Düsseldorf Stadtteil Porträts

ALTSTADT

Leider wird die Atmosphäre am längsten Tresen nicht nur von fröhlichen Rheinländern, sondern auch von trinkwilligen Touristen bestimmt. Es gibt aber Alternativen für Menschen, die Musik lieber hören als grölen. Seit Ende 2004 gibt es den Salon des Amateurs im Bauch der Kunsthalle. Betreiber Detlef Weinrich und Aaron Mehzion sorgen für ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Musikprogramm, das keine Wünsche übrig lässt. Der Erfolg gibt den beiden Recht. Das Publikum rekrutiert sich zum Großteil aus der Kunstszene, ohne dass der SDA allzu exklusiv geworden wäre. Dass sich Qualität und Altstadt nicht ausschließen, beweist auch das Pretty Vacant auf der Mertensgasse, das laut Umfrage von gaesteliste.de in die Top Ten der deutschen Indie-Clubs aufgestiegen ist - Lohn für erstklassige DJ-Arbeit und Konzerte. Timo Sen übernahm vor fünf Jahren mit seiner Frau das Stone im Ratinger Hof. Seitdem gibt es in dem Traditionsladen auch wieder Gitarrenmusik.

BILK

Bilk ist mit über 37.000 Einwohnern der größte Stadtteil, ein eher pragmatisch organisiertes Viertel, dessen eines Zentrum die Heinrich-Heine-Universität ist. Das andere sind seit 2008 die Düsseldorf Arcaden. Wer die Stadt zum Einkaufen besucht, kann dort shoppen wie in Köln. Neben dem Allerweltsklotz hat sich jedoch die kleine und fast vergessene Brunnenstraße zum Zentrum liebenswerter Lokalitäten entwickelt, die von freundlichen und unprätentiösen Menschenbetrieben werden. Etwa das Mikrocafé Milchschaum, mit 15 Quadratmetern so klein, dass es schwerfällt, die Beine übereinanderzuschlagen. 2006 zog mit dem DVD- und Videoverleih Filmgalerie eine Sammlung mit über 15.000 anspruchsvollen Titeln hierher, an denen sich auch zuweilen Udo Heimansberg bedient, der seit 1979 das Metropol betreibt, das älteste Kino Düsseldorfs. Galerien wie das Pretty Portal, das sich auf Street Art und Graffiti spezialisiert hat, oder Kunstraum Düsseldorf würden es sicher begrüßen, wenn mehr kreative Köpfe in den Stadtteil ziehen würden, aber ob das mit den neuen Arcaden gelingt, ist fraglich. Sicher ist nur, dass hier die Mieten steigen werden.

UNTERBILK

Unterbilk hat etwa 18.000 Einwohner. Wer sich der Lorettostraße nähert, muss an Meckenstocks Mittagskarte vorbei, die brachial den Sauerbraten vom Pferd anpreist. Wer es leichter mag, geht zu Seifen Horst. So geht hier Altes und Neues eng zusammen: Unterbilk ist die Heimat wagemutiger Musiklabels wie Unique Records, aber auch der Bürgerinitiative Friedensplätzchen, die ebendort einen Bauernmarkt initiiert hat.

PEMPELFORT

Der Stadtteil nördlich der Altstadt hat etwa 27.000 Einwohner. Der Ehrenhof mit der Tonhalle liegt hier wie auch der Hofgarten und ein Teil des Rheinparks. Das Leben findet rund um die Nordstraße statt, das Restaurantangebot reicht vom Luxus-Italiener bis zum traditionellen Himmel & Ähd. Besonderheiten: Deutschlands einzige unabhängige Hörbuchhandlung Romeike und eine Repräsentanz der 1884 gegründeten Schlaraffia Dusseldorpia. Das ist kein Matratzenhändler, sondern, so die Vereinssatzung, eine "Gemeinschaft von Männern, die in gleich gesinntem Streben die Pflege der Kunst und des Humors bezweckt". Erfrischend unaufgeregt und offen für jeden Gast.

OBERKASSEL

Die Halbinsel auf der anderen Rheinseite gilt als Heimat reich gewordener Werber und SUV-Fahrer. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Unter den 17.000 Einwohnern sind auch Fußgänger, die geringe Mieten zahlen. Oberkassel ist wie eine kleine Stadt, mit guten Restaurants, Cafés und hübschen Geschäften - alles in Laufweite. Auch der Flirtfaktor ist angeblich hoch. Die Statistik untermauert das: Fast die Hälfte der 9627 Haushalte in Oberkassel sind Singlehaushalte - eine Hochburg der Alleinstehenden. Für den Besucher ist Oberkassel ein perfektes Spaziergebiet: durch die Rheinwiesen mit Blick auf die Altstadt und entlang der schönen Gründerzeitvillen. Wer den Stadtteil näher kennen lernen will, geht am besten ins Muggel. Hier treffen sich die coolen Freiberufler mit lässigem Designeroutfit und hohem Unterhaltungswert. Wenn sommers die Cabrios vorgeführt werden, gibt's großes Kino. Grund zur Freude bietet der Blick auf die Weinkarte.

FLINGERN

In Flingern-Nord ist alles ein wenig alternativ, die 21.000 Einwohner sind noch etwas unkonventioneller als der Rest der Stadt. Mieten und Milieu entsprechen der sozialen Infrastruktur eines Arbeiterviertels, und das hat Kreative, reich an Ideen, arm an Kaufkraft, schon seit Jahren angezogen. Alteingesessene Modedesigner residieren einträchtig neben Newcomern wie Revolver. Kleine Unternehmen der Gastro- und Shoppingszene werden in rasantem Tempo erfunden, eröffnet, geschlossen, verworfen, neu erfunden, wiedereröffnet. Flingern ist das kreative Kraftwerk der Stadt, hier schläft man gern etwas länger, was sich auch auf die Öffnungszeiten auswirkt. Was es aktuell in Flingern zu sehen, zu erleben, zu genießen und zu kaufen gibt, erfahren Sie unter anderem auf der sehr originellen Website . Oder Sie warten, bis Mike Driessen und Benjamin Ellenberger auftauchen, die als Captain Flingern den Stadtteil seit Jahren mit originellen Partys und Events überziehen. Was sie aktuell anstellen, erfährt man ausschließlich über oder per Gerüchteküche. Traditionell an Flingern ist einzig der heiß geliebte Fußballclub Fortuna Düsseldorf, der hier kein Stadion hat, aber den Vereinssitz.

FRIEDRICHSTADT

Ein kleines Kulturzentrum mit 17.000 Einwohnern, engagierte Kunstvereine, die mit lässiger Hand und alternativem Programm arbeiten. So wurde im August 2001 zwecks Kunstförderung der Metzgerei Schnitzel e.V. gegründet. Mit der Fußballmannschaft Blau-Blau Brause spielt man in der Bunten Liga und verfügt mit dem Vereinsheim "Brause" über einen ausnehmend schönen, aquariumartigen Treff. Mitglieder sind aufgefordert, an der Programmgestaltung mitzuarbeiten. Dazu gehören Lesungen mit Underground-Literaten zum Thema "Rumhängen mit Sinn". Auf selbem Gelände residiert auch die nachhaltig wirtschaftende Werkstatt Automobilfaktur. In der seit den fünfziger Jahren im Originalzustand erhaltenen ehemaligen Tankstelle sitzt Nico Trefz und repariert nach dem Grundsatz "Instandhaltung statt Neuwagen".