Düsseldorf Sieben Fragen an die Rheinmetropole

Wo stecken die vielen Japaner?

7000 Japaner bilden in Düsseldorf nach London und Paris die drittgrößte japanische Kolonie in Europa, doch fällt das im Alltag nicht weiter auf. Der typische Düsseldorfer Japaner ist ein im Büro arbeitender Manager, der nach wenigen Jahren von seiner Firma in die Heimat zurückbeordert oder in ein anderes Land entsendet wird. Seine Kinder gehen auf die japanische Ganztagsschule und seine Frau lernt Schwedisch. Die Betreiber der japanischen Restaurants und Geschäfte - konzentriert auf der Immermannstraße - wirken auf die Düsseldorfer nicht wie Dienstleister von nebenan, sondern wie Kulturbotschafter von weither.

Wie auch immer - das Verhältnis von Düsseldorfern und Japanern ist blendend, denn es wird gut organisiert, und darin sind ja beide Seiten notorisch stark. Das deutsch-japanische Fußballturnier leistet dazu ebenso seinen Beitrag wie die und der deutsch-japanische Kindergarten (neben den drei japanischen Kindergärten).

Der jährliche Japan-Tag mit abschließendem japanischem Feuerwerk ist mit einer Million Besuchern die größte interkulturelle Veranstaltung - die vielleicht typischste Attraktion ist der Japanische Garten im Nordpark: Von einem japanischen Gartenmeister entworfen und von der japanischen Gemeinde der Stadt Düsseldorf geschenkt, wurde er 1975 von Tokios Botschafter Akira Sono eingeweiht und wird seitdem von speziell ausgebildeten Mitarbeitern des Düsseldorfer Gartenamtes gepflegt. Etwa alle fünf Jahre reisen japanische Gärtner an und sehen nach dem Rechten.

Gibt es hier auch einen Zoo?

Der 1876 eröffnete Zoologische Garten ging mit dem Zweiten Weltkrieg verloren. Die von Theodor Löbbecke begründete Muschelschalensammlung war jedoch ausgelagert worden und bekam an ihrem provisorischen Standort ein Aquarium angehängt.

Dann geschah lange nichts. Nach langer Standortsuche und etlichen Bürgerinitiativen entstand 1987 schließlich ein großer Aquariums- und Museumsneubau im Nordpark: "Aquazoo - Löbbecke Museum". Es werden 450 Arten von Tieren gezeigt, nicht nur Fische, sondern unter anderem auch Pinguine und Krokodile, sowie rund eine Million Exponate in den wissenschaftlichen Sammlungen. Mit 500.000 Besuchern jährlich zählt der Aquazoo zu den wichtigsten touristischen Einrichtungen der Stadt. Viel weniger bekannt ist ein im Grafenberger Wald gelegener Wildpark. Der Eintritt ist frei; die zutraulichen Rehe und Wildschweine erwarten aber, dass man ein paar Möhren dabeihat.

Braucht Deutschland das Kom(m)ödchen?

Solange sich Altmeister Richling und Uraltmeister Hildebrandt nicht einigen können, wie stark die Grenze zwischen Kabarett und Comedy befestigt sein soll, lohnt der Blick nach Düsseldorf. Von Kommode bis Commedia ist dort seit 1947 alles möglich. Das kann man im Jubiläumsband nachlesen, einem "Geschichtsbuch", das auf jeder Seite den Wunsch hinterlässt, man möge dabeigewesen sein. Großen Mut brachten Kay und Lore Lorentz auf, als sie in einem ausgebombten Haus politisches Kabarett zeigten, in einer Zeit, in der Politik sich selbst erledigt hatte. In ihrer Tradition hält Sohn Kay in Deutschlands ältestem Kabarett die Stellung, und es ist gut möglich, dass er demnächst verstärkt gebraucht wird.

Ist Düsseldorf eine Sportstadt?

Beim Kampf um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2012 musste Düsseldorf Leipzig das Recht überlassen, im internationalen Wettbewerb zu scheitern. Ebenfalls nicht zum Zuge kam man als Spielort der Fußball-WM 2006. Sich zweimal unter der selbst gesetzten Latte in den Sand gesetzt zu haben, fördert nicht gerade das Image als Sportstadt. Und das obwohl seit 30 Jahren zur im Rochusclub ausgetragenen Tennismannschaftsweltmeisterschaft die Stars anreisen wie zu einem Familienfest. Und mehr: Der seit 2002 ausgetragene Skilanglauf am kunstverschneitem Rheinufer ist enorm gut besucht. Die Fortuna spielt guten Drittligafußball mit Ambitionen nach oben. Die Handballer der HSG kehren soeben in die Bundesliga zurück. In Deutschland die Nummer eins und in Europa eine Macht sind die Tischtennisspieler der Borussia. Die DEG Metro Stars gehören zu den Besten der Eishockeyliga. "Gut aufgestellt" sind in Düsseldorf zahlreiche unpopuläre Sportarten, die ein überraschend großes und fachkundiges Lifepublikum finden: Feldhockey, etwa American Football, Tanzsport oder Lacrosse. 100.000 Düsseldorfer sind in 369 Vereinen organisiert, darunter im Boule-Club "sur place".

Sind die Kunstprofessoren faul?

Luise Kimme beantwortet die Frage. Sie war von 1977 bis 2003 Professorin für den Orientierungsbereich an der : "Wir hatten jedes Jahr 80 bis 120 Studenten, die im Juli ihre Prüfung für die endgültige Aufnahme in die Akademie machen mussten. Daher wurde sehr viel gearbeitet und ebenso viel unterrichtet. Es war intensiv, spannend und immer wieder überraschend, wie talentiert einige Studenten waren. Wir waren frei und hatten viel zu tun. Die Abende und Wochenenden blieben für die eigene Arbeit. Merkwürdigerweise waren die großen Talente unter den Studenten nicht die, die später so berühmt geworden sind. Und die Studenten, die immer diskutieren wollten, sind gar keine bildenden Künstler geworden. Es war ein reiche Zeit, ich habe unter den Studenten und Lehrbeauftragten lebenslange Freunde."

Sind Köln und Düsseldorf verfeindet?

Ein Freund aus Hamburg besuchte die Düsseldorfer Bootsmesse, spazierte am Rhein entlang und erkundigte sich bei einem Passanten, ob der Fluss immer so viel Treibgut mit sich führe. Antwort: "Der janze Dreck kommt us Köln." Der Hamburger war glücklich. Er hatte mit einem Eingeborenen gesprochen und konnte, heimgekehrt, mit einer echt rheinischen Anekdote aufwarten. Ob das, was sie besagt, tatsächlich wahr ist, spielt keine Rolle. Manchmal werden Rivalitäten nur gepflegt, um Erwartungen zu erfüllen. Die Konkurrenz von Nachbarstädten ist nun freilich nichts Spezielles, und sie ist von Ort zu Ort graduell. Alle Duisburger zum Beispiel wollen laut Umfragen viel lieber in Düsseldorf wohnen - während die Düsseldorfer kaum wissen, was Duisburg ist. Die Köln-Düsseldorfer Feindschaft aber wird ausgespielt. Sie ist so echt wie Störtebeker auf norddeutschen Freilichtbühnen.

Kreuzweise von der "verbotenen Stadt" zu sprechen und ihr nachzusagen, sie liege auf dem falschen Rheinufer, der "schäl Sick", gehört zum eingeschliffenen Umgangston, so wie Münchner Atheisten "Grüß Gott" sagen. Eine antikölner respektive antidüsseldorfer Spitze würzt noch die Rede des müdesten Ratsherrn und die Glosse des ausgebranntesten Lokalredakteurs. Dabei sind die Witze größtenteils so alt wie die Gebeine des Neandertalers, bei dem es sich, so sagt man hier, um einen in Düsseldorfer Kriegsgefangenschaft verstorbenen Kölner handelte.

Ist Düsseldorf eine Mördergrube?

Offenbar. In Deutschland hat zwar bald jede Kleinstadt ihren eigenen Krimischreiber, doch in Düsseldorf wuchert die literarische Verbrechensverherrlichung völlig unkontrolliert vor sich hin. Ein volles Dutzend Krimischreiber hat sich hier angesiedelt und schreibt teils Romane, die in der Ferne spielen (Sandra Dünschede: "Nordmord"), aber vor allem solche, die hier am Rhein spielen (Edgar Noske: "Tote Rosen - Düsseldorf-Krimi"). Das führt dazu, dass die Mordkommission nicht weniger als drei Leiter der Mordkommission hat: Kommissar Benedict in Peter Schrenks "Fetter Sand"; Kommissar Lavalle in Stefanie Kochs "Die Karte des Todes"; Kommissar Bender in H.C. Boginskis "Herzfrost". Höhepunkt der Mordsschreiberei: Der Roman "Stückwerk", verfasst von den "Krimi-Cops", einem Autorenkollektiv aus sechs echten Kriminalbeamten, unter ihnen Klaus Stickelbroeck, der schon 2007 mit seinem Debüt "Fieses Foul" reüssierte.