Eat on the Street Eine kulinarische Weltreise

Angler in Istanbul

Auf Reisen ist es immer aufregend, die Küche des Landes und neue Geschmacksrichtungen kennenzulernen. Aber wo bekommt man authentisches Essen? Wenn man den Fotografen Stefan Braun fragt, ist die Antwort klar: auf der Straße. Er beschäftigt sich intensiv mit lokalem Street-Food. Seine Eindrücke hält er in Fotos fest, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. In dem Buch „Eat on the Street“ hat er Bilder und Erfahrungen gebündelt – inklusive Rezepten zum Nachkochen. Merian.de hat mit ihm über seine kulinarische Weltreise gesprochen.

Ihre Fotos machen Hunger. Sowohl auf das Essen, als auch Reisen. Wie kamen Sie auf die Idee, ein ganzes Buch über Street-Food zusammenzustellen?

Ein Freund von mir ist Vietnamese und hat bei mir in der Nähe ein Restaurant aufgemacht. Ich habe seine Gerichte für die Speisekarte fotografiert und bin mit ihm auch nach Vietnam geflogen. Dort habe ich Street-Food wirklich kennengelernt. Mein Freund hat mich in Restaurants gebracht, in die ich nie alleine gegangen wäre und habe Gerichte wie gegrillte Bergziege probiert.  Auf dieser Reise ist die Idee zum Buch entstanden.

Welche Städte sind kulinarisch besonders interessant?

Food-Truck in London

Food-Truck in London

London hat durch die große Zahl an Einwanderern so viele Facetten: asiatisch, arabisch, indisch. Ich würde sagen, London ist die innovativste Stadt. Auch Bangkok ist kulinarisch sehr zu empfehlen. Dort gibt es einen Fisch-Markt, in dem man wie im Supermarkt erst die frischen Zutaten auswählt, die danach von Köchen im angrenzenden Restaurant je nach Wunsch zubereitet werden. Außerdem finde ich Vancouver sehr interessant. Wegen der vielen eingewanderten Hongkong-Chinesen wird es auch Vankong genannt. Dort kann man super asiatisch essen, ohne typisch amerikanischen Einfluss.

Auf Ihren Reisen haben Sie viele Menschen verschiedener Kulturen getroffen - welche Begegnung ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Viele! In New York ist zum Beispiel „Eat on the Street“ entstanden. Ich saß abends in einer Bar in Little Italy und kam irgendwann mit dem einzigen anderen Gast ins Gespräch. Da stellte sich heraus, dass er der Food-Redakteur der New York Times war. Als ich ihm von meinem Vorhaben erzählt habe, ist der Titel entstanden.

Muscheln in Istanbul

In Istanbul sind Muscheln ein typischer Snack

 

Was ist Ihr Lieblings-Street-Food?

Die Bifanas (Anm. d. Red.: Brötchen mit in Knoblauchsud gegartem Schweinefleisch) in Portugal sind sehr, sehr lecker. Auch die kleinen Sardinen oder Kutteln. Dazu kommen das Hafenflair und die mit Wein randvoll gefüllten Gläser, der zum Essen ausgeschenkt wird. Auch wenn es nicht wirklich Street-Food ist, denn man isst halb stehend oder in einer Bar, aber es ist sehr lecker. 

Welche Tipps können Sie Reisenden geben um die besten Food-Spots auf Reisen zu finden?

Frau grillt Fische in Porto

Frittierte Sardinen sind beliebte Tapas in Portugal

Einfach keine Angst haben. Man muss sich etwas trauen und darauf einlassen. Oder den Einheimischen folgen, das habe ich immer gemacht. Dann wird man auch für seinen Mut belohnt.

Gab es schon einmal etwas, was Sie sich nicht getraut haben zu essen? Was war das?

Hund. Ich hatte damals einen Hund, und ich liebe Hunde – das konnte ich nicht. Sieht auch eklig aus, wie sie da mit aufgerissenen Mäulern vor einem liegen. Aber sonst habe ich schon gegrillte Heuschrecken, Krokodil und Schlange probiert - alles lecker.

Wurden Sie auch von Ländern kulinarisch enttäuscht?

Bali. Da gab es nur Nasi-Goreng, und das war’s. Für ein asiatisches Land war das schon enttäuschend. Es kam mir sehr verwestlicht vor.

In welchen Ländern ist die "Eat on the Street"-Mentalität besonders ausgeprägt?

Street-Food in Hanoi

In Vietnam wird Suppe zum Frühstück gegessen

In Asien – Vietnam ist da ein Paradebeispiel – die Vietnamesen kennen keinen Kühlschrank. Alles dreht sich um Essen. Die Menschen gehen zwei Mal am Tag auf den Markt und kaufen ihre Zutaten ganz frisch. Sie suchen sich ein Huhn oder einen Fisch aus, und das wird direkt geschlachtet. Auf den ersten Blick grausam und eklig, aber besser und nachhaltiger geht es gar nicht. Wenn jeder sein eigenes Tier aussuchen, schlachten und bewusst essen würde – das wäre eine tolle Sache.

Gibt es auch Länder, in denen es kein Essen auf der Straße gibt?

In Frankreich kommt Street-Food so gut wie gar nicht vor. Die Franzosen gehen mehr in Restaurants.

Woher weiß ein unbedarfter Reisender, der deutsche Hygienestandards gewohnt ist, von welchen Straßenständen er sich ohne Bedenken Essen holen kann?

Ich habe mir bei all meinen Reisen nie wirklich den Magen verdorben. Einmal in Vietnam, das war aber in einem guten Restaurant. Natürlich sieht es nicht immer superhygienisch aus, aber da muss man sich etwas trauen. Es ist bestimmt nicht schlimmer als auf dem Münchner Oktoberfest – irgendwann ist alles egal und man trinkt zu zehnt aus einem Bier. Ich persönlich gehe immer nach dem Geruch.

Welche Länder stehen als nächstes auf Ihrer kulinarischen Liste?

Ich möchte gerne nach Westafrika reisen – und alle Fisch-Gerichte probieren!

Auf der nächsten Seite erwartet Sie eines der leckeren Rezepte aus "Eat on the Street"...

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Autor:
Chiara Lippke