieder in die "Altenbraker Brauchtumsgruppe Weihnachtsmann e.V." aufgenommen.

Frühmorgendlicher Alarm auf den Kleinen Antillen

Noch eine halbe Stunde früher werden vom 16. bis 24. Dezember die Touristen auf St. Vincent und den Grenadinen geweckt. Beim alljährlichen "Nine Mornings Festival" macht diese Inselgruppe der Kleinen Antillen jeden Morgen ab 5.30 Uhr richtig Party - und zwar mit Straßenkonzerten, Tanzvergnügen und anderem Spektakel. Kaum zu glauben, dass dieses übermütig laute Ritual einst von einem Dominikaner-Mönch angeregt wurde.

Schweiz: Zum Teufel mit dem alten Jahr

Garantiert heidnischen Ursprungs ist jener "Altjahrsesel", der jedes Jahr zu Silvester durch die Gassen von Schwarzenburg im Kanton Bern getrieben wird. Dieser Esel symbolisiert den kalten Winter und die übrigen unangenehmen Erinnerungen an das alte Jahr - und wird mit entsprechend großem Vergnügen und Lärm zum Teufel gejagt. Auch in der übrigen Schweiz pflegen die Bewohner ihre sehens- und hörenswerte Bräuche zur Wintersonnenwende - und das nicht allein zur Belustigung der Touristen, sondern hauptsächlich zu ihrem eigenen Vergnügen.

Niederlande: Feuerwerksfreie Zone

Ruuuuuhe bitte! - Dann empfiehlt sich zur Jahreswende etwa der Strandpark Vlugtenburg. Dieser sowie weitere niederländische Ferienparks entwickelten sich mit einer beinahe schon sensationell einfachen Service-Idee - und das ist nun wörtlich zu nehmen - "still und leise" zu einer Silvester-Attraktion. Die Gäste und Mitarbeiter verzichten hier während der Neujahrsnacht auf Raketen und Knallfrösche. Die meisten Besucher nutzen dieses Angebot vor allem aus Liebe zu Kleinkindern oder wegen ihrer schreckhaften Haustiere.

Zum Ursprungsort des Weihnachtsbaums. Aber zu welchem?

So wie diese gute Silvester-Idee hat auch der Weihnachtsbaum nicht nur viele Väter - sondern auch immer wieder neue Geburtsorte. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wähnten die Brauchtumsforscher die Wiege des geschmückten Tannenbaumes im Elsass. Doch dann überschlugen sich die Ereignisse: 1997 wollten Südtiroler Tourismus-Manager bereits im 17. Jahrhundert einen Weihnachtsbaum im Kloster Neustift bei Brixen/Bressanone gesichtet haben - was sogar die dort wohnenden Benediktiner-Mönche völlig überraschte.

Die lettische Hauptsstadt Riga wirbt nun sogar damit, dass auf ihrem Rathausplatz schon vor 500 Jahren die erste geschmückte Tanne zu bewundern war. Dabei lädt Riga mit einer anderen Zahl weitaus überzeugender zu einem Besuch zwischen den Jahren ein: Der Weihnachtsmarkt vor dieser romantischen Hansestadt-Kulisse dauert hier bis zu jenem 8. Januar 2011, an dem die orthodoxen Christen ihr Weihnachten feiern.

Adelheid von Sachsen-Meiningen (1792-1849) konnte den Weihnachtsbaum also nicht mehr erfunden haben. Aber sie machte sich um die Verbreitung dieses Brauchs verdient. Als Königin von England importierte sie auf die britischen Inseln den weihnachtlich geschmückten Baum, wie sie ihn aus ihren Kindertagen auf Schloss Elisabethenburg im thüringischen Meiningen her kannte. Baumschmuck aus Thüringen wurde damit zum Exportschlager. Wer in den kommenden Jahren Weihnachten wieder zu Hause feiern möchte, kann in Thüringen bei Seminaren in den dortigen Glasbläser-Werkstätten lernen, wie man eine Tanne am wirkungsvollsten schmückt.

Autor

Winfried Dulisch