CO2-Fußabdruck Klimafreundlicheres Skifahren in den Alpen

MERIAN.de: Herr Smola, wofür steht die Initiative "Ride Greener"?
Sten Smola:
"Ride Greener" steht für einen Wintersport, der im Einklang mit der Natur geschehen soll. Wir wollen Skifahrer und Snowboarder mit Umweltthemen rund um die globale Erwärmung vertraut machen und Tipps geben, wie der eigene CO2-Fußabdruck reduziert werden kann. Der Spaß am Berg soll dabei nicht in den Hintergrund rücken, wir zeigen aber, dass er sich auf eine einfache Weise mit einem verantwortungsvollen Handeln kombinieren lässt.

Wie kann man denn konkret seinen CO2-Fußabdruck reduzieren?
Mit zu den größten Faktoren für den CO2-Ausstoß - neben Schneekanonen, energiefressenden Hotel- und Liftanlagen - gehört die Anreise in die Berge. Wenn möglich, sollte man deshalb den Zug oder Bus nehmen. Eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Zürich nach Davos verursacht zum Beispiel 25 Mal weniger CO2, als wenn man das Auto benutzen würde. Ein anderer wichtiger Punkt ist die Ausrüstung - ob Jacke, Schuhe, Rucksack, Snowboard oder Skier aus recycelten Materialien bestehen und ökologisch nachhaltig produziert wurden. Wir empfehlen bei Herstellern zu kaufen, die auf Kunstharze und Plastik verzichten, und mit nachwachsenden Rohstoffen wie Hanf oder Baumwolle arbeiten.

Und auf der Piste?
Es geht um einen respektvollen Umgang mit der Natur. Das heißt im Skigebiet auf den markierten Abfahrten und Loipen bleiben und nicht in unberührtes Gebiet vordringen. Wer Skitouren geht, sollte sich vorab über Wildruhezonen informieren. Rehe, Hirsche, Gämsen und Steinböcke haben dort ihre Rückzugsräume und brauchen gerade in der kalten Jahreszeit ihre Energie für die Nahrungssuche. Und natürlich gehört Abfall in die Mülltonne und nicht in den Schnee - auch keine kleinen Bonbon- oder Kaugummipapierchen.

Ride Greener/PR
Wie ist die Resonanz auf Ihre Initiative?
Sehr positiv. Wir bekommen immer wieder E-Mails vor allem von Jugendlichen, in denen sie sich für die wertvollen Anregungen bedanken. Vorher haben sie sich meist wenig Gedanken über die Umwelt gemacht. Einmal im Jahr veranstalten wir zudem die "Ride Greener Days" in den Schweizer Alpen: Eine Kampagne, bei der Jugendliche ein oder zwei Wochenenden gemeinsam mit Snowboard-Profis und Klima-Coaches in einem angesagten Skiresort der Schweiz verbringen und dabei die Zusammenhänge und Folgen der Klimaerwärmung kennenlernen. Wir wollen aufklären, und deutlich machen, das Umweltschutz immer noch genügend Freiraum bietet, um sich auszuleben - das aber mit einem guten Gewissen.

Die Resonanz ist zwar groß, aber findet auch ein Umdenken statt?
Das ist die große Herausforderung, Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren. Ohne den Willen des Einzelnen, sich zu informieren und umzudenken, werden auch wir von "Ride Greener" nicht weiterkommen. Die Veränderung in den Bergen wird uns allen immer deutlicher vor Augen geführt: Kunstschneepisten neben braunen Wiesen zeigen uns, was wir von zukünftigen Wintern zu erwarten haben. Das kann niemand ignorieren.

Die Winter werden wärmer - immer mehr Pisten müssen beschneit werden.
Ride Greener/PR
Es ist zu warm: Immer mehr Pisten müssen beschneit werden.
Dann sollte man doch am besten ganz auf Wintersport verzichten...
Bei fast allem was wir tun, hinterlassen wir einen CO2-Fußabdruck. Ob im Sommer beim Wandern, oder eben im Winter beim Ski- und Snowboardfahren. Dessen muss sich jeder bewusst sein. Auf eine Sache zu verzichten, dafür aber an anderer Stelle ohne nachzudenken, weiter zu machen wie bisher, wäre der falsche Weg. Es ist viel wichtiger, dass jeder über die Konsequenzen seines Handelns nachdenkt und sein Verhalten entsprechend verändert.

Wie sieht es in den Skigebieten selbst aus: Gibt es Wintersportregionen, die auf Nachhaltigkeit setzen?
Es gibt Wintersportorte, die erste Schritte in diese Richtung gehen, in der Schweiz zum Beispiel Davos oder das Dorf Tenna im Safiental - dort wird ein Skilift mit Solar betrieben. Klar ist aber auch, dass ein Skigebiet die Wünsche des Kunden treffen möchte. Somit sind die Urlauber gefragt: Wenn die beispielsweise eine Sitzheizung im Sessellift wünschen, wird man früher oder später eine Sitzheizung einbauen. Es ist die Nachfrage, die entscheidet, wo es in der Zukunft hingeht. Und genau das ist es, was wir von "Ride Greener" vermitteln wollen: Jeder Einzelne hat einen viel größeren Einfluss, als er denkt - sowohl in die positive, leider aber auch in die negative Richtung.

Wie wirkt sich die globale Erwärmung bereits auf die Alpen aus?
Die Alpen gehören zu den sensibelsten Ökosystemen der Erde und sind von der globalen Erwärmung stark betroffen. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich das Landschaftsbild durch Bebauung und Erschließung von Wintersportregionen extrem verändert. Mehr als 100 Millionen Menschen besuchen die Alpen jedes Jahr. Aufgrund der steigenden Temperaturen werden Wintersportorte unterhalb 1500 Meter in den kommenden Jahren mit großen Problemen konfrontiert sein. Es wird immer weniger Schnee in den tieferen Lagen geben. Bis 2050 gelten voraussichtlich weniger als 50 Prozent der knapp 700 Skigebiete als schneesicher. Und wenn es zu warm ist, hilft auch keine künstliche Beschneiung mehr.

Mehr zu den "Ride Greener Days" und einem klimafreundlicheren Skifahren unter www.ridegreener.com

Autor

Susanna Bloß