Dublin Urlaub im Hotel "The Clarence"

Verdammt hell ist es hier. Und ein wenig kleiner als gedacht. Die "Octagon Bar" im "Clarence Hotel" ist brechend voll, und am Tresen in der Mitte des achteckigen Raumes wird das Guinness im Sekundentakt ausgeschenkt. Die wenigen Sitzplätze sind natürlich belegt, das Stehplatz-Gefühl erinnert eher an die Fankurve eines Bundesliga-Vereins als an die Bar eines Nobelhotels. Dabei ist es erst früher Nachmittag.

Den vielen Gästen scheint die Uhrzeit egal zu sein, sie läuten hier den geselligen Abend im Temple-Bar-Distrikt ein. Dem strengen Rauchverbot in den Kneipen ist es zu verdanken, dass die Luft in dieser irischen "Sauna" einigermaßen atembar ist. Kein Vergleich zu den siebziger und achtziger Jahren. Da sah man hier vor lauter Qualm kaum seinen Gesprächspartner.

Damals war die "Octagon Bar" nicht nur verraucht, sondern auch ein wenig verrucht. Der Lack war ab am altehrwürdigen "Clarence", das bereits 1852 erbaut wurde und es im Laufe der Jahrzehnte irgendwie auf zwei lausige Sterne gebracht hatte. Und selbst die wurden der runtergekommenen Herberge wahrscheinlich nur deshalb verliehen, weil das Hotel über eine so eine schöne zentrale Lage mit Blick auf den Liffey verfügt.

In dieser Zeit versackten regelmäßig Dublins Kreative in der "Octagon Bar". Irgendwie war jeder Gast in der achteckigen Trinkhalle ein verkannter Maler, Schriftsteller, Designer oder Musiker. Zur letztgenannten Berufsgruppe zählten auch Bono und The Edge. Als Mitglieder der Rockband U2 sind beide inzwischen internationale Superstars mit gottgleichem Status in der irischen Heimat, Ende der siebziger Jahre waren die zwei im "Clarence" allerdings nicht mehr als ein paar weitere Krakeeler mit Punkattitüde und Pint in der Hand.

Bono und The Edge müssen über die Jahre ein paar schöne Erfahrungen in ihrer Stammkneipe gesammelt haben. Nur so lässt es sich erklären, dass die Herren 1992 das gesamte Hotel kauften und ordentlich aufmöbelten. Nach einer 20-monatigen Bauphase wurde das "Clarence" 1996 wiedereröffnet. Die Absteige mutierte zum Vier-Sterne-Boutiquehotel.

Großspurige Pläne auf Eis gelegt

Das "Clarence" gehört inzwischen zu den besten Adressen in Dublin. Mit nur 49 Zimmern und Suiten ist das Hotel klein, aber fein. Eine Übernachtung gibt es schon ab 135 Euro. Wer sich mal ein wenig wie ein Rockstar auf Reisen fühlen möchte, der gönnt sich die Penthouse-Suite für 2800 Euro die Nacht. Von dessen Terrasse hat man allerdings nicht nur einen traumhaften Blick auf Dublin und den Liffey, sondern bekommt von oben auch gnadenlos den täglichen Verkehrstau auf dem Wellington Quay mit.

2007 kündigte Bono an, das "Clarence" aufwendig zu modernisieren. 150 Millionen Euro sollte der Spaß kosten, und der U2-Frontmann ließ verlauten, das Haus zu einem der spektakulärsten Hotels in Europa zu machen. Für die ersten Entwürfe sorgte der Architektur-Guru Norman Foster. Dessen moderne Designvorstellung gefielen aber nicht jedem in Stadt.

In Dublin regte sich Widerstand in der Bevölkerung gegen das Projekt. Man befürchtete, der Charme des alten "Clarence" ginge verloren, und denkmalgeschützte Gebäude in der direkten Nachbarschaft würden abgerissen. Die Behörden stellten sich quer. Bono und The Edge drohten, der Fortbestand des Hotels sei nur mit dem Umbau gesichert. Nach eineinhalb Jahren lenkten die zuständigen Stellen ein, die Genehmigung wurde erteilt. Dumm nur, dass inzwischen die Finanzkrise Irland heimgesucht hatte. Für die Renovierung des "Clarence" war kein Geld mehr da. Und die Rockstars wollten nicht alles aus der eigenen Tasche zahlen. Das großspurige Projekt liegt seitdem auf Eis.

Den Gästen in der "Octagon Bar" sind die Querelen um das Clarence von vor ein paar Jahren reichlich egal. Bono hin, U2 her. Im Moment ist es den meisten hier viel wichtiger, noch schnell einen Drink zu bekommen, bevor es in einen der umliegenden Pubs weitergeht. Durchaus verständlich. In einem Land mit Sperrstunde muss man schließlich Prioritäten setzen.

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Autor:
Denis Krah