Albanien

Wissenswertes über Albanien

Natur und Klima:

Die Landesnatur scheint auf den ersten Blick die Abgeschlossenheit gegenüber der Außemwelt zu verstärken. Schroffe, unwegsame Gebirge ragen im Norden, Osten und Süden auf. Zum Landesinneren senken sie sich zu einem Berg- und Hügelland, an das sich die bis zu 50 Kilometer breite, zum Teil versumpfte Küstenebene anschließt. Die Küste ist als Flachküste mit zahlreichen Lagunen ausgebildet; nur im Süden reichen die Berge bis zum Meer und bilden hier die Steilküste der Albanischen Riviera. Im Osten erstrecken sich um den Ohrid- und Prespasee 700 bis 900 Meter hohe Binnenebenen.

Das Klima ist an der Küste mediterran mit heißen, trockenen Sommern und milden, regenreichen Wintern. Im Bergland verstärken sich die kontinentalen Einflüsse; hier herrschen kalte und schneereiche Winter.

Bevölkerung:

Der Großteil der Bevölkerung sind Albaner (Skipetaren), die sich in zwei Gruppen, die Tosken (im Süden) sowie die Gegen (im Norden) gliedern, die jeweils einen eigenen Dialekt sprechen. Infolge der geografischen Gegebenheiten ist die Bevölkerung sehr ungleichmäßig verteilt. Die höchste Dichte wird im Hauptstadtbezirk erreicht. Trotz der nach 1990 einsetzenden massiven Landflucht gehört Albanien zu den am geringsten verstädterten Staaten Europas. Nach dem Sturz der kommunistischen Regierung setzte eine bis heute anhaltende Abwanderung in die EU-Staaten ein; andererseits nahm Albanien zahlreiche albanischstämmige Flüchtlinge aus dem angrenzenden Kosovo auf.

Nach der Pisa-Studie nahm das albanische Bildungswesen den letzten Platz aller untersuchten Länder ein. Denn trotz Schulpflicht besuchen nach Zusammenbruch des sozialistischen Systems immer weniger Jugendliche die Schule, was zu einem Anstieg der Analphabetenrate führt.

Staat und Politik:

Gemäß der Verfassung von 1998 ist Albanien eine parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt ist der vom Parlament auf fünf Jahre gewählte Staatspräsident. Die Legislative liegt bei der Volksversammlung mit 140 Abgeordneten und einer Legislaturperiode von vier Jahren. An der Spitze der Regierung steht der Vorsitzende des Ministerrats (Ministerpräsident). Regierungsparteien sind die Demokratische Partei (PDSH) und ihre Verbündeten, stärkste Kraft der Opposition sind die Sozialisten (PSSH). Verfassungsgericht und Oberster Gerichtshof stehen an der Spitze der Judikative.

Wirtschaft und Verkehr:

Albanien gehört zu den ärmsten Ländern Europas. Nach der politischen Wende 1990 verschlechterte sich die Lage zunächst noch weiter. Das jüngste Wirtschaftswachstum beruht größtenteils auf ausländischen Finanzhilfen und den Überweisungen der im Ausland tätigen Albaner.

Rückständige Wirtschaft:

Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen arbeitet in der Landwirtschaft, meist in unproduktiven Kleinbetrieben. Die Industrie ist durch den Mangel an Kapital und das Fehlen ausländischer Investoren wenig entwickelt. Von Bedeutung sind lediglich die Stahl-, Metall- (Chrom), Textil- und Zementindustrie. Hohe Wachstumsraten erzielt die Bauwirtschaft und das Transportwesen. Trotz eigener Erdöl- und Erdgaslagerstätten kommt es in Albanien immer wieder zu Engpässen in der Energieversorgung.

Das Straßennetz ist immer noch lückenhaft und stark auf die Hauptstadt Tirana ausgerichtet. Die ersten Eisenbahnlinien wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg angelegt. Seit 1986 besteht Anschluss an das europäische Schienennetz.

Geschichte:

Die Entwicklung bis zum Zweiten Weltkrieg:

Im 2. Jahrhundert v. Chr. wurde das von illyrischen Stämmen besiedelte Gebiet von den Römern erobert. Bei der Reichsteilung 395 n. Chr. fiel es an Ostrom. Um 400 drangen Goten und Hunnen, seit Ende des 6. Jahrhunderts Slawen in das Gebiet ein. Im Mittelalter war Albanien zwischen Bulgaren, Serben und Normannen umkämpft. Auch Neapel, Venedig und Byzanz erhoben Ansprüche.

Durch die vorübergehende Einigung der albanischen Stämme unter Skanderbeg (1443-1468) konnte sich das Land einige Zeit gegen die seit 1385 vordrängenden Türken wehren. Nach Skanderbegs Tod fiel es jedoch an das Osmanische Reich. Erst 1912 erlangte Albanien im Ersten Balkankrieg seine Unabhängigkeit zurück. 1922 ergriff Ahmed Zogu die Macht; er wurde 1925 Staatspräsident und 1928 König (Zogu I.). 1939 wurde Albanien von Italien, 1943/44 von Deutschland besetzt.

Stalinismus und Demokratisierung:

Am Ende des Zweiten Weltkriegs erkämpfte eine kommunistische Partisanenbewegung unter Führung Enver Hoxhas die Macht im Lande. 1946 proklamierte er die kommunistische Volksrepublik Albanien, die er bis zu seinem Tod 1985 diktatorisch regierte. Vorbild war der Stalinismus, an dem er auch festhielt, nachdem er 1961 mit der UdSSR und 1978 mit China gebrochen hatte. Seine Politik der völligen Isolation machte Albanien zum "Armenhaus" Europas.

Hoxhas Nachfolger Ramiz Alia leitete eine vorsichtige Öffnung und Demokratisierung ein. Seither bemühten sich mehrere gewählte Regierungen um den wirtschaftlichen und politischen Anschluss an Europa. Die desolate ökonomische und soziale Lage führte jedoch immer wieder zu Massenauswanderungen und Revolten, die sich 1997 vorübergehend sogar zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen ausweiteten.

Aus den Parlamentswahlen 2005 ging die Opposition unter Führung der Demokratischen Partei des früheren Präsidenten (1992 bis 1997) Sali Berisha als Sieger hervor. Berisha übernahm das Amt des Regierungschefs. Staatspräsident ist seit 2007 Bamir Topi.


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