Düsseldorf Die Band Kraftwerk

Zu Beginn des Jahres 1970 beschlossen die in Düsseldorf lebenden Musiker Ralf Hütter und Florian Schneider, ihre Krautrock-Instrumente gegen Synthesizer auszutauschen und die schwülstige Glamrock-Attitüde der Zeit durch emotionslos gesungene Textbausteine zu ersetzen. Dazu gaben sie sich einen technisch-kühl klingenden Projektnamen: Kraftwerk.

1970 veröffentlichten Hütter und Schneider ihr erstes Album, 1974 erhielten sie für ihr viertes Album "Autobahn" nicht nur in Deutschland eine "Goldene Schallplatte", Kraftwerk wurden zu internationalen Stars: Reduzierte Melodiefragmente, die sich mit Phasen von Soundeffekten abwechselten und durch Textbausteine wie das besagte "Autobahn" angereichert wurden. Dazu bewegten sich Kraftwerk auf der Bühne wie roboterhafte "Menschmaschinen". Kurz: Die Düsseldorfer Band galt als visionär.

Grund dafür war auch, dass Kraftwerk nicht nur faszinierende Soundcollagen erstellte, sondern sich auch inhaltlich einen ganz und gar futuristischen Anstrich gab: "Automat und Telespiel / leiten heut die Zukunft ein / Computer für den Kleinbetrieb / Computer für das Eigenheim", sangen sie in ihrem Song "Computerwelt" - im Jahr 1981.

Kraftwerk als prägenden Einfluss zu nennen, gehört in Musikerkreisen zum guten Ton, besonders international genießen die öffentlichkeitsscheuen Düsseldorfer einen hohen Stellenwert. Insofern ist es auch nur wenig verwunderlich, dass es ausländische Medien waren, die im vergangenen Jahr zuerst das Ausscheiden von Gründungsmitglied Florian Schneider vermeldeten. Der heute 62-Jährige, der ebenso wie Hütter immer noch im Raum Düsseldorf beheimatet ist, widmet sich seither verstärkt seiner Professur für Medienkunst und Performance an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HfG).

Der um ein Jahr ältere Ralf Hütter führt die Band nun als Kopf alleine weiter. Unterstützt wird er dabei von menschlichen Assistenten und den guten alten Roboter-Puppen, derer sich die Band bei Live-Auftritten schon lange bedient.

Trotz wechselnder Besetzungen in den letzten 40 Jahren sind Kraftwerk einfach nicht tot zu kriegen - oder wie sie es in ihrem Song "Techno Pop" im Jahr 1986 schon formulierten: "Es wird immer weitergehen / Musik als Träger von Ideen."

Autor:
Nico Cramer