Europa Das kleine Alpenland Liechtenstein

Es ist das viertkleinste Land in Europa und bietet trotzdem Platz für etwa 34.000 Menschen. Das Alpenland hat wirklich überraschend viel zu bieten!
Das Schloss Vaduz in Liechtenstein

Der Vatikan, Monaco, Nauru, Tuvalu, San Marino - Liechtenstein. Nur 160 Quadratkilometer groß ist das sechstkleinste Land der Erde, in etwa so groß wie Freiburg. Doch trotz seiner Kleinheit blickt das Fürstentum auf eine bewegte Geschichte zurück.

Das Herz Liechtensteins - wenn ein Staat dieser Größe überhaupt ein Zentrum braucht - schlägt in Vaduz, einem beschaulichen Ort mit knapp 5000 Einwohnern, der seit 1342 besteht. Aus dieser Zeit stammen auch die alten Mauern des Schlosses Vaduz: Die Residenz des Fürstens und Wahrzeichen Liechtensteins thront wie eh und je in einer Steinterrasse über der Gemeinde. Nicht viel hat sich hier im Laufe der Jahrhunderte getan, möchte man meinen. Liechtenstein scheint sich nahtlos in die Reihe anderer Kleinstaaten wie Monaco oder den Vatikan einzufügen, an denen die Zeit spurlos vorbeizieht.

 

Kunstmuseums Liechtenstein
Alena Zielinski
Das Kunstmuseum Liechtenstein ist eines der besten Museen für zeitgenössische Kunst.

Doch wer schließlich vom Schloss zurück in die kleinen Straßen von Vaduz wandert, stößt irgendwann auf einen gigantischen schwarzen Kubus: Die Heimat des Kunstmuseums Liechtenstein, eines der führenden europäischen Museen für moderne und zeitgenössische Kunst. Seit dem Jahr 2000 werden in der futuristischen "Black Box" aus Basaltstein regelmäßig Werke aus der privaten Sammlung des Fürsten ausgestellt. Einen Straßenzug weiter hängt das verblüffende Werbeplakat einer Bank Liechtensteins. "Was wirklich zählt", steht dort in großen Lettern, und weiter: "Geld alleine macht nicht glücklich, daher kümmern wir uns nicht nur um Ihr Vermögen, sondern auch um Sie". Da tut sich ja doch etwas im Fürstentum.

 

Malbun
Alena Zielinski
Für Ski- und Snowboardfans ist der Ort Malbun ein beliebtes Ziel.

Der Weg vom Steuer- zum Tourismusparadies

Der Zwergenstaat zwischen Österreich und der Schweiz hatte einen Imagewandel auch dringend nötig. Steueroase und Schwarzgeldkonten waren die zwei Wörter, mit denen Liechtenstein in den vergangenen Jahren häufig in den Schlagzeilen auftauchte. Das war einmal in Liechtenstein. Statt mit lukrativen Steuer-Schlupflöchern versucht die Regierung nun, die Tourismusindustrie auszubauen. Über 4000 Fahrrad- und Wanderwege gibt es bereits, Ski- und Snowboardfans kommen im Winter im nahegelegenen Malbun auf ihre Kosten.

 

Yoga
Sabine Meißner
Immer locker bleiben: Die Hotels von Valduz bieten ein umfangreiches Wellness-Angebot - Yoga-Stunden inklusive.

Doch vor allem setzt Liechtenstein auf Luxusangebote für die Reichen, die das Land seit jeher anlockt. Das Vier-Sterne-Superior-Parkhotel Sonnenhof in Vaduz punktet zum Beispiel mit einem umfangreichen Wellness-Angebot, mit allem von klassischen Massagen und Pediküren bis hin zu Yoga und dem neuen Nature-Wellness. Für Erholungssuchende ist ein Termin beim Energetiker genau das Richtige. Mit großen, runden Schüsseln entsteht ein Klangfeld tiefer Töne, das den Energiefluss des Körpers wieder ins Reine bringen soll. Und selbst als Skeptiker muss man zugeben: Danach fühlt man eine Art der Entspannung, die keine überfüllte Sauna bieten kann.

 

Gastgeber Hubertus Real
Alena Zielinski
Er hat gut lachen: Hotelbesitzer Hubertus Real ist zugleich Küchenchef in seinem eigenen Restaurant.

Der beste Blick über das Fürstentum

Auf der Holzterrasse des Sonnenhof befindet sich das Restaurant "marée" des Hotelbesitzers und Sternekochs Hubertus Real. Perlhuhnbrust, zarte Champagner-Sauerkraut-Süppchen und luftige Ingwersabayone stehen auf der Speisekarte - alles vom Feinsten. "Das Hotel wird in zweiter Generation geführt. Ich biete unseren Gästen eine Küche auf hohem Niveau. Die Zutaten kommen aus dieser Gegend, es ist mir wichtig, das alles einen regionalen Bezug hat", erklärt Hubertus Real die Philisophie des Hauses. Einen Michelin Stern und zwei Hauben von Gault Millau brachten ihm seine kulinarischen Kreationen ein.

Glaubt Hubertus Real daran, dass sich der Kleinstaat von seinem schlechten Ruf befreien kann? "Aber natürlich, Liechtenstein hat die Zeichen der Zeit erkannt und so viel mehr zu bieten, obwohl es ein kleines Land ist. Wir haben damals 30 Prozent der Hotelgäste verloren, denn uns war nicht bewusst, dass viele allein wegen ihrer Geldgeschäfte hierher kamen. Doch nun rückt immer mehr die private Erholung in den Fokus." Hier im "marée", das wie ein Adlernest in den Bäumen hängt, und einen grandiosen Blick auf das Schloss, die Berge und das Ufer des Rheins bietet, fällt es nicht schwer, ihm zu glauben.

INFO

Architektur in Liechtenstein

Vaduz ist ein Schmelztiegel verschiedener Architekturstile: An vielen Ecken stoßen mittelalterliche und moderne Bauten direkt aufeinander.

Anreise: Autofahrer gelangen nach der Ausfahrt "Sevelen-Vaduz" auf der Schweizer Autobahn N13 über die Rheinbrücke nach Vaduz. Der Ort selbst besitzt weder einen Bahnhof noch einen eigenen Flughafen. Von den Schweizer Bahnhöfen in Buchs und Sargans sowie vom Bahnhof im österreichischen Feldkirch verkehren allerdings Busse nach Vaduz. Die nächsten Flughäfen befinden sich in Zürich und in München.

Autor

Alena Zielinski