Sehenswürdigkeiten Touristenfallen in Europa

Urquhart Castle Loch Ness

Loch Ness

Auch wenn niemand so richtig an das Monster aus Schottland glaubt, so möchte doch jeder - und zwar wirklich "jeder" - auf Nummer sicher gehen und nachschauen, ob "Nessie" nicht doch mal aus dem Wasser von Loch Ness schaut. So steuern täglich zahlreiche Busse Drumnadrochit an. Der Ort ist überlaufen und sowohl für das Ausstellungszentrum (umgerechnet 8 Euro) als auch für die berühmte Burg "Urquhart Castle" (umgerechnet 7,50 Euro) zahlt der Besucher Eintritt. Die eigentliche Schönheit des Sees gerät bei dem ganzen Trubel dabei in Vergessenheit.

Goldenes Gässchen in Prag

Das Goldmachergässchen an der Innenmauer der Prager Burg ist eine der größten Attraktionen der Stadt. Einst der Wohnort von Alchemisten und Goldschmieden, reihen sich heute hier hauptsächlich Souvenirläden aneinander. Die Touristen kommen in Scharen und bezahlen sogar Eintritt für die abgesperrte Straße. Sie schieben sich vorbei an den kleinen, bunten Häusern und stehen sich gegenseitig auf den Füßen. Das "Goldene Gässchen" - eigentlich schön, aber der betriebene Kommerz und der große Andrang verleiden oftmals einen Besuch.

Westminster Abbey in London
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Über 20 Euro zahlen Besucher, um die berühmte Kirche in London zu besichtigen.
Westminster Abbey in London

Die wohl bekannteste Kirche in London ist ein wahrer Touristenmagnet. Viele Besucher wollen den Ort besichtigen, an dem seit dem Jahr 1066 die Könige und Königinnen des Landes gekrönt werden. Doch das hat seinen Preis: 18 Britische Pfund (umgerechnet 21 Euro) kostet der Eintritt für Erwachsene - da sollte man sich überlegen, ob einem die "Krönung" das Wert ist.

Selbstdarsteller in Rom

An vielen Sehenswürdigkeiten in Rom kann man sich kaum vor ihnen retten: Verkleidete Selbstdarsteller, die mit ahnungslosen Touristen Fotos machen und dafür oft ein überzogenes Trinkgeld verlangen. Aufdringliche Gladiatoren vor dem Kolosseum? Muss nicht sein!

Der Schiefe Turm von Pisa
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Nur der frühe Besucher bekommt den schiefen Turm von Pisa in solch leerer Kulisse zu Gesicht.
Der schiefe Turm von Pisa

Der schiefe Turm von Pisa ist wohl das bekannteste geneigte Bauwerk der Welt - dementsprecheng groß ist auch der Andrang. Auf dem Vorplatz tummeln sich die Menschenmassen und laufen sich gegenseitig in die gestellten Fotos. Mitten im Gedränge findet man zudem zahlreiche Verkaufsstände, an denen der Turm in Miniformat als Andenken gekauft werden kann. Und wer das schiefe Bauwerk besteigen möchte, muss in den sauren Apfel beißen und sich einer geführten Tour anschließen und den Eintrittspreis von 18 Euro über sich ergehen lassen.

Blaue Grotte von Capri

Einst versuchten die bekannten Sirenen, Odysseus von seinem Schiff auf die italienische Insel Capri zu locken. Während der Held der griechischen Mythologie widerstand, strömen heute umso mehr Menschen auf die Insel im Golf von Neapel, um die Blaue Grotte zu sehen. Das ist natürlich nicht umsonst: Für die zehnminütige Motorbootfahrt vom Hafen Capri zur Grotte zahlt man zwischen 11 und 14 Euro. Vor der Grotte steigt man um in winzige Ruderboote, die in einem nie zu enden scheinenden Korso in die Höhle gleiten. An schwimmenden Kassen ist der Eintritt von 12,50 Euro zu zahlen. Wer das Gesamtpaket bucht, darf sich zusätzlich an überfüllten Badeplätzen und teuren Lokalen erfreuen. Und dafür kassieren die Reiseleiter am Ende noch ein saftiges Trinkgeld ab.

Gondelfahrt Venedig
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Bei einer Gondelfahrt in Venedig sollte der Preis vorher verhandelt werden.
Markusplatz und Gondelfahrt in Venedig

Wer sich für einen Besuch des Markusplatzes in Venedig entscheidet, sollte sich darüber im Klaren sein, was ihn erwartet. Tausende Touristen, die alle in ihrem Reiseführer über diese Top-Attraktion gelesen haben und über den Platz pilgern, erzeugen eine laute Geräuschkulisse, die eher weniger zum Verweilen einlädt. Abschreckend wirken vor allem auch die Preise der umliegenden Restaurants und Cafés (knapp fünf Euro für eine Cola!). Auch über eine Gondelfahrt sollte man sich im Vorfeld Gedanken machen. Von der romantischen Vorstellung einer Tour durch Venedigs Wasserwege auf den typisch länglichen Booten bleibt nicht mehr viel übrig, wenn man sich mit Hundert anderen die Kanäle teilen muss. Viele Bootsführer verlangen zudem völlig überzogene Preise. Wer sich also für eine Gondelfahrt entscheidet, sollte daher unbedingt vorher den Preis festlegen.

Piccadilly Circus in London
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In der Nacht verwandelt sich der Piccadilly Circus in London in einen Dschungel aus Leuchtreklamen.
Piccadilly Circus London

Ein Must-See auf der Liste der Attraktionen in London. Wirklich? Zu viele Menschen und zu viel Verkehr können schnell zu Enttäuschung führen und das Schießen eines einigermaßen gelungenen Fotos zur Herausforderung werden lassen. Bei Nacht verwandelt sich der Platz in einen Lichterdschungel und Leuchtreklamen prasseln von allen Seiten auf den Besucher ein. Die vielen Eindrücke können oftmals überfordern.

Eiffelturm Paris

Das Wahrzeichen von Paris lockt jährlich mehrere Millionen Besucher an. Wer hinauf möchte, findet sich zunächst oft für mehrere Stunden in der Warteschlange am Kassenhäuschen wieder. Auch der Aufstieg ist ein langwieriger Prozess, zu dem das Vorbeikämpfen an anderen Touristen gehört. Allerdings erreicht man auch nur die erste und zweite Plattform über die Treppe. Wer ganz hoch hinaus möchte, muss tief in die Tasche greifen: Erwachsene zahlen 14,50 Euro für die Fahrt mit dem Aufzug auf die dritte Plattform. Keine Frage, für die Strapazen entschädigt der Ausblick von oben, dennoch gibt es eine gute Alternative: Vom Turm Montparnasse aus hat man eine ebenso schöne Sicht auf die Stadt der Liebe und die Wartezeit ist deutlich kürzer.

Hackesche Höfe in Berlin
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Vom jüdischen Dreh- und Angelpunkt zur Ansammlung von Designerläden und Cafés - Hackesche Höfe in Berlin.
Hackesche Höfe Berlin

Bis zur Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 stellten die Hackeschen Höfe in Berlin einen Dreh- und Angelpunkt für das Leben der Juden dar. Neben dem Mädchenheim des Jüdischen Frauenbundes und der Jüdischen Studentenmensa ließen sich dort zahlreiche jüdische Gewerbetreibende nieder. Heute haben die Hackeschen Höfe viel von ihrem ehemaligen Glanz verloren. Zwar werden sie in Reiseführern als besonders sehenswert angepriesen, doch im Endeffekt reihen sich in dem Komplex auch nur Modeketten und Markengeschäfte aneinander. Und den Starbucks-Kaffee kann man auch woanders trinken.

Autor

Anja Haertel