Dubai Öko-Hotel in den Emiraten

Der Wachmann blickt fragend von seiner Liste auf, dann lässt er sich unsere Namen noch mal genau buchstabieren. Passieren darf hier nur, wer auf dieser Liste verzeichnet ist.

Es vergeht eine kleine, wichtige Ewigkeit, dann winkt der Mann uns mit knapper Geste durch. Doch wer erst mal durchs Eingangstor hindurch ist, der hat noch eine kleine Fahrt vor sich. Eine Viertelstunde benötigt der Jeep über eine holprige Schotterpiste, ehe wir am Horizont schließlich etwas anderes ausmachen als Wüstensand, karge Büsche und windschiefe Bäumchen. Inmitten von 225 Quadratkilometern Naturschutzgebiet steht einsam das Al Maha.

Aus der Entfernung wirkt die Hotelanlage mit ihren vielen Zeltdächern wie ein Beduinenlager, das am Rande einer kleinen Oase aufgeschlagen worden ist. Doch der klassische Typ des Nomaden verkehrt im Al Maha Desert Resort & Spa keineswegs. 1200 Euro kostet die günstigste Übernachtung in einer Standard-, 7000 Euro die in der Präsidentensuite. Hollywood-Stars wie Robert De Niro, Matt Damon und Glenn Close haben sich dieses exklusive Erlebnis schon gegönnt und auch etliche weniger prominente Leute mit Vermögen. Tagesgäste sieht das Konzept des Al Maha nicht vor, mindestens zwei Übernachtungen sind Pflicht. Kinder unter zwölf Jahren müssen zu Hause bleiben. "Unsere Gäste wollen hier vor allem die Ruhe und die Natur genießen", erläutert Hotelchef Arne Silvis. Der Südafrikaner, der seit sieben Jahren im Al Maha arbeitet, sieht ein wenig aus wie Mel Gibson - in dessen besseren Tagen.

Die 42 Suiten sind mit reichlich arabischen Antiquitäten aufgefüllt, jede verfügt über einen privaten Swimmingpool. Ein ausgesprochener Luxus, der auch dem ökologischen Grundgedanken der Anlage zu widersprechen scheint. "Wir verschwenden kein Wasser", behauptet Silvis. "Wir tun alles, um die Umwelt und das umliegende Naturschutzgebiet zu schonen." Abwasseraufbereitung lautet das Zauberwort. Nach Hotelangaben können so 94 Prozent des Brauchwassers wieder genutzt werden. Außerdem, so Hotelchef Silvis, würden die Kamelfarmen der Gegend weitaus mehr Wasser verbrauchen als das Al Maha mit seiner modernen Umwelttechnik.

Solarzellen sucht man auf dem Gelände gleichwohl vergebens. Auch wenn sich das für ein Hotel in bester Wüstenlage geradezu anbietet. Lediglich das Wasser der Personalunterkünfte wird mit der Kraft der Sonne erwärmt. "Eine große Photovoltaikanlage passt nicht zum Erscheinungsbild des Ressorts", erklärt Silvis diesen Umstand und fügt grinsend hinzu: "Wenn die Geräte irgendwann mal hübscher aussehen, stellen wir uns hier auch so etwas hin." Energie spare man, wo man nur könne. Im Hintergrund brummt eine der zahlreichen und bei den hohen Durchschnittstemperaturen unverzichtbaren Klimaanlagen leise vor sich hin.

Knapp 45 Kilometer liegt das exklusive Resort von Dubai entfernt. Auf dem Balkon der kleinen Bar im Al Maha kann man die City in der Ferne ausmachen, aber hier ist nichts mehr von der Hektik der Metropole zu spüren. Stattdessen genießt man kühlen Weißwein, und beobachtet drei arabische Oryx, die ein paar hundert Meter entfernt eine kleine Wasserstelle aufsuchen. Die Antilopenart ist vom Aussterben bedroht. In der Landessprache heißen die Tiere "Al Maha". Die kleine Tiertränke ist künstlich angelegt und wird abends beleuchtet. Den besten Blick auf diese Inszenierung hat man von der Terrasse des Hotelrestaurants aus, auf der der trockene Wüstenwind am frühen Abend die Hitze erträglicher macht; auch wenn der aufgewirbelte feine Sand im Mundraum zwischen den Zähnen knirscht.

Peter ist einer der Wildparkhüter vom Al Maha. Seine Aufgabe ist es, die Hotelgäste in die Wüste zu schicken. Zu Fuß oder auf Pferde- oder Kamelrücken. Oder im klimatisierten Jeep, auf dessen Rückbank sich gerade ein junges japanisches Pärchen amüsiert. Begeistert und erstaunlich synchron stoßen die beiden Asiaten bei Tiersichtung einen Freudenschrei aus: Gazellen, Oryx, seltene Echsen und Vögel. Peter sieht und kennt alles. Der kräftige Südafrikaner hat jahrelang im Krüger-Nationalpark gearbeitet. Mit Hingabe erklärt er uns die Eigenheiten der kargen Natur und ihrer Bewohner; während die Japaner die Speicher ihrer Digitalkameras ordentlich füllen. Dann zieht eine große Herde Oryx auf dem Weg zur Futterstelle unmittelbar am Wagen vorbei. Selbst die Japaner werden plötzlich still. Und auch Peter genießt diesen Augenblick. "Schön", sagt er leise und fährt ganz langsam weiter. Zum Sonnenuntergang wird er mit ein paar anderen Gästen auf Kamelen noch einen Ausritt in die Wüste unternehmen.

Das Naturschutzgebiet ist fraglos das große Kapital des Al Maha und in seiner Art einmalig im Emirat. 1997 begann man auf Geheiß von Scheich Mohammed Bin Raschid Al Maktum mit der Errichtung des Reservats. Der Herrscher von Dubai ließ dafür eigens eine Herde Oryx aus den USA einfliegen, um den Bestand im Emirat wiederaufzubauen. In den Erhalt und den Ausbau des Wüstenbiotops wird ständig investiert. Allein die Fluggesellschaft Emirates zahlt jährlich fünf Millionen Dollar in den Topf. Das Al Maha, dessen Eigner die Emirates Group ist, führt einen Teil seines Gewinns regelmäßig an die Stiftung ab.

Inzwischen hat die Nacht die Wüste und all ihre Bewohner verschluckt. Die Luft kondensiert am eiskalten Glas. Noch immer sind es weit über 30 Grad Celsius. Der Sternenhimmel erstrahlt in einer für Großstädter ungewohnten Klarheit. Arne Silvis und seine Gäste schauen beseelt von der Terrasse hinaus in die Dunkelheit. Keine Wolkenkratzer, keine Einkaufszentren, keine Autolawine sind zu sehen. Dubai ist weit entfernt. Und keiner vermisst es.

 

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Autor:
Denis Krah