Dubai Gehörig Schub fürs Emirat

Die Brasilianer sind da. Viele. Und es kommen immer mehr. Täglich. Seit einigen Monaten bevölkern sie Dubai, staunen über das höchste Gebäude der Welt, erkunden die unendlichen Weiten der Shopping-Malls und rasen mit Jeeps über Wüstendünen - das klassische Touristenprogramm in Dubai eben. Exakt jenes, das die Deutschen, Japaner und Russen längst schon hinter sich gebracht haben. Mit den vielen Brasilianern kommt jetzt neues Geld nach Dubai. Dank Emirates, dem Motor der Destination Dubai.

Seit 2007 fliegt die Fluggesellschaft Brasiliens größte Stadt São Paolo an. Inzwischen an sieben Tagen in der Woche, und die Maschinen kommen gut gefüllt zurück. "Die Brasilianer sind unsere neueste Klientel", sagt Stephan Schupbach. Der Schweizer leitet die Luxushotels Al Qasr und Dar Al Masyaf in Dubai. "Sobald Emirates einen neuen Flughafen ins Streckennetz aufnimmt, kriegen wir das über die Buchungen spürbar mit." Doch nicht nur der Tourismus in Dubai profitiert von der Fluggesellschaft Emirates. Umgekehrt benötigt Emirates die Strahlkraft der Wüstenmetropole, um Passagiere in ihre Maschinen zu locken. "Wir profitieren sehr stark voneinander", sagt Robert Vaughan, Vizepräsident von Emirates.

Vaughan trägt die Verantwortung für den Passagierflugverkehr bei Emirates. Das Kerngeschäft. Der Australier ist der Typ Boss, den sich der deutsche Angestellte wünscht, weil er so einen Chef im eigenen Konzern vergebens sucht. Vaughan ist unkompliziert, uneitel, er ist kompetent. Einer, der gut mit Menschen kann und auch schon mal über sich selbst lacht. Nachdem er jemandem einen Restaurant-Tipp für Dubai gegeben hat, erkundigt er sich später per E-Mail, ob alles auch wirklich in Ordnung war. Vaughan kümmert sich.

Sowohl Emirates als auch Dubai haben mal ganz klein angefangen und sind schnell groß geworden. Das Scheichtum begann als Fischerdorf, entdeckte das Öl und dann den Gigantismus. Doch der bauliche Protz hat Kalkül. Nichts schürt die Neugier auf eine aus dem Boden gestampfte Stadt so sehr wie das höchste Gebäude, das luxuriöseste Hotel, das größte Einkaufszentrum oder der teuerste Golfplatz - der Welt, versteht sich. Dubais Herrscher, Scheich Mohammed Bin Raschid al-Maktum, hat erkannt, dass für sein Emirat Tourismus und Business die Zukunft sind, weniger das Bohren nach fossilen Brennstoffen. "Wir wollen die Nummer eins werden", sagt der Scheich wenig bescheiden in einem seiner seltenen TV-Interviews. "Nicht in der Region, sondern in der Welt."

Und Emirates trägt diese Botschaft in die Welt hinaus - in alle 99 Zielorte jener 60 Länder, die angeflogen werden. Die Flotte verfügt über 137 Großraumflugzeuge. Neue Modelle wie der A380 oder die Boeing 777 sind geordert. 22,7 Millionen Passagiere wurden im Geschäftsjahr 2008/2009 befördert, sieben Prozent mehr als im Jahr davor. Der Umsatz betrug stattliche zwölf Milliarden Dollar. Damit belegte die Airline bei der Beförderung internationaler Passagiere weltweit Rang sieben. Zahlen, die bei Gründung des Unternehmens völlig undenkbar waren.

1985 erhielt Emirates seitens der Regierung lediglich zehn Millionen Dollar als Anschubfinanzierung. Das reichte für zwei geleaste Jets. Und die flogen zunächst nicht nach New York oder London, sondern nach Indien. "Mit dem Startkapital gab es eine klare Ansage vom Scheich: 'Kommt bloß nicht wieder und fragt nach mehr Geld'", erzählt Vaughan. "Deshalb musste diese Firma einfach funktionieren." Die Fluggesellschaft sei alles andere als ein neues Spielzeug für die Ölmilliardäre Dubais gewesen und schon gar nicht sei sie ein staatliches Unternehmen mit unendlichen Subventionierungsoptionen. "So etwas wie Dubai Incorporated gibt es nicht", versichert Vaughan. "Emirates ist eigenständig. Wir müssen Geld machen!"

Wer sich in einem Emirates-Jet im Landeanflug auf Dubai befindet, der sieht auf dem Monitor im Sitz einen kurzen Film. "Wonderful World" von One-Hit-Wonder Black ist zu hören und dazu zelebriert Emirates eindrucksvoll sämtliche Klischees, die man mit Dubai verbindet: Polo spielen, Yachtsegeln, Golfen - 1001 Nacht, und vor allem im Luxus schwelgen: Vergesst die Finanzkrise, geht shoppen - so lautet die unterschwellige Botschaft. Nach Filmende wird via Außenbordkamera die imposante Skyline von Dubai auf die Monitore übertragen. Eine perfekte Inszenierung.

Das Hauptquartier von Emirates unweit des Flughafens sieht von außen wenig perfekt aus, es ist so überhaupt nicht Dubai. Und wer das größte Airline-Gebäude der Welt erwartet, wird enttäuscht sein, denn dort steht ein äußerst unspektakulärer Bürokomplex. Von einer Aussichtsplattform des Gebäudes fällt der Blick auf den modernen Terminal 3 des Dubai International Airports, der ausschließlich für Emirates-Maschinen reserviert ist. Regelmäßig fegen Reinigungskräfte das riesige Dach des Gebäudes, um es vom Wüstensand zu befreien. Gleich nebendran soll ein weiterer Emirates-Terminal entstehen. Für eine Armada von brandneuen Maschinen, die bald eingeflogen werden. Vergesst die Krise - geht shoppen.

Shoppen können auch die Angestellten im Emirates Hauptquartier bestens: Supermarkt, Drogerie, Bank, Mobilfunk-Shop, Souvenirladen, ein schickes Café und zahlreiche Imbisse - es fehlt an nichts. Im unteren Stockwerk befindet sich ein Arzt. Ganz oben ein Luxus-Spa, in dem sich die Damen die Beine enthaaren lassen. Das gehobene Management darf ganz hoch hinaus, auf dem Dach warten ein Swimmingpool samt Bar sowie eine Laufstrecke.

Wo schon das Hauptquartier optisch nicht als Aushängeschild taugt, gibt es ja noch die Kabinenbesatzung. Emirates-Flugbegleiter umgibt eine ganz besondere Aura. Sie haben Klasse, sind schön, jung und immer freundlich, und sie werden weltweit gecastet. Die Passagiere freut das, schließlich ist der Service an Bord erstklassig. Man fühlt sich fast an die goldenen Zeiten von PanAm oder Lufthansa erinnert, als Stewardess der Traumberuf vieler Mädchen war und die Männer davon phantasierten, eine zu ehelichen. Damals, als ein interkontinentaler Flug immer ein amouröses Abenteuer versprach. In Dubai ist dieser Mythos noch intakt. Und Emirates pflegt diesen nur zu gern. Die Kabinen-Crew und ihre schicken Uniformen prägen die Marken-Kommunikation des Unternehmens. Mit Erfolg.

Gleiches gilt für das außergewöhnliche Sport-Sponsoring der Airline. Innerhalb weniger Jahre ist es dem Unternehmen gelungen, seinen Bekanntheitsgrad weltweit um ein Vielfaches zu steigern. Mit einem Powerboat-Rennen in Dubai fing es an, inzwischen ist Emirates auf allen Bühnen des Sports vertreten. Egal ob Fußball-WM, Golfturnier - die Fluggesellschaft aus Dubai mischt mit. Champions-League-Teams wie Arsenal London tragen den Schriftzug des Unternehmens genauso auf der Brust wie Rugby-Mannschaften in Australien. "Das neue Stadion von Arsenal nennen die britischen Sportjournalisten sogar nur noch 'The Emirates'", berichtet Vaughan. Die Strategie geht auf.

In Kürze schon wird eine weitere Gruppe Touristen in Dubai erwartet. Emirates hat eine neue Route ins Programm genommen. Die teuerste Stadt der Welt - Luanda in Angola - wird angeflogen. Dreimal die Woche. Nonstop. Die Hotelmanager und Stadtführer erwarten ihre afrikanischen Gäste schon.

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Autor:
Denis Krah