Hand gegen Koje Kostenlos auf Segelreise gehen

Segeln ist für viele der Inbegriff von Freiheit. Man sieht die schönsten Strände und die entlegensten Buchten. Sie haben kein Boot? Kein Problem. Christian Lambertz, Betreiber der Internetseite HandGegenKoje.de, erklärt, wie Sie dennoch zum Segelvergnügen kommen.

Es gibt viele Anbieter von Mitfahrgelegenheiten, warum nicht auch Mitsegel-Gelegenheiten? Das fragte sich Christian Lambertz und rief das Internetportal HandGegenKoje.de ins Leben, über das sich Bootseigner und Segelfreunde verabreden können.

MERIAN.de: Herr Lambertz, wie funktioniert das Prinzip Hand gegen Koje?
Christian Lambertz: Für viele Dinge an Bord braucht man ein paar helfende Hände, denn ein Schiff kann häufig nicht alleine bewegt werden. Die Idee von Hand gegen Koje ist also: Mitsegler können sich - statt für die Fahrt zu zahlen - ihren Aufenthalt an Bord durch Arbeit verdienen.

Was genau müssen die Mitsegler machen? Schnippeln sie nur Kartoffeln in der Kombüse oder hängen die sich auch richtig ins Segel?
Grundsätzlich geht es ums Segeln. Aber manchmal wird auch jemand gesucht, der kocht oder die Kinder betreut. Es gibt auch Segler, die nur Gesellschaft suchen. Da kann man zwar mit anpacken, muss aber nicht.

Sie wohnen in Mannheim, wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Portal für "Segel-Mitfahrgelegenheiten" aufzubauen?
Ich habe auf der Ostsee Segeln gelernt. Inzwischen wohne ich im Binnenland und chartere für den Urlaub ein Boot. Die Idee selbst stammt aber von meinen anderen Reisen. Ich bin früher nach dem gleichen Prinzip - Hand gegen Koje - auf Containerschiffen gereist und habe es dann auf das Segeln übertragen.

Wer bietet denn solche Mitsegel-Gelegenheiten an?
Das sind häufig schon etwas ältere Menschen, die sich im Laufe ihres Lebens ein Boot gekauft haben. Es kommt dann schon mal vor, das zum Beispiel der Partner irgendwann keine Lust mehr hat, jedes Wochenende segeln zu gehen. Aber es gibt auch den Aussteiger-Typen auf Weltumsegelung, den Binnensegler, der mit seiner Jolle über den Neusiedler See fährt, die Bastler, die ihre Boote selber bauen und Chartersegler, die im Bekanntenkreis keine komplette Crew auf die Beine stellen können. Es ist sowohl bei den Inserenten als auch bei den Booten eine bunte Mischung.

Anfänger oder Vollprofi – was wird gesucht?
Das kommt auf den Törn an - also die Strecke, die gesegelt wird. Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein Boot in La Rochelle und sind nicht erfahren genug, alleine in ihren Heimathafen zurück zu segeln. Dann suchen Sie einen erfahrenen, revierkundigen Segler, der Ihnen zur Hand geht. Es gibt aber auch viele Segler, die ihr Wissen gerne weitergeben. Das sind keine Ausbildungstörns mit Prüfung, aber Sie können als Anfänger kommen und gehen mit mehr Wissen von Bord.

Werden nur Alleinreisende mitgenommen oder auch kleine Gruppen und Paare?
Auf einem Katamaran zum Beispiel können bequem bis zu zwölf Personen segeln. Je nach Boot und Mannschaft ist also auch Platz für Gruppen. Allein oder zu viert, da sind die Angebote ganz unterschiedlich.

Worauf müssen Anfänger achten?
Alle, die Wasser bis jetzt nur aus der Flasche oder aus dem Hahn kennen und nicht wissen, ob sie seekrank werden, sollten erstmal dort anfangen, wo sie im Notfall jederzeit von Bord gehen können. Viele haben diese Bilder aus der Werbung im Kopf: Jemand liegt im Bikini, mit der Bierflasche in der Hand an Deck, stellen dann aber fest: Es ist viel Arbeit und verdammt eng. Auch das Wetter spielt eine Rolle. Zum Testen sollte man lieber auf der Ostsee segeln und nicht gleich nach Australien fliegen.

In vielen Anzeigen auf Ihrem Portal heißt es: "Anfallende Kosten wie Sprit, Liegegebühren und Essen werden geteilt". Was bedeutet das genau? Welche Kosten kommen auf Mitsegler zu?
Bei Tagesausflügen fällt eigentlich nichts an. Wenn man einen mehrtägigen Törn unternimmt, und nachts in einer Marina anlegt, zahlt man eine Art Parkgebühr. Manchmal - wenn kein Wind weht - kommt noch Diesel für den Betrieb des Motors hinzu. Diese Kosten können sehr unterschiedlich sein. Auf der Ostsee zahlt man vielleicht 15 Euro die Nacht, auf der Adria können es auch mal 100 Euro sein. In der Regel machen die Inserenten genaue Angaben darüber, was für Kosten anfallen.

Geben Sie potentiellen Mitseglern Tipps, auf was sie achten müssen, zum Beispiel welche Kleidung im Gepäck nicht fehlen darf – oder was in die Reiseapotheke muss?
Hand gegen Koje war früher eine ziemliche Nische. Es gab nur eine Gruppe von Leuten, die das Prinzip kannten - und das waren meist Segler. Aber es kommen zunehmend Anfragen von Neulingen, die noch nie gesegelt sind. Deswegen bereite ich ein paar Tipps für meine Website vor. Man braucht nicht gleich eine Profiausrüstung, aber Dinge wie wetterfeste, bequeme Kleidung und Handschuhe - damit einem die Leinen nicht in die Hände schneiden.

Was war die interessanteste Geschichte, die Sie von Ihren Nutzern gehört haben?
Es gibt Leute, die bringen drei Hunde mit auf ein Boot, und einer hat sogar mal sein Motorrad auf einer Segelyacht mit nach Südafrika genommen. Da wundert man sich schon manchmal.

Entstehen eigentlich auch Freundschaften auf so einer Tour?
Nicht nur das. Es ist auch schon vorgekommen, dass sich Paare fürs Leben gefunden haben. Von einigen weiß ich, dass sie später sogar geheiratet haben.

Es läuft doch bestimmt nicht immer alles glatt. Von welchen Pannen oder Problemen wissen Sie?
Es ist schon mal vorgekommen, dass sich Eigner und Mitsegler nicht verstanden haben, und die Tour dann abgebrochen wurde. Das ist natürlich für beide Seiten ärgerlich.

 

Ein Törn mit dem Segelboot zu einsamen Stränden.
HandgegenKoje.de
Gut mit dem Segelboot zu erreichen: einsame Sandstrände.

Wie kann man als Interessierter sicher gehen, dass der Inserent seriös ist?
Die Sicherheit des Bootes ist für Anfänger schwer einzuschätzen. Als erfahrener Segler sehe ich, dass die Rettungswesten nicht gewartet sind oder die Rettungsinsel fehlt. Und ich merke, ob ein Skipper mit dem Boot sicher umgehen kann. Unerfahrene sollten sich besser an jemanden wenden, der bereits Gäste mitgenommen und wieder heil an Land gebracht hat. Deswegen habe ich Anfang des Jahres ein Bewertungssystem eingeführt. Damit - so hoffe ich - kann ich Schwarze Schafe fernhalten.

 

Sagen wir mal, ich möchte die Welt umrunden: Glauben Sie, mit Ihrer Kontaktbörse wäre das möglich?
Wenn Sie genug Zeit haben, ist das prinzipiell möglich. Sie können von einem Schiff auf das andere hüpfen, und wenn Sie auf der anderen Seite des Atlantiks angekommen sind, können Sie von Panama aus weitersegeln. Ob sie sofort und ohne Wartezeit das passende auf meiner Internetseite finden, das kann ich nicht sagen. Aber ich bin mir sicher, dass es geht.

INFO

Auf der Website finden sich weit über 200 Angebote. Neben Hand gegen Koje werden dort auch Mitsegelgelegenheiten gegen Kostenbeteiligung und kommerzielle Törns angeboten. Diese sind deutlich gekennzeichnet. Unter - Mitsegeln à la carte - lässt sich der gewünschte Startpunkte einfach auf einer Weltkarte auswählen, die passenden Inserate werden dann automatisch angezeigt.

Autor

Konstanze Kaffka