Dubai Ein perfekter Ort für Golf

MERIAN.de: Herr Stenson, Sie sind Schwede und leben in Dubai. Weshalb?

Stenson: Es gab tatsächlich einige Gründe, die mich 2003 dazu bewegt haben, hierher zu kommen. Mein Trainer Pete Cowen, mit dem ich auch heute noch zusammenarbeite, übernahm damals die Golf-Academy im Emirates Club von Dubai, und ich wollte nah bei ihm sein. Zudem gab und gibt es hier natürlich zahlreiche großartige Golfplätze. Und überhaupt ist Dubai ein perfekter Ort, um im Winter zu trainieren, jener turnierfreien Jahreszeit, in der man als Golfprofi naturgemäß die meiste Zeit fürs Training hat. Von Oktober bis Mai ist das Wetter hier in Dubai eigentlich immer schön - und vor allem trocken.

MERIAN.de: War auch die enge Bindung der europäischen Profigolf-Tour an den persischen Golf ein Grund? Jeden Januar werden Turniere wie die Abu Dhabi Championship, das Qatar Masters und die Dubai Desert Classic hier veranstaltet. Und in diesem November wird erstmals das Saisonfinale der europäischen Tour in Dubai ausgespielt, mit einem Rekordpreisgeld von zehn Millionen Dollar.

Stenson: Als ich 2003 hierher kam, gab es nur das Qatar Masters und die Desert Classic. Aber natürlich war die Lage Dubais ein wichtiger Grund für meine Entscheidung. Denn damals spielte ich ausschließlich auf der European Tour, und die begann, immer mehr Turniere in Asien abzuhalten, nicht nur am Persischen Golf, sondern auch in China, Malaysia und so weiter. Dubai ist da als Ausgangspunkt sehr angenehm: Man ist schneller in Fernost als etwa von Schweden aus und hat weniger Zeitunterschied. Ich wollte mir die bestmögliche Ausgangslage verschaffen, um Erfolg in diesem Sport zu haben.

MERIAN.de: Was Ihnen eindrucksvoll gelungen ist. 2003 waren Sie in der Weltrangliste nicht mal unter den ersten 200. Inzwischen belegen Sie den sechsten Rang. Sie haben große Turniere gewonnen und beim Ryder Cup 2006 den entscheidenden Putt versenkt.

Stenson: Deshalb ist es jetzt ja so hektisch geworden, dass ich kaum noch freie Zeit habe - außer ein paar Wochen im Winter. Aber wenn, dann finde ich hier exzellente Trainingsgelegenheiten gleich um die Ecke. Und wissen Sie, die Sonne scheint immer in Dubai - außer vielleicht im europäischen Sommer, aber dann bin ich sowieso nicht hier.

MERIAN.de: Sondern wo?

Stenson: Im Sommer spiele ich die Turniere in Europa und in den Wettkampfpausen zwischen den Events fahre ich in meine schwedische Heimat, besuche meine Familie und Freunde. Außerdem habe ich inzwischen noch eine weitere Basis in den USA (in Florida - d. Red.), weil ich inzwischen auch dort häufiger spiele, vor allem im Frühling. Ich folge also immer der Sonne: Winter in Dubai, Frühling in Amerika, Sommer in Europa und ab dem Spätherbst dann wieder Dubai.

MERIAN.de: Bekommen Sie von Dubai außer Golfplätzen überhaupt etwas mit?

Stenson: Oh ja, zumindest die klassischen Touristenattraktionen habe ich inzwischen alle durch. Ich habe auch Freunde hier oder bekomme Besuch. Für Urlauber ist Dubai ein sehr angenehmer Ort, es liegt am Meer, hat schönes Wetter und lässt auch sonst kaum Wünsche offen. Der einzige Nachteil ist der Verkehr - der ist so hektisch wie in jeder anderen großen Metropole.

MERIAN.de: Wenn Ihnen der Verkehr schon nicht gefällt - was halten Sie von der futuristischen Architektur Dubais?

Stenson: Die mag ich sehr, auch wenn ich sie inzwischen vielleicht nicht mehr so häufig wahrnehme wie am Anfang meiner Zeit hier. Aber ich bin wirklich schwer begeistert von diesem Mix der Kulturen, dieser Mischung aus Westen und Mittlerem Osten. Dubai hat eine ganz besondere Ausstrahlung, eine gewisse Mystik. Die spürt man schon bei der Ankunft am Flughafen.

MERIAN.de: Wie stark spürt man die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Dubai?

Stenson: Alles wächst ein bisschen langsamer als zuvor und einige Baustellen stehen still. Aber dadurch (lacht) ist immerhin der Verkehr etwas entspannter.

 

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