Dubai Ein Besuch auf Tiger Woods Golf-Baustelle

In Miniatur gibt es das alles schon. Das schicke Hotel, die Villen und Paläste, das edle Clubhaus, die clubeigene Shopping-Mall, die klimatisierte Driving-Range und natürlich das Herzstück der ganzen Veranstaltung: den exklusiven 18-Loch-Golfplatz. Wobei. Dies ist nicht irgendein Golfplatz, nicht einer dieser unzähligen "Championship Courses". Nein. Dies ist der erste, von Tiger Woods persönlich entworfene Golfplatz, den es auf dieser Welt zu spielen geben wird.

Abdulla Al Gurg steht stolz an dem maßstabsgetreuen Miniaturmodell der Wunderwelt, die hier vor den Toren Dubais bald real existieren wird. Gurg ist der Projektleiter und damit verantwortlich für ein Gesamtbudget in Höhe von umgerechnet gut 575 Millionen Euro. Fünf Quadratkilometer staubige Wüste werden hier in ein sattgrünes Golfparadies inklusive Infrastruktur verwandelt. Gurg ist 28 Jahre alt. Seit Februar 2007 hat er den Posten inne.

"The Tiger Woods Dubai" ist ein Prestigeobjekt für die gesamte Region und Teil des noch größeren Immobilienprojekts "Dubailand". Dahinter stehen das Unternehmen Tatweer und seine Tochterfirmen, die die maßgeblichen Megabauvorhaben im Emirat entwickeln und umsetzen. Taweer gehört zu fast 100 Prozent Scheich Mohammed Bin Rashid Al Maktoum, dem Herrscher Dubais und persönlichem Freund von Tiger Woods.

Auf der Baustelle weht ein heißer Wüstenwind. Noch ist nicht viel zu sehen vom ersten Tiger-Woods-Design, was keineswegs am feinen Sandstaub liegt, der wie dichter Nebel über das Gelände wabert. Noch schwitzen auf dem riesigen Bauareal Tag für Tag knapp 400 Arbeiter bei mehr als 40 Grad Celsius. Während der zügigen Fahrt im klimatisierten Jeep über das Gelände rattert Gurg vom Vordersitz die Kennziffern von "The Tiger Woods Dubai" im Eiltempo durch - wer, was, wann, wie, wo - von kleinsten technischen Details der Wasserpumpen bis zur Anzahl der Hotelzimmer. Grinsend dreht sich der 28-Jährige um: "Bin ich zu schnell?" Er prügelt das Auto durch ein Schlagloch. "Ich meine die Fakten, nicht meinen Fahrstil." Gurg lacht.

Wir halten. Der Blick schweift über ein riesenhaftes Fußballfeld. Ein einsamer Arbeiter zieht seine Runden auf dem Rasenmäher. Hier wird das Gras für den Golfplatz angepflanzt. Nicht irgendein Rasen, heiliger Rasen. Es sind die Grassorten, auf denen die Profis beim ehrwürdigen US Masters in Augusta spielen. Tiger Woods hat sich das so gewünscht und Tifway 419, TifEagle und Tifdwarf auf den Einkaufszettel geschrieben. Gurg hat alles besorgt. "Das ist einer der Hauptgründe, warum Tiger hier seinen ersten Platz baut", sagt der Projektleiter. "Er kann sein Design ohne Einschränkung verwirklichen. Das Budget spielt keine Rolle."

Eine Wand aus grüner Plastikfolie umzäunt das Areal mit dem heiligen Rasen und schützt ihn vor Sand und Wüstenwind. Doch bisweilen reicht die Vorsichtsmaßnahme nicht aus. "Neulich habe ich zwei Kamele erwischt, die gierig über den Zaun schauten", berichtet Gurg. "Die haben die ganze Zeit überlegt, wie sie an das leckere Futter kommen."

Clubmitgliedschaft nur auf Einladung

In direkter Nachbarschaft zum Rasen liegt die Baumschule. Pflanzen aus aller Welt werden hier herangezogen. Alle Sorten wurden von Tiger Woods ausgesucht. Sogar die Größe der zu importierenden Pflanzen legte der Superstar fest. "Tiger ist schon sehr detailversessen", beschreibt ihn Gurg und kann sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. "Alle drei Wochen haben wir ein Team seiner Design-Firma hier, das alles überprüft." Auch Woods schaue gelegentlich vorbei, ganz inoffiziell, um sich vom Fortschritt seiner Kreation zu überzeugen.

Das Projekt geriet zuletzt ein wenig ins Stocken. Denn eigentlich hätte die Anlage dieser Tage eröffnet werden sollen. Aber der Termin September 2009 konnte nicht gehalten werden, weil die Finanzkrise auch vor Dubai nicht haltmachte. Böse Zungen behaupteten sogar, das Projekt sei am Ende. Dem ist mitnichten so, wie Gurg erläutert. Kurzfristig habe man Verträge mit anderen Subunternehmern geschlossen, die Arbeiten gingen weiter und der Projektleiter nahm ein paar Anpassungen vor. So wurde Zimmerzahl des Hotels erhöht und auch der exklusive Golfclub sucht jetzt nicht mehr nur 200, sondern gleich 500 potente Mitglieder.

Inzwischen sind mehr als 2200 Bäume auf dem Gelände angepflanzt. 33.000 sollen es nach Fertigstellung sein. Hinzu kommen noch mal 480.000 Büsche und Hecken. An drei Löchern - Nummer vier, fünf und sechs - könnte man eigentlich schon die Schläger schwingen, mithin existieren 1349 der insgesamt 7159 Meter Gesamtlänge bereits. Lediglich die Wasserhindernisse fehlen und ein bisschen zu viel Wüste ist am Rand der Bahnen auszumachen. "Wenn wir fertig sind, dann gibt es hier den Sand nur noch in Bunkern", sagt Gurg. "Das gesamte Areal wird begrünt."

Zur Umsetzung dieses Plans benötigt Gurg Wasser. Sehr viel Wasser. Und das kommt aus den Abwasserkanälen von Dubai. Die Kläranlage der Metropole pumpt zurzeit Unmengen an Brauchwasser auf die Baustelle, wo es in einer temporären Umkehrosmose-Anlage aufbereitet wird. Täglich entstehen so 5000 Kubikmeter Trinkwasser. Wenn die eigentliche Umkehrosmose-Anlage im kommenden Jahr errichtet ist, werden es 30.000 Kubikmeter sein. Ein komplexes Pumpensystem sorgt für einen ständigen Wasseraustausch auf dem Gelände. "Kristallklares Wasser", verspricht Gurg seinen Gästen in den Wasserhindernissen des Platzes.

Das Wasser ist selbstverständlich nicht der einzige Luxus des Projektes. Auch die angebotenen Eigenheime haben es in sich: 100 Villen, 75 Herrenhäuser und 22 Paläste stehen zum Verkauf. Wobei der Erwerb einer dieser Immobilien nicht zwangsläufig die Aufnahme in den Golfclub nach sich zieht. In dem können nur Personen Mitglied werden, die von Tiger Woods' Vermarktungsagentur IMG ausgesucht worden sind. Der Preis für die Mitgliedschaft ist übrigens ein Geheimnis, das auch Gurg nicht verraten möchte.

Außer den Clubmitgliedern dürfen nur Hotelgäste des Tiger Woods Dubai den Platz spielen. Die edle Herberge wird jedoch später als der Golfkurs fertiggestellt. "Es sind deshalb Kooperationen mit einigen Hotels in Dubai geplant", sagt Gurg. "Deren Gäste können dann in der Anfangszeit auch auf unserem Platz spielen." Er selber wird kaum Zeit auf den 18 Bahnen verbringen. Gurg spielt kein Golf. Eine einzige Trainerstunde hat er bislang genommen, die Leidenschaft für den Sport ist dabei nicht geweckt worden. "Am Lehrer lag es aber nicht", versichert Gurg. Denn der hieß Tiger Woods.

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Autor:
Denis Krah