Haustausch Tausche Stadtwohnung gegen Villa am Meer

Weltweit tauschen Urlauber ihr Zuhause. Als Manfred Lypold 1975 eine Broschüre von HomeLink UK in die Hände fiel, war er von dem Konzept des internationalen Austauschs begeistert. Kurze Zeit später gründete er die deutsche Niederlassung von HomeLink International. MERIAN.de hat mit ihm über die Vorteile des Haustauschs gesprochen - und darüber, wer die eigenen vier Wände lieber nicht tauschen sollte.

MERIAN.de: Herr Lypold, wie funktioniert das Prinzip des Haustauschs?
Manfred Lypold: Das Prinzip des Haustauschs basiert auf Vertrauen und Ehrlichkeit - schließlich lässt man Fremde in seine vier Wände, und man selbst ist nicht da. Sie verbringen also ihren Urlaub in der Wohnung oder im Haus eines Tauschpartners, der wiederum bei Ihnen für diese Zeit einzieht.

Wie findet man denn das passende Haus oder die passende Wohnung?
Mittlerweile gibt es viele Online-Netzwerke, in denen der Urlauber auf die Suche gehen kann. In unserer Datenbank sind zum Beispiel über 13.500 Tauschobjekte. Das Angebot reicht von kleinen Apartments über Einfamilienhäuser bis hin zu luxuriösen Domizilen. Schnuppern, stöbern und sich einen Überblick verschaffen kann erstmal jeder - das ist kostenlos. Sollte man sich jedoch intensiver für einen Haustausch interessieren und möchte mit jemanden Kontakt aufnehmen oder selbst ein Inserat aufgeben, muss man Mitglied werden. Der Beitrag bei uns kostet 140 Euro pro Jahr.

In welche Länder zieht es deutsche Haustauscher am meisten?
Südeuropa ist bei vielen Haustauschern beliebt, viele zieht es nach Italien. Aber auch Ziele in Deutschland sind immer gefragter. Mittlerweile tauschen etwa die Hälfte innerhalb des eigenen Landes.

Wie viele Länder sind in Ihrer Datenbank?
Wir haben mehr als 75 Länder in unserer Datenbank. Dort finden Sie Ziele wie die Schweiz, Dänemark oder Schweden, aber auch ferne Destinationen wie die Cook-Inseln, Belize oder Martinique. 

Wer tauscht eigentlich?
Etwa 60 Prozent unserer Mitglieder sind Familien. Aber auch junge Paare und Rentner, die gerne reisen, nehmen das Angebot des Haustauschs war.

Fremde in der Wohnung - und man selbst außer Reichweite. Kommt es da anschließend nicht häufig zu Beschwerden?
Natürlich kommt es vor, dass Haustauscher zum Beispiel mit der Einrichtung des anderen nicht ganz zufrieden sind oder andere Ansprüche an Sauberkeit haben. Das sind aber Kleinigkeiten. Seit Beginn des Haustauschs in den 1950er Jahren kam es bis heute nie zu einer mutwilligen Beschädigung oder zu einem Diebstahl. Geht tatsächlich mal etwas in die Brüche, bietet HomeLink Deutschland - neben der eigenen Hausrat- und Haftpflichtversicherung der Tauscher -, einen Garantiefonds über 2500 Euro an, der in der Mitgliedschaft enthalten ist.

Woher kommt das Prinzip des Haustauschs?
Das Prinzip des Haustauschs kommt aus Amerika. 1953 begann ein Lehrer in New York, Kollegen in anderen Bundesstaaten zu suchen, die während der Ferienzeit ihr Haus oder ihre Wohnung tauschen wollten. Die Resonanz war von Anfang an groß, die Tauschgemeinde wuchs von Jahr zu Jahr. Zeitgleich entwickelte sich auch in Großbritannien ein ähnliches Angebot für Militärangehörige. Sieben Jahre später schlossen die beiden Dienste sich zusammen - und der erste Haustausch über nationale Grenzen kam zustande. Die wachsende Popularität des Internets hat das Tauschen schließlich sehr leicht gemacht, denn die Kommunikation zwischen Mitgliedern auf der ganzen Welt wurde schneller und einfacher.

Wann sollte ein Haustauscher in der Regel mit der Kontaktaufnahme beginnen?
Frühzeitig, denn die Vorbereitung eines Haustauschs nimmt mehr Zeit in Anspruch als die Buchung eines Hotelzimmers. Wir empfehlen in der Regel etwa ein halbes Jahr vor dem geplanten Urlaub mit der Kontaktaufnahme zu beginnen, zuerst per E-Mail, dann aber auch per Telefon. Bei einem Haustausch muss nicht nur die Unterkunft stimmen, sondern auch die Besitzer müssen sich mögen und zueinander passen. Für Kurzentschlossene gibt es auf unserer Website aber auch die "Hot List". Dort sind zeitnahe Inserate zu finden.

Wer sollte sein Haus oder seine Wohnung nicht tauschen?
Alle, die im Vorfeld erhebliche Bedenken haben, Fremde in die Privatsphäre eintauchen zu lassen, ohne selbst anwesend zu sein.

Wie würden Sie einen typischen Haustauscher beschreiben?
Haustauscher sind in der Regel keine Pauschalurlauber, sondern möchten ihre Ferien individuell gestalten. Sie sind weltoffen, kontaktfreudig und auch interessiert an anderen Kulturen. Stadtbewohner suchen als Tauschobjekt gerne ein Domizil auf dem Land - und umgekehrt. Familien tauschen gerne mit anderen Familien - damit auch der Nachwuchs seinen Bereich hat.

Worauf sollte man beim Haustausch achten?
Auf genaue Absprachen, damit es nicht vor Ort zu großen Enttäuschungen kommt. Auch wichtige Vereinbarungen sollten schriftlich festgehalten werden.

Sind Sie selbst auch ein Haustauscher?
Ja, auch ich habe schon oft meine Bleibe getauscht.

Was sind die Vorteile, sein Haus oder seine Wohnung mit Fremden zu tauschen?
Neben der Kostenersparnis für ein Hotelzimmer hat man einen ganz anderen Zugang zu Land und Leute. Man verbringt seinen Urlaub in einer gemütlichen Wohnung oder einem komfortablen Haus - mit Garten, Swimming-Pool oder sogar Meerblick, und bekommt leicht Kontakt zu den Einheimischen. Zudem lernt man das Leben vor Ort intensiver kennen. Viele Haustauscher geben ihren Tauschpartnern auch Tipps zu Sehenswüdigkeiten, Restaurants und anderer Freizeitgestaltung.

Autor

Susanna Bloß